WBO: Hohe Dieselkosten fordern ihren Tribut

Der Verband Württembergischer Omnibusunternehmen hält angesichts der weiterhin desolaten Lage Preisanpassungen im Herbst für unumgänglich und mahnt konkrete Unterstützung durch die Politik an.

Bereits auf dem WBO-Aktionstag am 21. Juni hat der Branchenverband nachdrücklich auf die Konsequenzen für den ÖPNV angesichts der hohen Spritpreise hingewiesen, im Bild WBO-Geschäftsführer Witgar Weber. (Foto. WBO)
Bereits auf dem WBO-Aktionstag am 21. Juni hat der Branchenverband nachdrücklich auf die Konsequenzen für den ÖPNV angesichts der hohen Spritpreise hingewiesen, im Bild WBO-Geschäftsführer Witgar Weber. (Foto. WBO)
Martina Weyh

Sorgenfalten bei den Verkehrsunternehmen: Der nach wie vor sehr hohe Dieselpreis wird zum 01. September erneut in schwindelerregende Höhen steigen, so die Einschätzung des Verbandes Württembergischer Busunternehmen (WBO). Grund ist das Ende der auf drei Monate befristeten Reduzierung der Energiesteuer – denn die steigt ab diesem Zeitpunkt dann von aktuell 33 auf 47 Cent je Liter.

Deshalb warnt der Branchenverband, der im Ländle die Interessen von rund 350 Omnibusunternehmen vertritt, eindringlich vor möglichen Stillständen nicht nur beim Schülerverkehr und sieht die Politik in die Pflicht.

„Im Herbst wird es ernst – das sagen wir schon seit Monaten“ so Yvonne Hüneburg,

Die Stellvertretende WBO-Geschäftsführerin, ist wie die ganze Branche den Krisenmodus rund um Corona-Pandemie, Ukraine-Krise und Dieselpreisexplosion leid. Es sei Zeit für gute Nachrichten, dazu brauche es aus ihrer Sicht primär eine Landeslösung für die vollständige Übernahme der Dieselmehrkosten. Zwar gebe es in etlichen Landkreisen individuelle Lösungsansätze, je nach Aufgabenträger – diesen Flickenteppich halte der WBO jedoch für unzumutbar

„Es kann doch nicht sein“, erläutert Hüneburg, „dass das Zufallsprinzip entscheidet, ob Verkehrsunternehmen die dringend notwendigen finanziellen Mittel für den Ausgleich der Dieselmehrkosten erhalten oder nicht – je nachdem, in welchem Landkreis ein Unternehmen sitzt.“

Die Konsequenzen seien bereits spürbar:

  • Im Zollernalbkreis habe eine Bietergemeinschaft aus drei Unternehmen ihre Subunternehmerleistungen in drei Linienbündeln zum 11. September gekündigt
  • in Reutlingen drohten sieben Verkehrsunternehmen ebenfalls mit der Kündigung ihrer (Subunternehmer-) Leistungen zum 01. September.

 „Subunternehmer sind in dieser Krise am Schlimmsten dran“, als schwächstes Glied in der Kette sind sie rein vom Auftraggeber abhängig.“

Die Misere wird aus Sicht des WBO auch Folgen für die Fahrgäste haben: Die Tickets werden teurer werden, prognostiziert der Branchenverband und Preisanpassungen als Konsequenz unumgänglich.

„Wir haben massive Kostensteigerungen in allen Segmenten“, betont Ulrich Rau, ÖPNV-Vorstand des WBO und Geschäftsführer der OVA, OVA-Omnibus-Verkehr Aalen, Dipl. Ing. Rau GmbH + Co KG. „Es wäre unternehmerischer Selbstmord, in einer solchen Situation die Tarife unangetastet zu lassen.“

Dass ein Betrieb nicht mehr wirtschaftlich darstellbar sei und den Markt verlasse, sollte im Sinne des Gesamtsystems ÖPNV unbedingt vermieden werden, mahnt Rau.

Der Verband und seine Mitgliedsunternehmen sehen ungeachtet der aktuell sehr düsteren Situation auch Positives:

„Wir sollten diese Energiekrise als Chance für den ÖPNV begreifen“, meint Yvonne Hüneburg und ergänzt „gerade im Vergleich zum Pkw lohnt sich jetzt ein Umstieg in den öffentlichen Nahverkehr!“

Ihr Ansicht nach wäre es dafür hilfreich, die Maskenpflicht abzuschaffen und auf freiwillige Basis zu stellen. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn die Menschen auf dem Cannstatter Volksfest zu Tausenden ohne Maske im Zelt feierten und dann später im ÖPNV die Maske aufsetzen müssten. Das werde vom Fahrgast aktuell nicht mehr akzeptiert – und sei kontraproduktiv für den dauerhaften Umstieg auf den ÖPNV, ist die Stellvertretende WBO-Geschäftsführerin überzeugt.

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