Tag des Bustourismus: Europa ist wieder im Trend

Branchenvertreter diskutierten auf der Veranstaltung in Stuttgart über Perspektiven in Krisenzeiten.

WBO und gbk luden zu einer spannenden Tagung mit kompetenten Referenten und Gesprächspartnern ein: v.l. Martin Becker, Hermann Meyering (gbk-Vorsitzender), Karlheinz Scholtis, Klaus Sedelmeier (WBO-Vorsitzender), Tina Behringer, Yvonne Hüneburg, Melanie Wekenmann, Karl Heyne, Michael Gersch, Harald Binder, Ansgar Zoller und Mathias Hirsch. (Foto: gbk)
WBO und gbk luden zu einer spannenden Tagung mit kompetenten Referenten und Gesprächspartnern ein: v.l. Martin Becker, Hermann Meyering (gbk-Vorsitzender), Karlheinz Scholtis, Klaus Sedelmeier (WBO-Vorsitzender), Tina Behringer, Yvonne Hüneburg, Melanie Wekenmann, Karl Heyne, Michael Gersch, Harald Binder, Ansgar Zoller und Mathias Hirsch. (Foto: gbk)
Claus Bünnagel

Mit Beginn der Pandemie boomten deutsche Destinationen.Mittlerweile sind auch wieder Reiseziele in Europa gefragt. Weitere Trends und Chancen für ihre Branche vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen diskutierten Bus- und Paketreiseveranstalter auf dem „Tag des Bustourismus“ in Stuttgart. Rund 120 Bustouristiker und ihre Partner waren der Einladung des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) und der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) gefolgt. Die Tagung unter dem Motto „Reisen im Spannungsfeld der Krisen: Aussichten und Herausforderungen für die aktuelle Saison“ fand im Rahmen der CMT statt.

Steigende Bedeutung von Rad- und Wanderreisen

Ein Gang durch die Urlaubsmesse belege die steigende Bedeutung von Rad- und Wanderreisen auch für den Bustourismus, stellte Martin Becker in seiner Einführung fest. Vor dem Hintergrund von Personalmangel, Lieferengpässen sowie der Abhängigkeit vieler Firmen von staatlicher Unterstützung verwies der gbk-Geschäftsführer auf Kooperationen als Alternative zum klassischen Konkurrenzkampf. Als Beispiel dafür nannte er mittelständische Unternehmen, die ihren Busport zusammen nutzen und gemeinsame Reisekataloge veröffentlichen.

Ergebnisse einer Umfrage

Michael Gersch, Touristik-Referent beim WBO, präsentierte die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 60 Bustouristikern in Baden-Württemberg. Demnach ist die Stimmung unter den Teilnehmern gut bis verhalten optimistisch. Mehr als ein Drittel erwartet ein gutes oder sehr gutes Reisegeschäft für das laufende Jahr. Drei Viertel der Befragten rechnen mit positiven Ergebnissen im Mietbusgeschäft . Mehr als 70 % stufen den Einfluss von Inflation und Energiekrise auf das Buchungsverhalten als gering ein. Corona spiele bei der Entscheidung für einen Urlaub in diesem Jahr nach Meinung aller Befragten keine Rolle mehr. Die Auswertung des WBO zeigt auf, dass 15 % im Jahr 2022 ein Umsatzvolumen von mehr als 90 % im Vergleich zu 2019 erreicht haben und 57 % der Unternehmen ein Umsatzvolumen von mehr als 80 %.

Das ist deutlich besser, als viele erwartet haben. (Gersch)

Kritik an Preisgestaltung

Während Mathias Hirsch 2021 etwa 60 verschiedene Routen in Deutschland angeboten hat und die Kunden des Busreiseveranstalters aus Karlsruhe auch eine viertägige Reise durch das Taubertal buchten, verkauft er jetzt vor allem wieder ausländische Ziele. Mit kämpferischem Pathos appellierte er an die Busunternehmer, sich gegen die „frechen“ Preissteigerungen vieler Hotels zu wehren. Deutliche Kritik übte Hirsch auch an Hotels, die ihr Geschäft nur noch über digitale Buchungsplattformen generieren:

Viele Hotels wollen keine Verträge mit Gruppenreiseveranstaltern machen.

Migration als Chance gegen Personalmangel

„Gruppen sind uns immer sehr willkommen“, betonte dagegen Tina Behringer. Die Paketreiseveranstalterin registriert jetzt wieder eine verstärkte Nachfrage nach Reisezielen in Europa. Neben Österreich, der Schweiz und Skandinavien liegen auch England, Frankreich und Kroatien im Trend. Migration sieht sie als Chance im Kampf gegen den Personalmangel, von dem auch das Hotelgewerbe stark betroffen ist.

Melanie Wekenmann vermisst Auszubildende, die im Tourismus arbeiten wollen, sowie „Gastronomen aus Leidenschaft“ und ärgert sich über „exorbitant hohe Zuschläge für Einzelzimmer in den Hotels“. Der reduzierte Service in den Gästehäusern stehe im Widerspruch zum „Anspruchsdenken verwöhnter Stammkunden“. In den gegenwärtigen Krisenzeiten verkauft die Busreiseveranstalterin aus Rottenburg vor allem günstige Kurz- und Tagesreisen.

Weiter steigende Hotelpreisen erwartet

Im Gegensatz dazu beobachtet Karl Heyne keinen Trend zu kürzeren Reisen, deren Organisation im Vergleich zu längeren Urlauben aufwändiger sei. Der Paketer aus Gießen rechnet mit weiter steigenden Hotelpreisen, zumal jetzt auch Touristen aus Asien „Europa überfluten werden“. Um gute Umsätze zu generieren, sollten Busunternehmer ihre Reisen deshalb frühzeitig einkaufen.

Hohe Qualität verkauft sich gut

Ansgar Zoller erkennt in der demographischen Entwicklung noch Potential für die Bustouristik. „Unser Publikum verfügt über viel Zeit und hohe Renten“, erklärte der Inhaber der Trendwerkstatt im oberschwäbischen Erolzheim. Statt Abstriche bei der Qualität zu machen, sollten Busreiseveranstaltern ihren Kunden besondere Erlebnisse bieten.

Es muss nicht billig, sondern super sein. (Zoller)

Podiumsdiskussion

Karlheinz Scholtis schlug auf einer Podiumsdiskussion, die von der WBO-Geschäftsführerin Yvonne Hüneburg moderiert wurde, in dieselbe Kerbe: „Teure Reisen mit hoher Qualität verkaufen sich gut, die Kundschaft hat das Geld“, stellte der Geschäftsführer der Touristik Partner Service GmbH in Rödermark fest. Wenn er keine geeigneten Fahrer finde, werden er seinen Fuhrpark verkleinern müssen, räumte der Stuttgarter Busunternehmer Harald Binder in dieser Gesprächsrunde ein. Und Heinrich Marti fürchtet, dass der Reisebus langfristig zum Verlierer der Klimapolitik wird. „Denn mit dem Ende des Verbrenners werden die Fahrzeuge und damit auch unsere Produkte teurer“, gab der Busunternehmer aus der Schweiz zu bedenken.

Bevor die Veranstaltung mit einem geselligen Get together ausklang, präsentierte sich die Stadt Göppingen zusammen mit dem Märklineum als attraktives Reiseziel für die Bustouristik.

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