Reisesicherungsfonds: Keine Hilfe für mittelständische Busunternehmen

Nach dem BMJV-Gesetzesentwurf würden allein die Prämien um das Fünffache steigen, die Sicherheitsleistungen bis auf das Dreifache.

Nach dem BMJV-Gesetzesentwurf soll die Insolvenzabsicherung künftig über einen Sicherungsfonds erfolgen, in den alle Reiseveranstalter einzahlen und über den sie künftig verpflichtend ihre gesetzlich vorgeschriebenen Sicherungsscheine beziehen würden. (Foto: Pixabay/geralt)
Nach dem BMJV-Gesetzesentwurf soll die Insolvenzabsicherung künftig über einen Sicherungsfonds erfolgen, in den alle Reiseveranstalter einzahlen und über den sie künftig verpflichtend ihre gesetzlich vorgeschriebenen Sicherungsscheine beziehen würden. (Foto: Pixabay/geralt)
Claus Bünnagel

Als zusätzliches Problem für die angeschlagene Bustouristik während der Coronapandemie sieht der WBO die Insolvenzabsicherung bei Pauschalreisen. Ohne sogenannten Sicherungsschein dürften Reiseveranstalter keine Pauschalreisen anbieten. Es handele sich um eine Art Pflichtversicherung, für die es nur wenige Versicherer als Anbieter gäbe, so der baden-württembergische Landesverband. 

Prämien sprunghaft angestiegen

Ende 2020 habe sich eines dieser Versicherungsunternehmen aus dem Markt verabschiedet. Die Prämien der anderen Anbieter wie die von den Unternehmen zusätzlich zu stellenden individuellen Sicherheitsleistungen seien seither sprunghaft angestiegen. 

Bundesweit ist eine Vielzahl von Busunternehmen betroffen. Es handelt sich um ein Problem der gesamten Tourismusbrache, für das es dringend eine ausgewogene Lösung braucht. (WBO-Geschäftsführer Dr. Witgar Weber) 

Fondslösung passt nicht

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) habe nun den Gesetzentwurf für eine staatliche Absicherung im Nachgang zur Thomas-Cook-Pleite vorgelegt, der so vom Bundeskabinett beschlossen worden sei. Danach solle die Insolvenzabsicherung künftig über einen Reisesicherungsfonds erfolgen, in den alle Reiseveranstalter einzahlen und über den sie künftig verpflichtend ihre gesetzlich vorgeschriebenen Sicherungsscheine beziehen würden.

Der WBO sieht darin keine taugliche Lösung für mittelständische Touristikbetriebe. Nach dem Entwurf würden allein die Prämien um das Fünffache steigen, die Sicherheitsleistungen bis auf das Dreifache. 

Diese Zahlen zeigen, dass die Fondslösung für den Mittelstand nicht passt. Sie nutzt nur den großen Playern. (Weber)

Ausnahmen nur für kleine Anbieter

Ausnahmen solle es bislang nur für kleine Anbieter geben, deren Umsatz mit Pauschalreisen im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre weniger als 3 Mio. Euro beträge. Der WBO und sein Bundesverband bdo fordern, die Umsatzgrenze von 3 auf 20 Mio. Euro anzuheben. Sonst würden mittelständische Unternehmen für die Risiken großer Reisekonzerne zur Kasse gebeten. 

Staat in der Pflicht

Der WBO stellt die Frage: Wer hilft den kleineren Anbietern, die pandemiebedingt auch nach monatelanger Suche keinen Versicherer mehr finden? Auch hier sieht der Verband den Staat in der Pflicht, um den Betrieben eine Grundabsicherung zu bieten. Andernfalls werde sich das Angebot der privaten Busunternehmen ausdünnen. 

Wenn hier nichts geschieht, werden viele Busunternehmen nur noch Tagesausfahrten und keine Mehrtagesreisen mehr anbieten. (Weber)

Der WBO fordert für sie eine Lösung wie im Nachbarland Österreich.

Dort gibt es seit Jahrzehnten die Tourismusbank, die solche Risiken bezahlbar absichert. Bei uns muss entsprechend gehandelt werden. Der Blick über den Tellerrand lohnt sich! (Weber)

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