Meinungsbeitrag

Benzinverbrauch von Pkw steigt

Der Absatz von Ottokraftstoff nahm um 2,3 % zu – eine von mehreren schlechten Botschaften hinsichtlich des Umgangs mit Energie in Deutschland.

Es steigt noch viel zu viel Qualm auf aus Deutschlands Autoauspuffen. (Foto: Pixabay)
Es steigt noch viel zu viel Qualm auf aus Deutschlands Autoauspuffen. (Foto: Pixabay)
Claus Bünnagel
(erschienen bei VISION mobility von Claus Bünnagel)

Auf den ersten Blick scheint es eine gute Botschaft zu sein: Der Verbrauch von Mineralöl sank 2023 nach der aktuellen Jahresanalyse der AG Energiebilanzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 % auf 3.879 PJ (132,4 Mio. t SKE). Schaut man genauer hin, so resultiert das Minus vor allem aus den um 16,7 % gesunkenen Lieferungen von Rohbenzin an die chemische Industrie. Zwar verringerte sich auch der Verbrauch von Dieselkraftstoff um gut 4 %, aber der Absatz von Ottokraftstoff nahm um 2,3 % zu – keine gute Botschaft, wenn man in Deutschland bis 2045 bilanziell kein CO2 mehr in die Luft pusten will. Und die Mitte Dezember ausgelaufene E-Auto-Förderung dürfte ihr Übriges dazutun, dass Benziner ab 2024 wieder zunehmenden Absatz finden könnten.

Steigende Kosten für Verbrenner

Das macht die bilanzielle Null bis 2045 zunehmend unwahrscheinlicher. Denn eigentlich dürften ab 2025 gar keine Verbrenner mehr verkauft werden, will man sie erreichen. Denn ein Auto hat heute einem Lebenszyklus von mindestens 15 bis 20 Jahren – bevor es dann u.U. noch nach Afrika oder den Nahen Osten geht.

Vielen mag der Kauf eines Benziners heute noch die günstigere Variante gegenüber einem E-Auto zu sein. Womöglich ist das zu kurz gesprungen, nur auf den Kaufpreis zu schauen. Denn zum einen ist ein Stromer bereits jetzt deutlich günstiger im Unterhalt. Zum anderen verschweigen Politik und Automobilhersteller natürlich geflissentlich, was noch auf die Halter von Verbrennern zukommen wird. Das fängt mit den sukzessiv steigenden CO2-Kosten für den Treibstoff an und hört bei sich in vielen europäischen Metropolen bereits abzeichnenden Einfahrverboten für die Stinker noch lange nicht auf.

Weitere schlechte Botschaften

Der Anstieg beim Ottokraftverbrauch ist übrigens nicht die einzige schlechte Botschaft der AG-Energiebilanzen-Jahresaufstellung. Auch der Verbrauch von Flugkraftstoff stieg in Deutschland im nun ablaufenden Jahr um 3,9 % – so viel zum Thema nachhaltiger Umgang mit unserer Erde.

Beim Primärenergieverbrauch ist Deutschland zudem überhaupt nicht auf Kurs. Zwar stieg der Anteil der Erneuerbaren um 1,9 % auf 19,6 %. Aber mit solchen mickrigen Zuwächsen wird es schwer, bis 2045 überhaupt einen Beitrag von 70 % regenerativer Energie am Mix zu erreichen. Ein wesentlicher Bremser in dieser Bilanz ist vor allem das Mineralöl mit einem Anteil von 35,9 %, der weiter wächst, da Kohle und Kernenergie auf dem Rückmarsch sind.

Das Potenzial ist da!

Welches Potenzial ein massiver Umstieg auf Elektromobilität in Deutschland hätte, zeigt die Entwicklung bei der Stromerzeugung in Deutschland. 2023 lag der Anteil der Erneuerbaren an der Nettostromerzeugung erstmals bei über 50 % – bei genau 59,1 %. Da sie erheblich effizienter in Erzeugung und Einsatz sind als die Verbrennung von Kohle und Gas, sank der Energieverbrauch in Deutschland 2023 auf ein historisches Tief. Der Rückgang dürfte laut AG Energiebilanzen rund 7,9 % auf 10.791 Petajoule (PJ) oder 368,2 Mio. t Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE) betragen. Damit liegt der Verbrauch an Primärenergien in Deutschland um mehr als ein Viertel unter dem bisherigen Höchststand von 1990.