Reiseveranstalter und -büros: 80 bis 90 % Umsatzausfälle

Der aktuelle DRV-Branchencheck zeigt drastische Auswirkungen der Coronapandemie. Ein ausgefeiltes Konzept für ein sicheres Urlaubserlebnis 2021 ist nach Ansicht des Verbands unerlässlich.

Ein Großteil der Reisebüros und -veranstalter agiert durch hohe Umsatzeinbußen infolge von Coronapandemie und Reisewarnungen derzeit am finanziellen Limit. (Foto: Pixabay/derneuemann)
Ein Großteil der Reisebüros und -veranstalter agiert durch hohe Umsatzeinbußen infolge von Coronapandemie und Reisewarnungen derzeit am finanziellen Limit. (Foto: Pixabay/derneuemann)
Claus Bünnagel

Der aktuelle Branchencheck des Deutschen Reiseverbandes (DRV) zeigt die nach wie vor angespannte wirtschaftliche Situation von Reisebüros und -veranstaltern während der Coronapandemie. An der DRV-Umfrage Ende November bis Anfang Dezember haben rund 200 Reiseveranstalter und 300 Reisebüros teilgenommen. Rund drei Viertel verzeichnen aktuell demnach Umsatzausfälle von 80 bis 90 % im Vergleich zum Vorjahr. Befragt nach der aktuellen wirtschaftlichen Situation bezeichnen fast 90 % der Reiseveranstalter ihre Situation als stark belastet und existenzbedrohend – haben aber die Hoffnung trotz hoher Belastungen durch die Krise zu kommen. Bei den Reisebüros sagen dies sogar über 95 %. 

Das zeigt wie dramatisch die Situation ist. Es zeigt aber auch, dass die Unternehmen der Reisewirtschaft kämpfen und hoffen, durch die Krise zu kommen. (DRV-Präsident Norbert Fiebig)

Lediglich knapp 4 % der teilnehmenden Reiseveranstalter und 3 % der Reisebüros sehen aktuell keinerlei Perspektive mehr. 

Als Licht am Ende des Tunnels würde ich bezeichnen, dass die Hälfte der Unternehmen damit rechnet, dass das Geschäft im Sommer 2021 wieder anläuft. (Fiebig)

Staatliche Unterstützung weiterhin vonnöten 

Schon heute stützt sich die überwiegende Mehrheit der Unternehmen auf Überbrückungshilfen – bei Reiseveranstaltern haben 77 %, im Reisevertrieb sogar 84 % entsprechende staatliche Unterstützungsleistungen beantragt. Bei den Reiseveranstaltern sind darüber hinaus KfW-Kredite mit 42 % das Mittel der Wahl zur Unterstützung. Bei den Reisebüros setzt lediglich ein Viertel auf das geliehene Geld vom Staat. Steuerstundungen und spezielle Hilfen der Bundesländer wurden ebenfalls bereits von den Unternehmen der Reisewirtschaft beantragt. 

Um den Winter zu überstehen, benötigen die Unternehmen der Reisewirtschaft weitere Hilfen. 

80 % der Befragten unterstreichen, dass es ohne die Überbrückungshilfen III, die bis zum Juni des kommenden Jahres greifen, nicht gehen wird. Diese Hilfen sind überlebenswichtig. (Fiebig) 

Über 80 % der Unternehmen haben darüber hinaus in diesem Jahr Kurzarbeit beantragt – das gilt sowohl für Reisebüros also auch -veranstalter. Sie sehen diese Notwendigkeit auch für das kommende Jahr – ebenfalls zu etwa 80 %. Rund zwei Drittel der Unternehmen mussten außerdem bereits Personal entlassen oder müssen es voraussichtlich tun. 

Wir müssen aufpassen, dass wir unsere sehr gut ausgebildeten Fachkräfte durch diese Pandemie nicht an andere Branche verlieren. (Fiebig)

Appelle der Politik: Maßgeblich für Buchungseinbrüche?

Die Bundesregierung sowie diverse Politiker haben mit ihren Appellen, auf Reisen zu verzichten und zu Hause zu bleiben, offensichtlich maßgeblich dazu beigetragen, dass Reisebuchungen zum Erliegen gekommen sind. Laut DRV-Branchencheck sind 95 % der Reisebüros und 87 % der Reiseveranstalter dieser Überzeugung. Etwa drei Viertel der Unternehmen sehen darüber hinaus die Durchsetzung von Quarantänemaßnahmen verantwortlich für ausbleibende Reisebuchungen. Auf Rang drei folgen mit zwei Drittel der Nennungen nicht erreichbare Urlaubsziele durch Reisewarnungen oder Einreisebeschränkungen. 

Reisewarnungen, Quarantäneverordnungen und Appelle der Politik, auf Reisen gänzlich zu verzichten, haben Urlaubs- und Geschäftsreisende zunehmend verunsichert und zu einem Einbruch der Reisebuchungen geführt. Ergänzend zu einer Impfstrategie brauchen wir eine kluge Teststrategie. (Fiebig)

In Kombination mit umfassenden Hygiene- und Sicherheitskonzepten während der Reise und im Zielgebiet gebe es Sicherheit für Reisende und einen sinnvollen Schutz vor der Verbreitung des Virus. Drei Viertel der Reisebüros und -veranstalter verleihen dem laut DRV-Branchencheck Nachdruck und glauben, dass dann ein sicherer und erholsamer Urlaub möglich sei. 

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