DRV-Blitzumfrage: Branche stellt Politik schlechtes Zeugnis aus

Massive Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung – das ist das Ergebnis einer Befragung von rund 600 DRV-Mitgliedsunternehmen Ende Februar.

Für einen gelungenen Restart braucht es aus Sicht des Branchenverbandes u.a dringend eine Beschleunigung des Impftempos. (Foto: pixabay)
Für einen gelungenen Restart braucht es aus Sicht des Branchenverbandes u.a dringend eine Beschleunigung des Impftempos. (Foto: pixabay)
Martina Weyh

Eine Blitz-Umfrage des Deutschen Reiseverbandes (DRV) Ende Februar rund um das Thema Restart hat der Politik schlechte Noten beschert. Besonders schlecht kamen bei den rund 600 befragten Mitgliedsunternehmen des DRV (Reisebüros, Reiseveranstalter und touristische Dienstleister) folgende Themen an:

  • der aus ihrer Sicht zu langsame Impffortschritt
  • die Quarantänebestimmungen für Reiserückkehrer
  • die nicht enden wollenden Appelle der Politik, auf das Reisen zu verzichten.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Mit einem Anlaufen des Geschäfts zu Pfingsten respektive zum Sommer rechnet jeweils etwa ein Drittel aller Unternehmen. Einen Restart zu Ostern sehen nur wenige der teilnehmenden Unternehmen. 10 % der befragten Reisebüros und knapp 9 % der Reiseveranstalter sehen in diesem Jahr überhaupt keine Chance auf ein Anlaufen des Geschäfts.

Wesentlich weniger Umsatz befürchtet

Rund 90 % der Reisebüros und Reiseveranstalter rechnen in diesem Jahr mit maximal 50 % des Umsatzes aus dem Vor-Corona-Jahr 2019; bei den touristischen Dienstleistern sind dies zwei Drittel. Die meisten Unternehmen erwarten Umsätze zwischen 25 und 50 % im Vergleich zu 2019 – bei den Reisebüros knapp über 49 %, bei den Reiseveranstaltern knapp 45 Prozent und bei den sonstigen 48 Prozent. Nur rund zwei Prozent aller Befragten erwarten für das laufende Jahr mehr als 75 Prozent des Umsatzes von 2019.

Sollen geimpfte Personen uneingeschränkt reisen können?

Die meisten der Befragten würden begrüßen, wenn geimpfte Personen uneingeschränkt reisen könnten. Bei den Reisebüros, die an der Befragung teilgenommen haben, sind es mit 41 % weniger als bei Reiseveranstaltern (51 %) und den sonstigen Unternehmen (52 %). Immerhin fast 12 % der Reisebüros halten grundsätzlich gar nichts von dieser Idee. Bei Reiseveranstaltern (7,2 %) und den sonstigen Unternehmen (6,1 %) sind es deutlich weniger.

Schreckgespenst Quarantäne

Über drei Viertel der Befragten nannten eine mögliche Quarantäne bei der Rückreise nach Deutschland als vorrangigsten Grund, keine Reise zu buchen – bei Reisebüros sogar 82 %. Auch die Quarantäne im Zielgebiet und der insgesamt nicht planbare Verlauf der Pandemie mit immer neuen Wellen oder Virusvarianten und daraus resultierende neue Reisebestimmungen hemmen die Buchungsentscheidung der Kunden. 70 % der befragten Reisebüros sehen die sich wiederholenden Appelle der Politik, auf Reisen zu verzichten, als gravierendes Buchungshemmnis.

Beschleunigtes Impftempo

Die Beschleunigung des Impfens ist für die Mehrheit der Befragten besonders wichtig, wenn es um eine Restart-Strategie des Tourismus geht – sowohl bei Reisebüros als auch bei Reiseveranstaltern und den übrigen Unternehmen der Branche jeweils knapp 80 % der Nennungen. Es folgen in der Bedeutung eine positive Kommunikation der Politik in Sachen Reisen und die Abschaffung der Quarantäne bei Rückreise (außer bei Hochinzidenz- oder Virusvariantengebieten), die mit systematischen Tests von Reiserückkehrern einhergeht.

„Die Ergebnisse unserer Blitz-Umfrage zeigen, dass im Mittelpunkt der politischen Überlegungen jetzt Strategien stehen müssen, die internationale Mobilität schrittweise wieder zu ermöglichen. Dazu zählt die Beschleunigung des Impfens ebenso wie eine schlüssige Teststrategie. Die Politik muss mit ihren Appellen, auf das Reisen zu verzichten, aufhören. Das ist nicht nur für die Reisewirtschaft wichtig – das ist essentiell für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, stellt DRV-Präsident Norbert Fiebig klar.

Organisierte Reisen seien nach einer aktuellen RKI-Studie nachweislich nicht Treiber der Pandemie, so Fiebig. Diesen Erkenntnissen müsse in den politischen Entscheidungen angemessen Rechnung getragen werden.

Nach Angaben des Branchenverbandes lassen sich die eingefahrenen Umsatzausfälle der Reisebüros und Reiseveranstalter schon jetzt nicht mehr ausgleichen – weitere Unterstützungshilfen der Bundesregierung auch über den Juni 2021 sind deshalb notwendig, mahnt der DRV-Präsident an. „Wir verlieren sonst diese bisher noch sehr gut funktionierende, mittelständisch geprägte Infrastruktur der Reisewirtschaft – das darf nicht passieren!“, so Fiebig wörtlich.

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