DRV: Maßnahmen für Ausbildungsbetriebe reichen nicht aus

Eine Umfrage des Reiseverbands zeigt die dramatische Lage in den Betrieben. Der Fachkräftemangel in der Branche droht sich zu verschärfen.

Die Corakrise hat vor allem Auszubildende in der Tourismusbranche getroffen. (Foto: Pixabay/Engin Akyurt)
Die Corakrise hat vor allem Auszubildende in der Tourismusbranche getroffen. (Foto: Pixabay/Engin Akyurt)
Claus Bünnagel

Die Auszubildenden in der Reisewirtschaft leiden ganz besonders unter den Auswirkungen der Coronapandemie und den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. 40 % der Unternehmen der Reisewirtschaft mussten alle ihre Azubis in Kurzarbeit schicken. Das ergab die jüngste Umfrage des DRV unter seinen kleinen und mittelständischen Ausbildungsbetrieben. Viele Ausbildungsbetriebe schätzen die derzeitige Lage als so kritisch ein, dass eine Insolvenz nicht ausgeschlossen werden kann. Die Auszubildenden dieser Unternehmen müssen Sorge haben, dass ihr Ausbildungsvertrag gekündigt werden muss. 

Angebot an Ausbildungsplätzen halbiert

Besorgniserregend ist auch der Ausblick auf das neue Ausbildungsjahr, das im Herbst beginnt. Im Vergleich zur Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vorjahr planen die Unternehmen nur noch rund halb so viele neue Ausbildungsplätze anzubieten. Im Berufsbild der Tourismuskaufleute ist der Rückgang mit 64 % gegenüber dem Vorjahr besonders deutlich. 

Die aktuellen Entwicklungen bereiten uns große Sorge, da zu befürchten steht, dass der Branche der Nachwuchs ausgeht. Die Ausbildungsbetriebe brauchen in dieser Ausnahmesituation dringend Hilfe, etwa durch eine staatliche Übernahme der Ausbildungsvergütung im ersten Ausbildungsjahr. Es ist an uns allen, das Erfolgsmodell der dualen Ausbildung zu sichern. (DRV-Präsident Norbert Fiebig)

DRV: Prämien helfen nur wenig weiter

Der DRV begrüße ausdrücklich, dass der Koalitionsausschuss mit dem Konjunkturpaket auch Maßnahmen zur Sicherung des Ausbildungsplatzangebots beschlossen habe. Allerdings reiche der Zuschuss für weiterhin ausbildende Unternehmen nicht aus, um die drängendsten Herausforderungen der Reisewirtschaft zu lösen. Denn die derzeit prekäre wirtschaftliche Lage vieler Ausbildungsbetriebe mache Neueinstellungen unmöglich. Die im Konjunkturpaket vorgesehenen Prämien von 2.000 bzw. 3.000 Euro würden die Situation nicht grundlegend ändern. 

Der DRV appelliert an die Unternehmen der Reisewirtschaft, den touristischen Nachwuchs auch während der Krise zu fördern: Das Ausbildungsjahr müsse nicht zwingend am 1. August oder 1. September starten, sondern mit der Ausbildung könne flexibel begonnen werden. Lösungen könnten mit den jeweiligen Berufsschulen entwickelt werden, damit der Jahrgang 2020 so stark wie möglich ins neue Ausbildungsjahr starten könne. 

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