VDV setzt auf Autonomes Fahren

Der Branchenverband schlägt den forcierten Auf- und Ausbau von ÖPNV-Anwendungsfeldern vor, um das autonome Fahren schnellstmöglich in den Regelbetrieb zu überführen.

Der VDV wirkt als Fachverband in vielfältigen Initiativen mit, wie beim Runden Tisch Automatisiertes Fahren und der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität. (Foto: pixabay)
Der VDV wirkt als Fachverband in vielfältigen Initiativen mit, wie beim Runden Tisch Automatisiertes Fahren und der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität. (Foto: pixabay)
Martina Weyh

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV) hat auf der heutigen Anhörung (4.5.2021) im Verkehrsausschuss den Gesetzentwurf zum Autonomen Fahren als Ergänzung eines klimafreundlichen ÖPNV ausdrücklich begrüßt – allerdings müsse noch bei der Qualifikation der technischen Aufsicht nachjustiert werden. Die aktuell diskutierten Anforderungen für die Qualifikation seien nicht sachgerecht, moniert der Branchenverband. Schon heute arbeite man in den VDV-Leitstellen mit sehr gut ausgebildeten Fachpersonal – ein Ingenieursstudium ist nach Ansicht des VDV eine übertriebene Maßgabe.

„Selbstfahrende, flexible Linien- und Pendelbusse sind eine große Chance für den Ausbau des klimafreundlichen ÖPNV-Angebotes gerade da, wo es heute noch stärker sein könnte: in Stadtrandlagen oder im ländlichen Raum. Gleichzeitig eröffnen sich mit dem Gesetzentwurf auch Möglichkeiten, den öffentlichen Straßenraum menschenfreundlicher und sicherer zu gestalten“, so VDV-Präsident Ingo Wortmann zum vorliegenden Gesetzentwurf.

Die VDV-Marschroute

Der Branchenverband schlägt den forcierten Auf- und Ausbau von ÖPNV-Anwendungsfeldern vor, um das autonome Fahren schnellstmöglich in den Regelbetrieb zu überführen – und um es für die Fahrgäste erlebbar zu machen.

„Wir stehen in einem Systemwettbewerb. Es muss uns gelingen diese Technologie rasch flächendeckend in unser Angebot aufzunehmen, sonst wird der autonome PKW mit all seinem Flächenbedarf dominieren. Diese ÖPNV-Innovationen werden ohne Frage einen finanziellen Mehrbedarf nach sich ziehen – dem ein sehr hoher wirtschaftlicher, städtebaulicher und klimapolitischer Nutzen gegenübersteht“, ist Wortmann überzeugt.

Der VDV-Präsident sieht eine einmalige Chance, in Deutschland einen Leitmarkt für Autonomes Fahren zu etablieren. Bei der finanziellen Unterstützung von weiteren Projekten zum autonomen Fahren im ÖPNV seien neben den Ländern auch der Bund gefordert.

Der VDV drängt bei den Beratungen auf Tempo

„Wir brauchen das Gesetz und die Durchführungsverordnung in dieser Legislatur, um Rechts- und Planungssicherheit für die zahlreichen Projekte der Verkehrsunternehmen in Deutschland zu erlangen. Sobald diese vorliegen, können wir autonome Fahrzeuge als Betreiber in das Nahverkehrsangebot einführen – sofern Hersteller die Fahrzeuge in ausreichender Anzahl bereitstellen“, erläutert der VDV-Präsident.

Sinnvolle Verknüpfung von PBefG und StVG-Novelle

Die mit der Automatisierung verbundene Kostenentlastung könne neue Geschäftsmodelle attraktiver machen und den neuen Linienbedarfsverkehren zu einem echten Durchbruch verhelfen.

„Es braucht für die dringend notwendige Mobilitätswende eine intelligente Verknüpfung von PBefG und StVG-Novelle. Für den Regelbetrieb im ÖPNV-Einsatz ist es sinnvoll, auch die Anforderungen an den dann autonomen Betrieb im ÖPNV – zum Beispiel der BOKraft – anzupassen und die geplante Durchführungsverordnung (AFGBV) zügig umzusetzen, denn das Gesetz allein wird noch zu keinem Regelbetrieb führen“, ist Wortmann überzeugt.

Verantwortung für die Software muss beim Hersteller liegen

Nach Meinung des VDV-Präsidenten müssten zudem die Zuständigkeiten spezifiziert werden.

„Die Verantwortung für die Software muss bei den Herstellern liegen, denn die Betreiber können diese nicht prüfen und verantworten. Die technische Entwicklungsverantwortung muss beim Hersteller liegen – die betriebliche bei den Verkehrsunternehmen. Das erfordert eine faire Verantwortungsteilung und die Bereitstellung von Fahrzeugdaten, damit wir den sicheren Betrieb gewährleisten können.“ (Ingo Wortmann, VDV-Präsident)

Für den VDV wurde Technik-Geschäftsführer Martin Schmitz zur Bundestagsanhörung geladen:

„Der VDV wirkt als Fachverband in vielfältigen Initiativen mit, wie beim Runden Tisch Automatisiertes Fahren und der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität.“

Der VDV und die gesamte Branche hätten starke Kompetenzen in diesem Zukunftsfeld aufgebaut und höchstes Interesse daran, dieses aktiv gestaltend und mit sinnvollen Regelungen zu begleiten.

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