VDV-Branchenumfrage: 76 % mehr Einstellungen als 2019

Steigende Bewerberzahlen im ÖPNV und bei der Eisenbahn – Einstellungsprozesse immer häufiger per Video oder Telefon.

Trotz Coronapandemie wurden 2020 mehr Mitarbeiter im ÖPNV eingestellt. (Quelle: VDV)
Trotz Coronapandemie wurden 2020 mehr Mitarbeiter im ÖPNV eingestellt. (Quelle: VDV)
Claus Bünnagel

Eine Umfrage des Branchenverbands VDV unter seinen über 600 Mitgliedern im Personen- und Schienengüterverkehr hat ergeben, dass in Zeiten der Covidkrise nicht nur der Bedarf an Fachpersonal ungebrochen groß ist. Mehr als 76 % der befragten Unternehmen haben im Coronajahr 2020 mehr Einstellungen vorgenommen als noch 2019. Rund ein Drittel hat bis zu 10 % mehr Personal eingestellt, rund 20 % der Befragten haben sogar bis zu 15 % und mehr neue Stellen besetzt als im Jahr davor. Die Zahl der Bewerbungen in der Branche hat im letzten Jahr zugenommen. 

Zudem gab es bei uns auch im letzten Jahr so gut wie keine Stellenkürzungen oder pandemiebedingte Kurzarbeit, denn wir sind das gesamte Jahr über nahezu unser normales Leistungsangebot gefahren. Insofern bleibt der Personalbedarf der Branche in und nach der Coronazeit ungebrochen hoch. Wir suchen in allen Bereichen. (VDV-Präsident Ingo Wortmann)

Fahrer gesucht

Laut der VDV-Branchenumfrage hat bei 57 % der befragten Unternehmen der Personalbedarf im Jahr 2020 zugenommen oder blieb unverändert hoch (40 %). 65 % der befragten VDV-Mitglieder gaben dabei an, dass im letzten Jahr in ihrem Unternehmen am dringlichsten Personal im Fahrbetrieb gesucht wurde – im Öffentlichen Personennahverkehr arbeiten derzeit allein über 45.000 Busfahrer. Danach folgen mit 33 % gewerblich-technisches Personal, also beispielsweise in den Werkstätten, sowie Ingenieure (27 %) und IT-Fachkräfte (24 %). Darüber hinaus besteht auch beachtlicher Bedarf bei den Auszubildenden und Dual Studierenden (21 %) sowie bei kaufmännischem Personal (16 %). 

Personalbedarf bleibt hoch

Auch in den nächsten Jahren wird der Bedarf besonders im Fahrdienst (55 %) sowie bei den Ingenieuren und IT-Spezialisten (je 26 %) eher höher sein. Während also der Personalbedarf ungebrochen hoch bleibt, registrierten 37 % der Unternehmen im Coronajahr auch ein höheres Aufkommen bei Bewerbungen. Bei 52 % blieb es unverändert hoch. 

Ich werte es als gutes Zeichen, dass über ein Drittel der Unternehmen bei den Bewerbern ein gesteigertes Interesse an einer Arbeit in der Branche wahrnehmen. Denn wir benötigten in den kommenden Jahren deutlich mehr qualifiziertes Personal. (Wortmann) 

Bis 2030 muss für fast die Hälfte der rund 151.000 Beschäftigten im öffentlichen Personenverkehr eine Neubesetzung gefunden werden. Von den 70.000 bis 80.000 dieser Stellen wird nur jede Fünfte von einer ausgebildeten Nachwuchskraft besetzt werden können. 

Altersbedingte Abgänge

Der Personalmangel macht sich vor allem bei Bus- und Bahnfahrern sowie Triebfahrzeugführern bemerkbar. 

Wir werden bis 2030 – vor allem altersbedingt – viele Personalabgänge zu verzeichnen haben: 40.000 Menschen beim Fahrpersonal, dazu 20.000 technisches Betriebspersonal sowie 14.000 in den kaufmännischen Bereichen. Berücksichtigt man die angestrebten und aufgrund der Verkehrswende notwendigen Wachstumsziele der Branche, ergibt sich schon bis 2025 ein Personalbedarf von 50.000 Fachkräften. Es fehlen schon jetzt deutschlandweit etwa 1.500 Lokführer – Tendenz steigend. (Wortmann)

Das Durchschnittsalter der Mitarbeitenden im öffentlichen Personen- und Eisenbahnverkehr beträgt 46,5 Jahre. 

Online-Bewerbungsgespräche

Für die deutliche Mehrheit der befragen Unternehmen haben sich im letzten Jahr die Abläufe bei den Einstellungsprozessen pandemiebedingt verändert. Zwar setzte nach wie die große Mehrheit (78 %) auf persönliche Gespräche, diese mussten allerdings unter den bestehenden RKI-Hygieneregeln umgesetzt werden. 32 % der Unternehmen gaben an, Bewerbungsgespräche per Videokonferenz durchgeführt zu haben, 18 % per Telefon. Nach Angaben von 71 % der befragten Unternehmen blieb die Qualität und Qualifikation der Bewerber unverändert. 

Arbeitgeberinitiative des VDV 

Die Arbeitgeberinitiative wurde vom VDV gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen ins Leben gerufen, um die Branche aktiv dabei zu unterstützen, mit ausreichendem Personal das Mobilitätsangebot in Deutschland auch langfristig weiter bedienen und ausbauen zu können.

Dabei war es dem VDV als Branchenverband wichtig, in dieser Initiative Maßnahmen zu konzipieren, die die Mitgliedsunternehmen in ihrer Personalgewinnung strategisch aber gerade auch operativ unterstützen und das Arbeitgeberimage der Branche nach außen stärken. (VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff) 

Weitere Zahlen zur Umfrage der VDV-Arbeitgeberinitiative 

  • 65 VDV-Mitgliedsunternehmen haben innerhalb der acht Wochen des Befragungszeitraums teilgenommen: 71 % ÖPNV-Unternehmen, 11 % Unternehmen aus dem Schienenpersonenverkehr und 18 % aus dem Bereich der Güterbahnen
  • Durchschnittliche Mitarbeiterzahl der Unternehmen in Prozent: bis 100: 21, 100-300: 29, 300-500: 22, 500-1.000: 14, über 1.000: 14 
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