ÖPNV-Kampagne #BesserWeiter gestartet

Mit der bundesweiten Gemeinschaftskampagne wollen Bund, Länder, Kommunen und Verkehrsunternehmen Fahrgäste für Bus und Bahn zurückgewinnen.

 

Eine langfristige Stärkung des ÖPNV und die notwendige Verkehrswende können nur gelingen, wenn die Fahrgäste wieder verstärkt mit Bus und Bahn unterwegs sind. (Foto: pixabay/planet_fox)
Eine langfristige Stärkung des ÖPNV und die notwendige Verkehrswende können nur gelingen, wenn die Fahrgäste wieder verstärkt mit Bus und Bahn unterwegs sind. (Foto: pixabay/planet_fox)
Martina Weyh

Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr wiederherstellen – die vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) koordinierte Kampagne will bundesweit Fahrgäste zurückgewinnen, die sich während der coronabedingten starken Einschränkungen aus unterschiedlichen Gründen von Fahrten mit den Öffis verabschiedet haben.

In der Hochphase der Pandemie musste der ÖPNV Einbrüche in den Fahrgastzahlen von 80 % verkraften, trotzdem haben Bus und Bahn ihre Angebote in dieser Zeit überwiegend aufrechterhalten. Besonders außerhalb der Großstädte hat der coronabedingte Fahrgasteinbruch den ÖPNV-Unternehmen schwere Verluste beschert. Nicht wenige waren von Insolvenz bedroht und werden noch lange unter Folgen der Krise leiden, weshalb dort die Rückgewinnung von Fahrgästen ein ganz entscheidender Faktor für die Verkehrswende und das Erreichen der Klimaschutzziele ist, sind die Kampagnenmacher überzeugt. Inzwischen sind zwar 50 bis 60% der Fahrgäste wieder mit den Öffis unterwegs. Für das notwendige Wachstum der Branche ist dies aber zu wenig.

Die gemeinschaftliche Kampagne #BesserWeiter von Bund, Ländern, Kommunen und VDV will dies nun ändern und setzt auf in aufeinander folgenden Phasen, gekoppelt an das ÖPNV-Leistungsangebot, auf die Macht der Worte. Um eine bundesweite Sichtbarkeit zu gewährleisten, setzen die Akteure auf zahlreiche Plakate und weitere Formate der Außenwerbung in ganz Deutschland, ergänzt durch entsprechende Online- und Social-Media-Kommunikation.

„Wir wollen mit der Gemeinschaftskampagne verlorengegangenes Vertrauen bei den Fahrgästen zurückgewinnen und wieder mehr Menschen von Bus und Bahn überzeugen. Nur so können wir weitere Fahrgeldverluste vermeiden und die Klimaschutzziele erreichen“, sagt VDV-Präsident Wortmann.

Phase 1 – Vertrauen schaffen und danken

Die Gemeinschaftskampagne #BesserWeiter bedankt sich in ihrer ersten Phase für das Engagement der Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr, die in der bis dato nie dagewesenen Ausnahmesituation die öffentliche Mobilität aufrechterhalten haben.

„Mein Dank gilt allen Mitarbeitern in Bussen und Bahnen. Selbst in den Zeiten des härtesten Lockdowns haben sie jeden, der nicht im Homeoffice bleiben konnte, verlässlich zur Arbeit und wieder heimgebracht. Der Hashtag unserer neuen Kampagne bringt es auf den Punkt: Mit Öffis kommen wir einfach besser weiter – natürlich immer mit Maske“, erläutert Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Zielsetzung.

Einhaltung der Maskenpflicht

Mit dem Dank verbunden ist auch ein Appell an die Fahrgäste, weiter konsequent einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und die allgemeinen Verhaltensregeln einzuhalten.

„Wir stellen fest, dass mit fortschreitender Dauer der Maskenpflicht die Disziplin, die Maske auch wirklich und korrekt in Bussen und Bahnen zu tragen, etwas nachlässt. Wir haben daher die Kontrollen intensiviert und verhängen inzwischen auch Bußgelder bei Missachtung. Zu Beginn der Kampagne wollen wir unseren Kundinnen und Kunden nochmal deutlich machen, dass sie mit der Maske nicht nur sich, sondern auch andere Fahrgäste schützen“, erklärt VDV-Präsident Ingo Wortmann.

Phase 2 – die Menschen wieder vom öffentlichen Nahverkehr überzeugen

Ende September startet die zweite Phase der Gemeinschaftskampagne, die darauf fokussiert, Fahrgäste zurückzugewinnen. Zwar sei Deutschland mittlerweile zu einer neuen Form der Normalität zurückgekehrt und der öffentliche Nahverkehr habe sein Angebot deutschlandweit wieder auf den regulären Betrieb hochgefahren, so die Initiatoren von #BesserWeiter.

Die Fahrgastzahlen allerdings bewegten sich immer noch auf einem zu niedrigen Niveau. Gründe dafür seien beispielsweise bei Gelegenheitsnutzern nach wie vor das Fehlen von Fahrtanlässen. Zum einen fänden noch keine Großveranstaltungen statt und auch internationale Touristen kämen nur langsam und in deutlich kleinerer Anzahl nach Deutschland zurück. Zum anderen arbeiteten viele Berufspendler noch immer von zu Hause oder seien in Kurzarbeit, Schulen und Universitäten nur sehr eingeschränkt geöffnet. Darüber hinaus gäbe es auch noch die Gruppe von Fahrgästen, die ein höheres Ansteckungsrisiko vermuteten und deshalb den ÖPNV mieden.

Große finanzielle Verluste

Schon jetzt sind die infolge des Fahrgastrückgangs erlittenen Einnahmeverluste für Verkehrsunternehmen sowie Städte und Kommunen als Aufgabenträger drastisch. Sie belaufen sich nach Berechnungen des VDV auf rund fünf Milliarden Euro bis zum Jahresende. Zwar haben Bund und Länder sich zum Ausgleich der Einnahmeverluste auf einen milliardenschweren Rettungsschirm für den ÖPNV verständigt. Eine langfristige Stärkung des öffentlichen Verkehrs und die notwendige Verkehrswende können aber nur gelingen, wenn die Fahrgäste wieder verstärkt mit Bus und Bahn unterwegs sind.

„Viele Menschen sind wegen Corona auf das Auto oder das Fahrrad umgestiegen. Jetzt müssen wir das Vertrauen der Menschen in ihren ÖPNV wieder stärken. Wir wollen ihnen zeigen, dass er für sie da ist, wenn sie ihn brauchen. Busse und Bahnen sorgen dafür, dass Millionen Beschäftigte ihre Arbeitsplätze pünktlich erreichen und die Gesellschaft mobil bleibt, auch in der Corona-Pandemie. Und auch die Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich Fahrpersonal oder Fahrgäste überdurchschnittlich im Nahverkehr mit dem Corona-Virus angesteckt hätten“, sagt Burkhard Jung, Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister der Stadt Leipzig.

Gute Angebote bei Bussen und Bahnen sind mehr denn je nach der Krise gefragt, um das Verkehrsaufkommen in den Ballungszentren zu bewältigen und die Mobilität in der Fläche zu gewährleisten. Langfristig führt an der Verkehrswende auch aus Gründen des Klimaschutzes und für mehr saubere Luft und mehr Lebensqualität kein Weg vorbei. Die Städte und Gemeinden setzen daher weiter auf den konsequenten Ausbau des ÖPNV.

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