VDL: Coronakrise verursacht deutliche Umsatz- und Gewinneinbußen

Der Erlös im Jahr 2020 betrug 4,686 Mrd. Euro – ein Rückgang von 23 % gegenüber 2019 (5,780 Mrd. Euro).

Das Reisebusgeschäft von VDL liegt wie bei den meisten europäischen Herstellern derzeit völlig am Boden. (Foto: Bünnagel)
Das Reisebusgeschäft von VDL liegt wie bei den meisten europäischen Herstellern derzeit völlig am Boden. (Foto: Bünnagel)
Claus Bünnagel

Umsatz und Ergebnis der VDL-Gruppe sind im Coronajahr 2020 deutlich zurückgegangen. Dass es dem industriellen Familienunternehmen mit Hauptsitz in Eindhoven dennoch gelungen ist, die Stammbelegschaft an Bord zu halten – auch dank staatlicher Unterstützungsmaßnahmen – und 2020 profitabel abschließen konnte, ist eine gute Nachricht. U.a. aufgrund des gut gefüllten Auftragsbestands ist die Stimmung für 2021 trotz großer Herausforderungen positiv.

Der Gesamtumsatz im Jahr 2020 betrug 4,686 Mrd. Euro – ein Rückgang von 23 % gegenüber 2019 (5,780 Mrd. Euro). Das Nettoergebnis sank um 38 % von 156 auf 97 Mio. Euro im Jahr 2020. Der Auftragsbestand lag in Woche 10 des Jahres 2020 bei 1,249 Mrd. Euro, verglichen mit 1,441 Milliarden Euro zum gleichen Zeitpunkt im aktuellen Jahr. Die Belegschaft sank um 270 Zeitarbeiter (1,8 %) auf 15.464 Mitarbeiter Ende 2020.

Wir können auf ein turbulentes Jahr 2020 zurückblicken. Weil Material, Mitarbeiter und Marktnachfrage während der Coronakrise nicht gleichzeitig und unzureichend zur Verfügung standen, ist die Produktion vieler VDL-Unternehmen vorübergehend ganz oder teilweise zum Erliegen gekommen. Tausende unserer Mitarbeiter, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, waren vor allem zu Beginn der Krise nicht in der Lage zu arbeiten. Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiter und die Art und Weise, wie wir uns durch die Krise gesteuert haben. Da sich die Marktnachfrage in der zweiten Jahreshälfte erholte und wir dank unserer breit gefächerten Aktivitäten unsere Festangestellten an Bord halten konnten – auch dank der Nutzung der NOW-Programme –, konnten wir das Jahr 2020 profitabel abschließen. Das ist eine großartige Nachricht, besonders unter diesen Umständen. (Willem van der Leegte, Vorstandsvorsitzender der VDL-Gruppe)

NOW

83 % aller Mitarbeiter der VDL-Gruppe (12.761) arbeiten in den Niederlanden. U.a. mit Hilfe der NOW-Maßnahmen (NOW: Temporary Emergency Bridging Measure for Sustained Employment), die sich im vergangenen Jahr auf 103 Mio. Euro beliefen, konnten erhebliche Arbeitsplatzverluste verhindert werden. Mit diesen NOW-Mitteln, die von VDL aufgestockt wurden, konnten die Gehälter von Arbeitnehmern weiter bezahlt werden.

Neue Aktivitäten

Während der ersten Corona-Welle schlossen sich Royal DSM und VDL zusammen und gründeten das Joint Venture Dutch PPE Solutions. Es produziert bei VDL in Helmond medizinische Mund-Nasen-Masken und wird ab Frühjahr 2021 bei DSM in Geleen schmelzgeblasenes Polypropylen herstellen. Dies ist die sensible Schicht in medizinischen Gesichtsmasken, die Viren herausfiltert.

Pkw-Montage

Der Umsatz der Division Car Assembly (Pkw-Montage) sank um 25 % von 3,091 Mrd. Euro (2019) auf 2,320 Mrd. Euro (2020). Das Jahr wurde dennoch mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Im vergangenen Jahr wurden im niederländischen Born 125.666 Autos gebaut (Produktionsvolumen 2019: 164.097). Die Auswirkungen der Coronakrise werden auch im aktuellen Kalenderjahr die Marktnachfrage beeinflussen, so VDL.

Das ist nicht die einzige Hiobsbotschaft aus diesem für VDL wichtigsten Unternehmensbereich. Im Oktober hat der bedeutsamste Kunde der Niederländer, nämlich BMW, beschlossen, dass er die Modelle, die bei VDL Nedcar gebaut werden, ab 2024 in eigenen Werken fertigen lässt. VDL ist deshalb in Gespräche mit mehreren potenziellen Kunden eingetreten, um den Bestand der hochmodernen, automatisierten Fabrik mit hochqualifizierten Facharbeitern zu sichern. 

Stadt- und Reisebusse

Der Umsatz des Geschäftsbereichs Stadt- und Reisebusse sank 2020 deutlich um 49 % von 658 auf 339 Mio. Euro. Die Sparte war gleichzeitig ein Verlustbringer für VDL. Besonders negativ wirkte sich die Coronakrise auf das Reisebusgeschäft aus. Durch die seit mehr als einem Jahr bestehenden Reisebeschränkungen ist die Bustourismusbranche praktisch zum Erliegen gekommen und die Nachfrage nach Reisebussen daher gleich null, so VDL. . Der Auftragsbestand allerdings stieg von 429 Mio. Euro in der 10. Woche 2020 auf 512 Mio. Euro ein Jahr später.

Den bereits eingeschlagenen Kurs zum Aufbau neuer Multiproduktfabriken und zur Erweiterung des Fertigungsportfolios will VDL unvermindert fortsetzen. Im Fahrgestellbereich setzt das Unternehmen auf Montagetätigkeiten für Spezialfahrzeuge von Drittanbietern. Dazu wird der Standort von VDL in Heerenveen in eine Montagefabrik umgewandelt, die Aufbaumodule produzieren wird. 

Erwartungen für 2021

Der Auftragsbestand der VDL-Gruppe (ohne VDL Nedcar) bleibt hoch und ist seit Ende 2020 von 1,359 auf 1,441 Mrd. Euro in Woche 10 gestiegen. Obwohl sich die Marktnachfrage weiter zu erholen scheint, bleiben auch die Unsicherheiten bestehen: Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise bleiben unvorhersehbar, so VDL. Eine der Herausforderungen in diesem Bereich ist derzeit z.B. die Verzögerung in verschiedenen Lieferketten. Auf der Grundlage der Auftragsbestände und Prognosen wird der Jahresumsatz von VDL-Gruppe für 2021 ebenso wie das Jahresergebnis gegenüber 2020 voraussichtlich leicht steigen. Dennoch bemisst VDL seinen Investitionsprogrammen in den Bereichen Innovation und Digitalisierung höchste Priorität zu.

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