Joint Venture: Volvos erster autonomer E-Bus wird in Singapur getestet

In Kürze soll der autonome Volvo 7900 E auf dem Gelände der Nanyang Technological University (NTU) Singapur im Fahrbetrieb auf Herz und Nieren geprüft werden.

Der erste autonome Volvo 7900 E soll in Singapur getestet werden. (Foto: ABB)
Der erste autonome Volvo 7900 E soll in Singapur getestet werden. (Foto: ABB)
Martina Weyh

Volvo und die Nanyang Technological University (NTU) Singapur haben angekündigt einen autonomen Volvo E-Bus des Modells 7900 E auf dem NTU Smart Campus im Fahrbetrieb zu testen.

Dafür sind auf dem Testgelände verschiedene Elemente der Straßen- und Umgebungsbedingungen in Singapur repliziert, wie z. B. Verkehrszeichen, mehrere Bushaltestellen und Fußgängerüberwege sowie tropische Bedingungen, wie das Fahren durch starken Regen und teilweise überflutete Straßen. Verlaufen die Tests erfolgreich, ist geplant, die Teststrecke über den NTU-Campus hinaus zu erweitern.

„Dieser vollständig autonome Elektrobus wird eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Zukunft des öffentlichen Verkehrs spielen“, ist NTU-Präsident Professor Subra Suresh überzeugt.

Und Håkan Agnevall, Präsident von Volvo Buses, ergänzt: „Wir sind sehr stolz darauf, unseren Elektrobus mit autonomer Fahrtechnologie präsentieren zu können. Der Weg zur vollen Autonomie ist zweifellos ein komplexer Weg, und unsere geschätzte Partnerschaft mit der NTU ist für die Verwirklichung dieser Vision von entscheidender Bedeutung, ebenso wie unser Engagement, einen Safety-First-Ansatz zu verfolgen. “

Ausstattung

Der autonome Volvo 7900 E-Bus ist 12 Meter lang, hat eine Kapazität für insgesamt rund 80 Passagiere und verfügt über 36 Sitzplätze. Das Fahrzeug zeichnet sich durch einen geräuscharmen, emissionsfreien Betrieb aus und verbraucht nach Informationen des Herstellers 80 Prozent weniger Energie als ein Dieselbus gleicher Größe.

Das Fahrzeug wird mit einer Volvo Autonomous Research Platform-Software geliefert, die mit wichtigen Steuerungen wie dem Navigationssystem sowie mehreren Sensoren verbunden ist. Dazu gehören Lichterfassungssensoren (LIDARS), Stereo-Vision-Kameras, die Bilder in 3D aufnehmen, und ein fortschrittliches globales Navigationssatellitensystem, das sogenannte Echtzeit-Kinematiken verwendet. Vergleichbar ist das mit GPS-Systemen, es werden jedoch mehrere Datenquellen verwendet, um eine punktgenaue Ortsgenauigkeit von bis zu einem Zentimeter zu erreichen.

Darüber hinaus ist das System ist mit einer „Inertial-Management-Einheit“ verbunden, die nach Herstellerangaben wie ein Zwei-in-Eins-Gyroskop und ein Beschleunigungssensor wirkt und die Quer- und Winkelgeschwindigkeit des Busses misst. Dies soll die Navigation verbessern und eine ruhigere Fahrt gewährleisten, wenn die Fahrstrecke z. B. unebenes Gelände oder scharfe Kurven beinhaltet.

Alle Sensoren und GPS-Plattformen werden von einem umfassenden KI-System verwaltet, das von NTU-Forschern entwickelt wurde und bedient nicht nur die verschiedenen Sensoren und GPS-Systeme am Bus, sondern soll auch eine autonome Navigation durch den dichten Verkehr und die tropischen Wetterbedingungen ermöglichen. Um ein Höchstmaß an Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten und unerwünschte Cyberangriffe zu verhindern, wird das KI-System außerdem durch branchenführende Cybersicherheitsmaßnahmen und Firewalls geschützt.

Branchenübergreifende Zusammenarbeit mit weiteren Partnern

Im Rahmen einer zukünftigen öffentlichen Erprobung kommt dem Singapurer ÖPNV-Betreiber SMRT bei der Bestimmung der Verkehrssicherheit autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen eine Schlüsselrolle zu. Während des Tests des ersten Busses auf dem Gelände der NTU, wird ein zweites autonomes Fahrzeug in einem SMRT-Busdepot geprüft. Unter den realen Umgebungsbedingungen soll dabei die Fähigkeit des Fahrzeugs beurteilt werden, autonom in Fahrzeugwaschplätze zu navigieren und sicher an Ladebereichen zu parken.

„Im Rahmen des Autonomen Elektrobus-Versuchs werden wir unser Know-how in Betrieb und Wartung von Bussen nutzen und eng mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um das für den Betrieb einer Flotte autonomer Fahrzeuge erforderliche Steuerungssystem zu testen“, so Tan Kian Heong, Managing Director von Buses & Roads Services und Senior Vice President, Human Resources bei SMRT.

Das Schweizer Traditionsunternehmen ABB  ist innerhalb des Projekts zuständig für eine intelligente und maßgeschneiderte Schnellladelösung. Basierend auf dem OppCharge-Konzept ist das Schnellladesystem HVC 300P von ABB ideal für das autonome Laden in Busdepots als auch für den laufenden Verkehr geeignet. Mit einem Ladestrom von 300 kW via Pantograph laden die Schnellladegeräte eine Batterie in nur drei bis sechs Minuten auf. Dies ermöglicht das Laden während der Zwischenzeiten am Ende der Busroute, ohne den normalen Betrieb zu beeinträchtigen.

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