Corona: Wo ist das Ansteckungsrisiko am höchsten?

Dieser Frage sind die Forscher des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin nachgegangen.

(Grafik: Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin)
(Grafik: Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin)
Martina Weyh

Die Zahlen steigen wieder, Deutschland befindet sich weiterhin im Lockdown-Schlaf, ab 1. März jedoch dürfen Friseure wieder öffnen. Das wirft die Frage auf, ob das Infektionsrisiko bei den Meistern an der Haarschneideschere im Gegensatz zu anderen Bereichen wirklich so zu vernachlässigen ist.

Das Hermann-Rietschel-Institut (HRI) der Technischen Universität Berlin hat deshalb untersucht, wo das Risiko einer Infektion am größten ist. Das wissenschaftliche Team um den Leiter des HRI, Prof. Dr.-Ing. Martin Kriegel und Dipl.-Ing. Anne Hartmann haben für ihre Studie in viele Bereiche des öffentlichen Lebens geschaut, u.a. auch den ÖPNV und den Fernbus-, Fernbahnverkehr.

Relativ geringes Ansteckungsrisiko in Bus und Bahn

Vorausgesetzt Maskenpflicht und Abstandsregeln werden konsequent eingehalten, besteht im öffentlichen Personennahverkehr bei einer Fahrzeit von einer halben Stunde ein relativ geringes Ansteckungsrisiko mit einen R-Wert von 0,8, haben die Berliner Forscher ermittelt.

Bei einer dreistündigen Fahrt im Fernbus oder in der Bahn bei 50-prozentiger Belegung liegt der R-Wert laut den HRI-Wissenschaftlern bei 1,5.

Wie wurde untersucht

Damit die untersuchten Bereiche miteinander verglichen werden konnten, definierten die Forscher einen „situationsbedingten R-Wert“, der angibt, wie viele Personen sich in einer bestimmten Situation vermutlich anstecken, wenn sich ein Infizierter mit Gesunden in einem geschlossenen Raum aufhält. Für das Infektionsrisiko über Aerosolpartikel ist dabei die eingeatmete Dosis entscheidend, die von den folgenden Faktoren abhängig ist:

  • Quellstärke (Emissionsrate)
  • Atemaktivität (Quelle und Empfänger)
  • Aerosolkonzentration im Raum und
  • Aufenthaltsdauer im Raum.

Die Berechnungen bei den verschiedenen Untersuchungsszenarien fußten darauf, dass Hygiene- und Abstandsregeln, sowie die Empfehlungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie des Umweltbundesamtes eingehalten und Masken getragen wurden. Darüber hinaus flossen in die aktuelle Studie Daten zur Aerosolkonzentration aus einer Untersuchung im vergangenen Jahr ein.

Die gesamte Studie gibt es hier

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