Ukrainekrieg: DIW-Energieexpertin fordert zügige Abkehr vom Öl

Mehr Tempo bei der Verkehrswende fordert die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert, denn deutsche Autofahrer finanzieren indirekt russische Panzer über den Spritpreis an der Tankstelle, ein Drittel des Öls stammt nämlich aus Russland.

Wende weg vom Sprit: DIW-Expertin Kemfert fordert als Konsequenz aus der Russland-Krise eine umso raschere Abkehr von fossilen Energieträgern im Verkehr. | Foto: EnBW
Wende weg vom Sprit: DIW-Expertin Kemfert fordert als Konsequenz aus der Russland-Krise eine umso raschere Abkehr von fossilen Energieträgern im Verkehr. | Foto: EnBW
Martina Weyh
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine hat die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin einen umso rascheren Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen im Verkehrssektor gefordert.

"Wir müssen so schnell wie möglich wegkommen von der fossilen Energie. Dieses dramatische Ereignis muss jetzt der letzte Weckruf sein, indem wir konsequent Energie sparen und auch mit der Verkehrswende", appellierte die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW.

Sonst sei man ein "Spielball geopolitischer Interessen". Ein Umsteuern sei zwingend notwendig. Andere Prioritäten sieht die Energieexpertin durch die Russland-Invasion in der Ukraine aber nicht. Aus ihrer Sicht sei Klimaschutz friedensstiftend und Teil der Lösung, wenngleich akut die Versorgungssicherheit im Vordergrund stünde. Aus ihrer Sicht sei jetzt Tempo entscheidend. Die Energieversorgung müsse gesichert und zugleich in Richtung erneuerbare Energien umgesteuert werden.

"Wir haben 10, 15 Jahre mit rückwärtsgewandten Politikmaßnahmen verplempert. Jetzt bezahlen wir den Preis für die verschleppte Energiewende und müssen umsteuern", forderte Kemfert weiter.

Für die Energieexpertin gibt es keine Knappheit an Öl, allerdings würden andere Bezugsquellen teurer. Autofahren würde dadurch zur sozialen Frage. Sie brachte daher einmal mehr einen Ausgleich über die CO2-Bepreisung pro Kopf und Rückerstattung ins Spiel. Die jüngst von der Bundesregierung stark erhöhte Pendlerpauschale hält Kemfert dagegen für sozial ungerecht, da die Pauschale Bezieher hoher Einkommen bevorzugt.

"Wir plädieren eher dafür, ein Mobilitätsgeld einzuführen, unabhängig vom Einkommen und dem Verkehrsmittel - oder besser noch ausgerchtet auf eine ökologische Wahl der Verkehrsmittel", skizzierte die DIW-Wissenschaftlerin weiter.

Damit das funktioniert, müssten zugleich die Bahn, der ÖPNV, Rad- und Fußwege, aber auch die E-Mobilität und Ladeinfrastruktur forciert werden. Kemfert hält auch eine E-Auto-Quote für hilfreich, um "möglichst schnelle eine Marktdurchdringung" zu erreichen. Sie kritisierte, dass Deutschland 70 Milliarden Euro für fossile Energien ausgebe.

"Das fließt auch in die Kriegskasse eines Wladimir Putin. Dieses Geld sollten wir in eine Zukunftsmobilität investieren", forderte Kemfert.

Finanzmittel könnten vor allem durch die Streichung fossiler Subenvtionen erschlossen werden. Man sei zu abhängig von russischen Energielieferungen, damit erpressbar und bezahle für die "verschleppte Energiewende". Von einer Verlängerung der Laufzeiten für Atom oder Kohle hält Kemfert dagegen nichts.

"Die beste Antwort auf einen fossilen Energiekrieg ist eine beschleunigte Energiewende", zeigte sich Kemfert überzeugt.

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