Eppelein-Festspiele: Robin Hood auf Fränkisch

Ab 7. Juli treibt der Raubritter Eppelein von Gailingen jedes Wochenende wieder sein Unwesen auf Burg Thann. Beim humorvollen Theaterstück wird Geschichte lebendig.

Gegen die Halsabschneider: Raubritter Eppelein bestiehlt die Reichen und gibt den Armen. (Foto: Nürnberger Land Tourismus/Thomas Geiger)
Gegen die Halsabschneider: Raubritter Eppelein bestiehlt die Reichen und gibt den Armen. (Foto: Nürnberger Land Tourismus/Thomas Geiger)
Claus Bünnagel

Vom 7. bis 24. Juli lässt das Nürnberger Land wieder seinen „fränkischen Robin Hood“ bei den Eppelein-Festspielen, die alle drei Jahre stattfinden, lebendig werden. Hauptfigur des von Werner Müller geschriebenen Volksschauspiels ist Raubritter Eppelein von Gailingen, der im 14. Jahrhundert die Nürnberger Patrizier und Kaufleute um ihren Reichtum und Verstand brachte. Rund 80 Laiendarsteller aus der Region bringen die bekanntesten Sagen über den ehrlichen Strauchdieb vor historischer Kulisse im Burghof der Burg Thann in 17 Szenen auf die Bühne. Tickets gibt es ab 20 Euro. Weitere Infos zur Region sowie zu den Festspielen: urlaub.nuernberger-land.de und www.eppelein-festspiele.de.

Der Schrecken der „Pfeffersäcke“

Mit seinen Cousins Hermann und Dietrich Bernheim machte Ritter Eppelein von Gailingen als sogenannter Raubritter gemeinsame Sache. Er überfiel Handelszüge, beging zahlreiche Diebstähle in der Stadt und lehnte sich somit auch gegen die Nürnberger Stadtregierung auf. Kurzum: Er war der Schrecken der Nürnberger Kaufleute, auch „Pfeffersäcke“ genannt, die ein Kopfgeld auf ihn aussetzten. Zu seiner Verteidigung: Seine Beute teilte Eppelein immer mit der verarmten Landbevölkerung. Und dennoch: Die Aussicht auf viel Geld war für die Ezelsdorfer Bauern schließlich Anlass genug, um Eppelein – aus den eigenen Reihen heraus – zu verraten. Er wurde im Turm der Burg Thann eingesperrt. Dort verbrachte er seine letzte Nacht, bevor er 1381 in Neumarkt ebenso wie seine Cousins gerädert wurde.

Handgenähte Kostüme

Ein Held, der sich mit illegalen Machenschaften gegen das Establishment auflehnt, den Armen hilft und am Ende mit seinem Leben bezahlt: der Stoff, aus dem Theaterstücke sind. Davon war der verstorbene Helmut Buchner (Initiator der Festspiele) bereits vor mehr als 20 Jahren überzeugt. Mit Hilfe des Autors Werner Müller entstand das Volksschauspiel, das seit 2005 alle drei Jahre ausschließlich auf Burg Thann mit viel Humor, witzigen Dialogen und rund 80 Laienschauspielern aufgeführt wird. Alle Mittelalterkostüme werden übrigens aufwändig per Hand genäht und immer auf den jeweiligen Darsteller angepasst.

Maximal 230 Zuschauer

Dieses Jahr schlüpft erstmals der Schauspieler Harald Franz in Strumpfhosen und buntes Gewand vom „Ebbelein“, wie man im fränkischen Dialekt sagt. Vor dem exklusiven Kreis von maximal 230 Zuschauern und der einmaligen Burgkulisse reist das Ensemble mit den Gästen ins Mittelalter und ist bei den besten Coups der Hauptfigur live dabei: Wie sie des Kaisers diamantenes Vögelchen stiehlt, den Marktleuten als „dreifacher Eppelein“ einen Streich spielt und auch als er dem Bräutigam seiner angebeteten Traumfrau Agnes den Hochzeitskuss vor der Nase wegschnappt. Vielleicht hat sich Eppelein von Gailingen aber auch einfach nur den Ratschlag eines Nürnberger Kaufmanns sehr zu Herzen genommen: „Wer sich immer nach Gesetzen richtet, der bleibt sein Leben lang ein armer Hund.“

Open-Air-Vorstellung

Das Theaterstück wird von 7. bis 24. Juli immer freitags und samstags (20 Uhr) sowie sonntags (15 Uhr) aufgeführt. Die Open-Air-Vorstellung dauert 1,5 Stunden; in der Pause kann man sich an Ständen mit Getränken und Brotzeit versorgen. Ticketpreise: 20 bis 25 Euro (ermäßigt zwischen 17 und 23 Euro). Karten unter: www.eppelein-festspiele.de

Tipp

Wer weiter in die Historie Burgthanns eintauchen möchte, besucht das Museum Burgthann im historischen Burggebäude. Für den perfekten Ritterschmaus lohnt sich die Einkehr in den nahegelegenen Restaurants.

Über das Nürnberger Land

Das Nürnberger Land repräsentiert als Tourismusmarke die Region zwischen der namensgebenden fränkischen Metropole und der Oberpfalz. Die Region erstreckt sich von Neuhaus an der Pegnitz im Norden über die Fränkische Alb bis nach Burgthann im Süden und hat für Sportler, Genießer, Familien und Kulturliebhaber gleichermaßen viel zu bieten. Während der Naturraum Nördlicher Frankenjura, das Pegnitztal, die weiten Kiefern-, Buchen- und Mischwälder und die zahlreichen verwunschenen Gewässer mit stadtnahen Freizeitmöglichkeiten locken, bietet die Schlösser- und Burgenlandschaft kulturelle und kulinarische Highlights.