Alsfeld: Fachwerkperle im hessischen Vogelsbergkreis

Geschichte auf Schritt und Tritt – für Besucher der mittelalterlichen Kleinstadt gibt es viel zu entdecken.

Der Alsfelder Marktplatz mit Blick auf Weinhaus, Walpurgiskirche und Rathaus (Foto: Hessen Tourismus)
Der Alsfelder Marktplatz mit Blick auf Weinhaus, Walpurgiskirche und Rathaus (Foto: Hessen Tourismus)
Martina Weyh

Fachwerk und Geschichte wohin das Auge schaut – die mittelhessische Stadt Alsfeld wurde als „Adelesfelt“ im Jahre 1069 erstmals urkundlich erwähnt und imponiert rund um den Marktplatz mit einem vielgestaltigen Fachwerkensemble aus sieben Jahrhunderten. Nachdem der Europarat Alsfeld 1975 zur „Europäischen Modellstadt“ erklärte, wurden viele historischen Gebäude, u.a. auch Pranger und Rathaus, restauriert und unter Denkmalschutz gestellt.

Sehenswert: Rathaus, Pranger, Walpurgiskirche und spätgotisches Beinhaus

Das Anfang des 16. Jahrhunderts in Rähmbauweise errichtete Rathaus mit Türmen und Erkern, dominiert den mittelalterlichen Marktplatz. Diese spezielle Art des Häuserbaus ermöglicht, jedes Stockwerk ein wenig über das jeweils darunterliegende Geschoss hinauszuschieben. Auf engen Grundstücken wurde so auf jeder Etage mehr Raum geschaffen und die Häuser ragten im oberen Bereich oft über Fußweg oder Straße hinaus. Der steinerne Unterbau des Rathauses wurde früher als Markthalle genutzt.

In nächster Nachbarschaft liegt das Weinhaus. Es wurde 1538 errichtet und diente der Lagerung und dem Ausschank von Wein. Bemerkenswert an seiner Architektur sind der Staffelgiebel mit Rosetten und der an der Ecke des Hauses zum Marktplatz hin angebrachte Pranger, ein verschließbares Halseisen, das von der Gerichtsbarkeit im Mittelalter für die öffentliche Bestrafung genutzt wurde.

Die imposante Walpurgiskirche mit romanischen und gotischen Elementen wurde vom 14. bis weit ins 16. Jahrhundert hinein immer wieder um- und ausgebaut. Die interessante baugeschichtliche Entwicklung lässt sich auch im Innern gut ablesen. Sehenswert sind dort u.a. der große romanische Taufstein (um 1000), das Wandtabernakel von 1400 im Chorpolygon zur Aufbewahrung von Kelch und Hostie, das Christophorus-Fresko an der Nordostwand aus dem 15. Jahrhundert, das alte Chorgestühl aus vorreformatorischer Zeit an der südlichen Chorwand mit geschnitzter Wange, die einen Bischof mit Drachenungeheuer darstellt sowie der große Holzkruzifixus mit Maria und Johannes.

Unweit der Kirche befindet sich das spätgotische Beinhaus aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Das Gebäude wurde 1510 erweitert und diente zur Aufbewahrung der Gebeine bei Neubestattungen.

Historisch besonders interessante Gebäude in Alsfeld, die sogenannten „Alsfelder Perlen“ sind mit zweisprachigen Erläuterungen versehen.

Für Gruppen interessant: Führung durch die Bier- und Braukunst der Stadt

Balken und Bier - so heißt der Motto-Stadtrundgang, der in die Welt der Alsfelder Bau- und Braukunst entführt. In der rund anderthalbstündigen geschichtlichen Tour erfahren Interessierte alles über die facettenreiche Alsfelder Fachwerkarchitektur und zur ungewöhnlichen Braugeschichte der Stadt, samt Bierkrieg.

Die Führung ist auf maximal 25 Personen ausgelegt, kostet 59 Euro und kann online unter https://www.alsfeld.de/tourismus/fuehrung/balken-und-bier/ gebucht werden.

Darüber hinaus gibt es zubuchbare Extras wie den Alsfelder Imbiss mit Hausmacher Wurst, Bauernbrot und Alsfelder Bier.

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