16. Mitteldeutscher Omnibustag nimmt Politik in die Pflicht

Für die massiven Investitionen in Technik, Flotte und Infrastruktur ist der Staat mehr denn je gefordert. Nur so kann das ÖPNV-Angebot zukunftsgerecht gestaltet werden – das ist das Resümee der Branchenveranstaltung und zugleich die Forderung an die Politik.

Auf dem 16. Mitteldeutschen Omnibustag v. l.: Tilman Wagenknecht, MDO-Geschäftsführer, Susanna Karawanskij, thüringische Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Christiane Leonard, bdo-Hauptgeschäftsführerin, LSOT-Vorsitzender Helmut Jetschke, und MDO-Vorsitzender Mario König. (Foto: Tonya Schulz)
Auf dem 16. Mitteldeutschen Omnibustag v. l.: Tilman Wagenknecht, MDO-Geschäftsführer, Susanna Karawanskij, thüringische Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Christiane Leonard, bdo-Hauptgeschäftsführerin, LSOT-Vorsitzender Helmut Jetschke, und MDO-Vorsitzender Mario König. (Foto: Tonya Schulz)
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Martina Weyh

Die rund 150 anwesenden Teilnehmer der mitteldeutschen Omnibusunternehmen blickten bei ihrer Jahrestagung in Gera optimistisch in die Zukunft, denn unstrittig ist – der Bus ist für die Umwelt- und Verkehrswende unverzichtbar. Wie intensiv sich die Branche mit den zu bewältigenden Herausforderungen auseinandersetzt, zeigte das diesjährige Treffen mit umfangreicher Fachausstellung einmal mehr – und an den Stellschrauben wird stetig gearbeitet:

  • Vor allem für den ländlichen Raum werden neue Angebote wie Rufbusse entwickelt und getestet, die zudem bequem digitalisiert abrufbar sein werden.
  • Starke Überlandlinien werden vertaktet und besser mit der Bahn verknüpft (PlusBusse und TaktBusse).
  • Das E-Ticketing wird sich auch mit gänzlich neuen Ticketformen demnächst deutlich weiterentwickeln.
  • Seit Mitte der 1990er Jahre wird zunehmend auf alternative Energieträger gesetzt wie Erdgas oder Biodiesel, seit einigen Jahren auch auf Elektrobusse. Im nächsten Schritt werden Versuche mit Wasserstoff und weiteren alternativen Antriebsformen folgen.
  • Sicherheit im Bereich Technik und Hygieneschutz spielt auch weiter eine maßgebliche Rolle.

„Wir sind Dienstleister für die Mobilität. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir unser Angebot ständig optimieren und noch klimafreundlicher machen. Für die massiven Investitionen in Technik, Flotte und Infrastruktur ist der Staat mehr denn je gefordert. Nur so kann das Angebot im öffentlichen Nahverkehr im Rahmen der Daseinsvorsorge zukunftsgerecht gestaltet werden. Und nur so können die sozialverträglichen Tarife sichergestellt, noch bessere Barrierefreiheit eingeführt und das Angebot ausgebaut werden“, so Mario König, der Vorsitzende des Verbandes Mitteldeutscher Omnibusunternehmer (MDO).

„Auf die vielen Worte müssen nun von der Politik Taten folgen“, mahnte König an und übergab der thüringischen Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskij, und der Präsidentin des Thüringer Landkreistages, Martina Schweinsburg, eine Fünf-Punkte-Resolution, in der die Omnibusunternehmer ein deutliches Bekenntnis zum Bus, eine entsprechende tatkräftige Unterstützung auf Landes- und Kreisebene sowie langfristige Planungssicherheit für das Angebot im Linienbusverkehr fordern:

  1. Damit der Omnibus seine Vorteile als umweltfreundlichstes, sicherstes und überaus flexibles Beförderungsmittel in Zukunft mehr denn je auch im ländlichen Raum ausspielen kann, braucht es zunächst ein deutlich ausgebautes Fahrplanangebot mit attraktiven Takten und Anschlüssen an andere Verkehrsträger. Niedrigpreistarife wie das Azubi-Ticket werden nur dann auch im ländlichen Raum erfolgreich akzeptiert, wenn das Angebot die gleichen oder möglichst mehr Vorteile bietet als der Individualverkehr oder andere Verkehrsformen.
  2. Damit solche Angebote entwickelt werden können, brauchen die überwiegend privaten Omnibusunternehmen mehr Freiheit und weniger staatliche Regulierung. Es braucht langfristige Planungssicherheit und einfache und faire Fördermechanismen, die die Omnibusunternehmen in der Konkurrenz zum privaten Pkw besserstellen.
  3. Die Omnibusunternehmen brauchen dringend mehr Fahrerinnen und Fahrer zum Erhalt und Ausbau des Linien- und Reiseverkehrs mit dem Omnibus. Deshalb braucht es einen leichteren und preiswerteren Zugang zum Omnibus-Führerschein und mehr Ausbildungsunterstützung.
  4. Moderne Omnibustechnik ist schon heute mit Abgasnorm Euro 6 umweltfreundlich. Für die gesetzlich geforderten alternativen Antriebe in hoher Stückzahl ist eine staatliche Förderung aufgrund der immens höheren Kosten und der aufwendigen und komplett neuen Lade-/Tank-Infrastruktur unabdingbar. 
  5. Im Rahmen der Umstellung auf alternative Antriebe fordert die Busbranche die Sicherstellung ausreichender grüner Energie insbesondere im ländlichen Raum. Diese muss preisstabil, flächendeckend und sicher verfügbar sein, auch wenn – wie vom Gesetzgeber gefordert – ein Großteil der Omnibusse alternativ angetrieben wird.

In einer ersten Reaktion zeigten sich die politischen Vertreterinnen der großen Herausforderungen sowie der damit verbundenen Investitionen bewusst und sicherten ihr Engagement zu.

Ehrung von Busfahrerinnen und -fahrern

Auch in diesem Jahr wurde auf dem Mitteldeutschen Omnibustag die Fahrerauszeichnung „Sicher und unfallfrei“ verliehen. Für ihr vorbildliches und umsichtiges Verhalten im Straßenverkehr wurden diesmal zwei Fahrerinnen und 23 Fahrer geehrt, die fünf, zehn oder mindestens 15 Jahre hauptberuflich unfallfrei gefahren sind und an mindestens einer Fahrerschulung in den letzten zwei Jahren teilgenommen haben.