Evakuierung aus Reisebussen: UDV-Studie sieht dringenden Handlungsbedarf

Ein Fazit aus der Untersuchung – Reisebusse können im Haveriefall für Passagiere schnell zur Falle werden.  Es gibt aber viele Möglichkeiten, die Sicherheit zu verbessern.

Was sind die Schwachstellen, die dazu führen können, dass ein Reisebus bei einem Unfall wohlmöglich zur tödlichen Falle wird – darauf gibt die UDV-Studie jede Menge Antworten und hat mit Hilfe von Probandenversuchen, Befragungen und technischen Analysen auch die notwendigen Verbesserungen fest im Blick. (Foto: pixabay/PublicDomainPictures)
Was sind die Schwachstellen, die dazu führen können, dass ein Reisebus bei einem Unfall wohlmöglich zur tödlichen Falle wird – darauf gibt die UDV-Studie jede Menge Antworten und hat mit Hilfe von Probandenversuchen, Befragungen und technischen Analysen auch die notwendigen Verbesserungen fest im Blick. (Foto: pixabay/PublicDomainPictures)
Martina Weyh

Landet ein Reisebus bei einem Unfall auf der Seite seiner Türen oder sind diese Ausgänge aus anderen Gründen nicht zu öffnen, ist es für die Insassen schwierig bis unmöglich, das Fahrzeug aus eigener Kraft zu verlassen, wenn sie nicht ausgesprochen sportlich sind – das ist ein Ergebnis der wissenschaftlichen Studie, die die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Münster vorgestellt hat.

Gesetzgeber und Bushersteller sind gefordert

„Vor allem, wenn nicht auf Hilfe durch Rettungskräfte gewartet werden kann, beispielsweise bei Brand oder Rauchentwicklung, sitzen die Menschen dann in der Falle“, sagte Siegfried Brockmann, Leiter der UDV. „Auch, wenn solche Ereignisse selten sind, müssen Gesetzgeber und Bushersteller jetzt umgehend handeln und die Erkenntnisse der Studie umsetzen.“

Die Studie

Was sind die Schwachstellen, die dazu führen können, dass ein Reisebus bei einem Unfall wohlmöglich zur tödlichen Falle wird – darauf gibt die UDV-Studie jede Menge Antworten und hat mit Hilfe von Probandenversuchen, Befragungen und technischen Analysen auch die notwendigen Verbesserungen fest im Blick.

Nach Ansicht der UDV müsse für die Evakuierungszeit durch die Türen eine verbindliche Vorgabe gemacht werden, wie sie für Flugzeug, Bahn und Schiff selbstverständlich sei.

Sobald der Bus schräg liege und die Türen blockiert seien, werde es allerdings problematisch. Dann könnten ohne turnerische Qualitäten weder die Seitenscheiben noch die Dachluken genutzt werden. Die Frontscheibe steht bisher nicht zur Verfügung, weil sie aus Verbundglas besteht und nicht mit einem Hammer zerschlagen werden kann, sagen die Forscher.

Der Notausstieg über das Heckfenster wird mitunter durch Sonderanbauten wie Ski- oder Fahrradträger versperrt. Auch erwiesen sich das Abschnallen und die Fortbewegung im Bus unter diesen Umständen als ausgesprochen schwierig.

Das muss verbessert werden

Konkret schlägt die UDV vor, die bei vielen Herstellern bereits optional verfügbaren und aus dem Pkw bekannten Dreipunktgurte statt der kostengünstigeren Zweipunktgurte zu installieren, die Gangbreite zu vergrößern, Lichtleisten zu den nächstgelegenen Notausstiegen zu aktivieren und die Dachluken quer statt längs einzubauen.

Auch dürfe die Heckscheibe niemals von außen versperrt sein. Die wichtigste konstruktive Maßnahme für beinahe alle erdenklichen Endlagen des Busses nach einem Unfall sei aber, dass sich die Frontscheibe für den Ausstieg von innen entfernen lässt. Dies könne durch einen Druckschlauch oder eine Sprengschnur entlang der Klebenaht geschehen. Auch ältere und unsportliche Insassen könnten auf diesem Weg den Bus gut verlassen, erklären die Unfallforscher.

Hintergrund

Nach UDV-Angaben werden bei allen Arten von Unfällen und auf alle Arten von Bussen bezogen in Deutschland jährlich etwa 6.000 Buspassagiere verletzt, rund 500 davon schwer. Todesfälle seien aber selten und ihre Zahl schwanke von Jahr zu Jahr einzelfallbezogen stark.

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