Lang Reisen zur geplanten Schließung des MAN-Standorts Plauen

Pressemitteilung von Geschäftsführer René Lang zur Lage der Busbranche in Deutschland und speziell zur Zukunft des Bus Modification Center (BMC) von MAN in Sachsen.

Lang Reisen war im April maßgeblicher Initiator der großen Busdemo in Dresden. (Foto: Lang Reisen)
Lang Reisen war im April maßgeblicher Initiator der großen Busdemo in Dresden. (Foto: Lang Reisen)
Claus Bünnagel

Am 29.4.2020 fand in Dresden die erste Demonstration von 45 Reisebusunternehmen aus Mittelsachsen und 16 Reisebüroinhabern aus Dresden statt. Viele weitere Demonstrationen folgten in Dresden, aber auch anderen Städten. Seinen Höhepunkt erreichten die öffentlichen Kundgebungen am 17.6.2020 in Berlin, als nahezu 1.000 Reisebusse und tausende Reisebüromitarbeiter die Straße zwischen Siegessäule, Brandenburger Tor und der Straße Unter den Linden füllten. Man wurde zusammen über Wochen nicht müde, Politik und Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, dass nicht nur einzelne Unternehmen durch das Verbot der Reisebusreisen existenzbedroht sind, sondern dass Tourismus wie eine Uhr mit vielen Zahnrädern funktioniert. Fällt eines aus, bleibt die Uhr stehen. Selbst die deutschlandweit präsentierten Plakate und Banner in Zahnradoptik versuchten das so aufzugreifen und visuell zu unterstreichen. 

Kein Problemverständnis der Politik

Irgendwie hatte ich persönlich als mittelständischer Reisebusveranstalter aber immer den Eindruck, dass man diese Komplexität nicht sehen wollte oder konnte. Es geht ja nur um Dienstleister. Geht heute einer kaputt, steht morgen ein neuer auf. Wirkliches Problemverständnis wurde und wird seitens der Politik bis heute für diese Branche nicht entwickelt. Mit nahezu homöopathischen Ansätzen wird und wurde kurzfristig Aktionismus gezeigt oder vorrangig mit Blick auf die eigene Landes- und Regionalpolitik versucht, das Incominggeschäft zu stützen. 

In den Abgrund

Vielmehr können wir unverändert erleben, wie auf Bundesebene öffentlich dazu aufgerufen wird, in den Ferien Verzicht zu üben, zu Hause zu bleiben. Und die Kunden üben Verzicht! Aber ohne Kunden, die verreisen wollen, keine funktionierenden Reiseunternehmen. Damit führt man seit Monaten den modernen Reisebustourismus, aber auch Reisebüros als Vermittler, Reiseveranstalter als Organisatoren und viele weitere an der Wertschöpfungskette Beteiligte direkt in den Abgrund. Dabei ist Tourismus eben nicht nur Hobby für zwei Wochen im Jahr, sondern stellt unmittelbar 2,9 Mio. Arbeitsplätze in Deutschland. Und dazu kommen eine Vielzahl an Dienstleistern wie Tankstellen, IT-Dienste, Verlage, Druckereien, Werkstätten, Taxiunternehmen und eben auch Industriebetriebe wie z.B. Bushersteller. 

Leere Auftragsbücher

Und die Folgen dieser kurzsichtigen (Nicht-)Wahrnehmung werden nun auf einmal deutlich. Reisebusse werden nur durch Reisebusunternehmen gekauft – dazu noch hochwertige wie in Plauen veredelt. Diese gut aufgestellten Unternehmen gibt es aber nicht mehr. Damit sind die Auftragsbücher der Bushersteller in diesem Segment mindestens für die nächsten 12 bis 18 Monate leer. Geschätzt mehr als 3.000 Reisebusse herstellerübergreifend brauchen aktuell nicht gebaut zu werden. Die Gebrauchtwagenhöfe der Hersteller, gefüllt mit zurückgegebenen Leasingrückläufer und Fahrzeugen aus bereits erfolgten Unternehmensinsolvenzen, platzen aus allen Nähten – auch dafür aktuell keine Käufer in Sicht. Dazu stunden die Bushersteller den Reisebusunternehmen als potentiellen zukünftigen Kunden inzwischen Ratenzahlungen monatlich im mittleren einstelligen Millionenbereich. Denn nur Reisebusunternehmen kaufen Reisebusse! Aber die Reiseunternehmen, die heute dank umfangreicher Kredite überleben werden, sind aufs nächste Jahrzehnt in den Kapitaldienst gegenüber der KfW und SAB gebunden. Ein Spielraum für Neuanschaffungen? Fehlanzeige! 

Warnschuss

Da es sich aber auf einmal um 150 Industriearbeitsplätze handelt, wird der sächsische Wirtschaftsminister gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten über Nacht aktiv. Per Flugzeug wird man in der MAN-Zentrale in München vorstellig und zeigt sich „empört“ (gem. Facebookprofil des Wirtschaftsministers) über die Aufkündigung der Verträge und der geplanten Schließung des Standorts Plauen. Dabei stellen allein die erzgebirgischen Reisebüros, -veranstalter und -busunternehmen vermutlich eine ebenso große Anzahl an Arbeitsplätzen. Schlussendlich wird deutlich, dass das Prinzip von Ursache und Wirkung nicht verstanden wurde. Mindestens ein Zahnrad im Uhrwerk geht gerade kaputt, weil sich andere nicht drehen (können/dürfen/sollen). Bleibt zu hoffen, dass dieser Warnschuss – bei aller Tragik für die in Plauen betroffenen Mitarbeiter – schnellstmöglich zu einem Umdenken beim Blick auf den Tourismus führt. Urlaub beginnt eben nicht erst mit dem Einstieg in den Reisebus und ist mehr als ein Hobby!

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