Joachim Schweda: „Corona-Krise auch als Chance sehen“

Joachim Schweda, Geschäftsführer von Touren Service Schweda, ist davon überzeugt, dass die Corona-Krise Möglichkeiten eröffnet, um sich neu aufzustellen.

Geschäftsführer Joachim Schweda hält die Unternehmen, die jetzt nur nach ihren AGB handeln, für die Verlierer der Corona-Krise. (Foto: Touren Service Schweda)
Geschäftsführer Joachim Schweda hält die Unternehmen, die jetzt nur nach ihren AGB handeln, für die Verlierer der Corona-Krise. (Foto: Touren Service Schweda)
Claus Bünnagel

Herr Schweda, wie stellt sich aus Ihrer Sicht die Situation bezüglich der Corona-Krise für die Bus- und Gruppentouristik derzeit dar?

In den vergangenen Tagen habe ich viele Gespräche mit anderen Geschäftsführern aus der Paketerbranche geführt. Dutzende von Mitarbeitern sitzen nicht nur bei uns, sondern bei allen Kollegen daran, Stornokosten zu minimieren, Hotels und Kunden zu beruhigen. Alle versuchen, das Beste für ihre Partner herauszuholen. Das sollten alle im Hinterkopf haben, die sich jetzt vielleicht darüber ärgern, dass eine Anzahlung verloren geht. Aber die Gesetzgebung gibt in vielen Fällen die Möglichkeit, Anzahlungen einzubehalten.

Allerdings ist die Krise um den Corona-Virus zweifellos ein Großereignis, dem man mit Paragrafen nur schlecht begegnen kann.

Das ist richtig, man muss vor allem mit gesundem Menschenverstand versuchen, das Problem auf lange Frist zu lösen. Wir werden alle ohne Zweifel viel Geld verlieren, und jetzt zeigt sich, wer in den letzten Jahren vernünftig gewirtschaftet und entsprechenden Reserven hat, um den gewaltigen Umsatzverlust und den damit ebenfalls fehlenden Ertrag auszugleichen.

Was macht die Situation derzeit so unberechenbar?

Das Tückische an diesem Virus ist, dass er anscheinend allgegenwärtig ist, doch nur wenige wirklich ernsthaft betrifft. So fragt man sich unwillkürlich, wo denn eigentlich die Krise ist, und wir hören immer wieder von Partnern, dass ihre Stadt eigentlich gar nicht betroffen ist. Aber dieser Eindruck täuscht, denn wenn die „wenigen“ Betroffenen so zahlreich sind, dass unser Gesundheitssystem kollabieren kann, müssen alle mithelfen, die Verbreitung zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen.

Gibt es auch optimistisch stimmende Momente?

Positiv erscheint mir vor allen Dingen, welches Improvisationstalent in den letzten Tagen bei vielen Firmen an den Tag gelegt wurde. Alleine der Umstand, dass wir uns entschlossen haben, viele unserer Mitarbeiter in den kommenden Tagen ins Home-Office zu schicken, hat viel Energie und viele Ideen freigesetzt. Wir mussten in kurzer Zeit technische Lösungen finden und uns neu organisieren. Viele Dinge, die wir vielleicht in der Vergangenheit nicht umgesetzt haben, mussten nun innerhalb weniger Tage realisiert werden – und es geht! Besonders gestärkt hat mich auch der Zusammenhalt und das Vertrauen unserer Mitarbeiter ineinander und der Wille, zugunsten der Firma als einzelne auch einmal zurückzustehen. Das ist einfach toll und fördert den Zusammenhalt, auch wenn ich mir einen weniger gefährlicheren Team-Event gewünscht hätte. Aber es ist wahr, der Moment ist günstig, um organisatorische Veränderungen durchzuführen, weil viele Änderungen nun ohne große Diskussionen akzeptiert werden.

Welche Rolle spielen denn die Paketer im Moment? 

Ich denke, hier machen viele Busunternehmen gerade die Erfahrung, dass sie insbesondere auch bei den Paketreiseveranstalter gut aufgehoben sind, denn diese haben in ihren Zielbereichen in der Regel langfristige Kontakte und auch eine Marktmacht, die es ihnen erlaubt, bei einigen Partnern Kulanzregelungen durchzusetzen, die ein Kunde, der nur eine Gruppe im Jahr bringt, nicht bekommt. Zudem werden auch viele administrative Probleme auf der Ebene des Paketers gelöst, um die sich der Busunternehmer nun nicht für jede Reise selber sorgen muss. Denn als verantwortlicher Vertragspartner kümmert sich der Paketer um die rechtlichen Rahmenbedingungen in jedem Land in dieser außergewöhnlichen Situation, schätzt sie ein und gibt sie an seinen Kunden weiter. Er kann aufgrund seiner Ortskenntnisse oft besser evaluieren, wohin die Entwicklung geht – speziell dann, wenn in der Presse Panikmeldungen die Runde machen, die eigentlich nicht gerechtfertigt sind.

Welchen Einfluss hat die Corona Krise auf Partnerschaften und Organisationsstrukturen?

Für mich ist die Krise wie ein Prisma, wirkliche Partnerschaften kristallisieren sich heraus und markige Werbeaussagen zeigen ihren Realitätsgehalt. Denn so partnerschaftlich und fair, wie jede Firma nun reagiert, wird sie auch in Zukunft für lange Zeit angesehen werden. Auch im Moment muss der Blick auch nach vorne gehen. Denn schließlich es gibt eine Zeit nach dem Corona-Virus, daran sollten alle denken, die im Moment versuchen, mit Stornokosten kurzfristigen Profit zu machen. Denn Partner erinnern sich lange an negative Erfahrungen. Dies gilt genauso gut für den Hotelier, der verständlicherweise große Ängste hat und versucht, die vertraglich vereinbarten Stornogebühren trotz eines Wegfalls der Geschäftsgrundlage durchzusetzen, aber auch für diejenigen, die das Glück haben, kostenlos stornieren zu können und dieses Geld eventuell nicht an ihre Kunden zurückgeben. Diejenigen, die momentan nur nach ihren AGB handeln, sind die Verlierer der Zukunft.

Die Krise wird uns aber noch Wochen und Monate auf Trab halten?

Ich denke ja, sie wird viel Organisationstalent, starke Nerven und einiges an Geld von uns verlangen. Sie wird uns neue Organisationsstrukturen bringen, und sie sollte unseren Blick für das Wesentliche schärfen. Es wird hart, aber diese Krise wird vorübergehen und diejenigen, die sie positiv angehen, werden gestärkt aus ihr hervorkommen. Ich persönlich hoffe, dass wir im Herbst dann eher einen positiven Stress haben, wenn viele der Reisen, die jetzt im Frühjahr ausgefallen sind, nachgeholt werden. Touren Service wird jedenfalls alles tun, um seinen Partnern so gut wie möglich über diese Krise hinweg zu helfen, durch die Flexibilisierung von Stornoregeln und die individuelle Verhandlung unvermeidlicher Stornoraten.

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