8. Internationales Oldtimer-Bustreffen

An drei Tagen im Mai geben sich Bus-Veteranen aus ganz Europa ein Stelldichein auf dem historischen Marktplatz und den umliegenden Straßen der malerisch an der Tauber gelegenen Fachwerkstadt Bad Mergentheim.

Busschönheiten aus früheren Zeiten noch und noch können Besucher am 13./14. und 15. Mai in Bad Mergentheim bewundern. Ausfahrten stehen am Samstag auf dem Programm. (Foto: Jens Hackmann)
Busschönheiten aus früheren Zeiten noch und noch können Besucher am 13./14. und 15. Mai in Bad Mergentheim bewundern. Ausfahrten stehen am Samstag auf dem Programm. (Foto: Jens Hackmann)
Martina Weyh

Am 13./14. Und 15 Mai findet im baden-württembergischen Bad Mergentheim das mittlerweile 8. Oldtimer-Bustreffen statt. Erstmals erinnerte die Stadt Bad Mergentheim, die an der Kreuzung von Romantischer Straße und Württemberger Weinstraße liegt, anno 1998 mit einer großen Feier an das historische Ereignis „100 Jahre Kraftpostlinie“ und führte fortan einen Gedenktag ein.

Seither reisen Busse und Fahrer älteren Semesters alle vier Jahre mit Modellen bekannter Marken wie Neoplan, Borgward, Setra, Merdeces Benz oder Volvo zum Oldtimerbus-Bustreffen an. Die Busse kommen aus Österreich, der Schweiz und zuletzt sogar aus Schweden. Ein grüner „International Harvester“ aus dem Jahre 1923 ist in den Geschichtsbüchern als bislang ältestes Fahrzeug vermerkt, das in Bad Mergentheim vorfuhr.

Bei der Präsentation mit Preisverleihung und Gewinnspiel erwartet die beliebte Gesundheits- und Urlaubsstadt bei Musik, regionaler Kulinarik und guter Laune etwa 3.000 Besucher. Dafür versammeln sich die Oldtimerbusse am Sonntag, 15. Mai, in der Zeit von 9:30 Uhr und bis 16 Uhr, in der Innenstadt (Marktplatz und umliegende Straßen).

„Lassen wir uns überraschen, welche Raritäten in diesem Jahr den Weg ins wunderschöne Taubertal nach Bad Mergentheim finden. In jedem Fall können sich Gäste auf eine großartige Atmosphäre in unserer romantischen Altstadt und ein tolles Programm freuen. Das Oldtimer-Bustreffen war bislang immer wie eine große Familien-Party, an deren Ende sich Busbesitzer und Gäste gerne mit einem lockeren ‚Wir sehen uns dann also in vier Jahren!‘ voneinander verabschiedet haben“, sagt der Verkehrsdirektor der Stadt Bad Mergentheim, Kersten Hahn.

Obwohl die Rahmenbedingungen aktuell schwierig seien, rechnet der Verkehrsdirektor mit 60 Bussen. 40 Anmeldungen lägen bereits vor.

Buspionier Konrad Auwärter

Renommiertes Bindeglied zwischen Bad Mergentheim und der Bus-Branche ist Konrad Auwärter. Der 81-jährige Pionier kennt die deutsche Szene aus dem Effeff, hat er sie doch quasi mit aus der Taufe gehoben. Konrad Auwärter machte die Marke „Neoplan“ zu dem, was sie heute ist. Ursprünglich war Neoplan der Markenname unter dem die 1935 gegründete Gottlob Auwärter GmbH & Co. KG ab 1953 selbsttragende Omnibusse herstellte. 2022 ist Neoplan eine Omnibus-Marke der MAN Truck & Bus AG. Im bayerischen Pilsting betreibt Konrad Auwärter einen Automobil-Park mit einem vielbeachteten Oldtimer-Museum.

Beim Oldtimer-Bustreffen in Bad Mergentheim am zweiten Mai-Wochenende wird Bus-Pionier Konrad Auwärter auf zahlreiche Nostalgiker treffen. Einer davon ist Josef Albrecht. Der leidenschaftliche Sammler aus Aalen besitzt fünf Oldtimer-Busse aus verschiedenen Epochen – einen rot-weiß gestreiften Mercedes-Bus aus dem Jahre 1963 zum Beispiel. Der Bus mit Namen „Sonja“ hat 110 PS, 34 Sitzplätze und ist schon alleine wegen der großen Fenster ein Hingucker. Nach Bad Mergentheim reist Albrecht mit „Pia“, einem dunkelgrünen Renault aus dem Jahre 1926. Das Fahrzeug hat 67 PS und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit „von 40, vielleicht mal 42 Stundenkilometer“, so Albrecht.

Pia ist der aktuellste Zugang in Albrechts historischer Sammlung und eine Besonderheit – die Stehplätze im hinteren Teil des Fahrzeugs sind sehr ungewöhnlich, aber offiziell zugelassen.

„Jeder Bus hat einen anderen Charakter und seine eigene Geschichte, die ihn zu etwas Besonderem macht. Früher gab es wesentlich mehr Hersteller und deshalb auch ganz unterschiedliche Gestaltungen“, erinnert sich Josef Albrecht.

Historische Ausfahrten am Samstag 14. Mai

Wer Josef Albrecht und seine Pia on tour sehen möchte, hat am Samstag, 14. Mai, die Gelegenheit.

„Dieser Tag steht ganz im Zeichen der historischen Ausfahrten. Darüber hinaus bieten wir im Rahmen der Veranstaltung Stadtführungen und Weinproben für Gäste und Einheimische an“, sagt Stefanie Imhof, die bei der Stadt Bad Mergentheim für Tourismus und Kultur zuständig ist.

Kulinarische Bustouren ab 2023

Ein besonderes Highlight wird ab 2023 wieder möglich sein. Auf „Kulinarischen Bustouren“ im Oldtimer werden heimische Leckereien zu regionalem Wein oder Gerstensaft gereicht. 2020 fuhr auch Bus-Nostalgiker Josef Albrecht mit seinem Mercedes-Benz Bus Sonja die Schlemmer-Route durch das Taubertal.

Ein Blick zurück

Die Bus-Historie im Taubertal basiert auf der Gründung der „Kraftpostlinie“ im Jahre 1898. Die Fahrt von Bad Mergentheim über Dörzbach nach Künzelsau im Auftrag der Württembergischen Post gilt seinerzeit als technische Revolution. Die „Tour de Taubertal“ startet drei Jahre nachdem der weltweit erste mit einem Motor angetriebene Omnibus 1895 in Nordrhein-Westfalen zur Jungfernfahrt aufgebrochen war. Mit Briefen und Paketen sowie zehn Personen an Bord fuhr der Bus der Daimler-Morgen-Gesellschaft mit einem von Wilhelm Maybach konstruierten Phoenix Zwei-Zylinder mit zehn PS und Spritzdüsenvergaser durch die romantische Wein-Region.

Die Kraftübertragung erfolgte durch ein Drei- oder Viergangschaltgetriebe über Ritzel auf die Hinterräder – das modernste Triebwerk, das die Motortechnik seinerzeit aufzubieten hatte. Für die etwa 30 km benötigte der Post-Express zwei Stunden und 15 Minuten.

 

 

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