ÖPNV: Technische Anforderungen an Trennscheiben

Als Materialien zur Abtrennung des Fahrerarbeitsplatzes kommen hauptsächlich Sicherheitsglas, Kunststoffglas und PVC-Folie in Betracht.

Um Busfahrer vor Ansteckungen zu bewahren, bietet Mercedes-Benz für seinen Stadtbus Citaro eine professionelle Nachrüstung durch Fahrerschutztüren mit Trennscheibe an. (Foto: Daimler AG)
Um Busfahrer vor Ansteckungen zu bewahren, bietet Mercedes-Benz für seinen Stadtbus Citaro eine professionelle Nachrüstung durch Fahrerschutztüren mit Trennscheibe an. (Foto: Daimler AG)
Claus Bünnagel

In immer mehr ÖPNV-Bussen wird der Fahrerarbeitsplatz durch Folien oder Scheiben vom Fahrgastraum räumlich abgetrennt, um vor Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Diese Maßnahmen gingen häufig mit der Sperrung des vorderen Einstiegs und dem Verlust der Möglichkeit des Ticketverkaufs einher. 

Sicherheitsglas, Kunststoffglas und PVC-Folie

Vielfach besteht der Wunsch nach soliden technischen Lösungen und der Perspektive, den Ticketverkauf im Bus durch die Nutzung der vorderen Einstiegstür wieder aufnehmen zu können. Als Materialien zur Abtrennung des Fahrerarbeitsplatzes kommen hauptsächlich Sicherheitsglas, Kunststoffglas und PVC-Folie in Betracht. 

Typenzulassung

Trennscheiben aus Sicherheitsglas wurden bereits unabhängig von der aktuellen Pandemiesituation von den Busherstellern angeboten. Abhängig vom Fahrzeugtyp ist eine Nachrüstung grundsätzlich möglich. Die von den Busherstellern angebotenen Trennscheiben aus Sicherheitsglas besitzen üblicherweise bereits eine Typenzulassung. 

Drittanbieter: Prüfbericht erforderlich

Verstärkt gehen nun auch Drittanbieter mit Nachrüstlösungen an den Markt. Bei diesen neu entwickelten Lösungen ist ein Prüfbericht der technischen Prüforganisationen für jeden Fahrzeugtyp einer Bauart erforderlich, mit dem die Einhaltung der Bestimmungen der StVZO, StVO und BOKraft nachgewiesen wird. Anderenfalls droht ein Erlöschen der Betriebserlaubnis. Nachgewiesen werden muss insbesondere, dass:

  • nach Einbau eine Gefährdung nach § 19 Abs. 2 StVZO ausgeschlossen ist 
  • nur bauartgenehmigte Materialien verwendet wurden (z.B. besondere Voraussetzungen für Sicherheitsverglasungswerkstoffe und Anforderungen bezüglich Brennbarkeit)
  • die Sicht für den Fahrer gemäß der §§ 35b, 56 StVZO weiterhin nicht beeinträchtigt ist 
  • dem Anforderungskatalog für den Schülerverkehr entsprochen wird. 

Die als Anlage beigefügten Anforderungen an Trenneinrichtungen des VdTÜV enthalten unter II. Hinweise für Kraftomnibusse der Klasse II und Klasse III. Hinweis: Es ist dringend zu empfehlen, Angebote für Trennscheiben auf diese Anforderungen hin zu überprüfen. 

Einzelabnahme ratsam

Sofern für die angebotene Lösung keine Typengenehmigung vorliegt, ist eine Einzelabnahme des nachgerüsteten Fahrzeugs anzuraten. Hinsichtlich der Kosten für Material, Einbau und technische Abnahme sollte der Nutzungszeitraum der technischen Lösung maßgeblich in Betracht gezogen werden. Während man bei PVC-Folie von einem Zeitraum zwischen ein und zwei Monaten ausgehen kann, dürfte Kunststoffglas für rund ein Jahr nutzbar sein. Sicherheitsglas eignet sich für eine langfristige Lösung für ein Jahr und länger. 

Kosten

Nach vorliegenden Informationen belaufen sich die Kosten für eine Folienlösung auf etwa 200 Euro, bei Verwendung von Kunststoffglas auf 500 bis 1.000 Euro, während bei Sicherheitsglas 2.000 Euro und mehr anfallen dürften. Da nahezu alle Varianten – sowohl von Fahrzeugherstellern als auch von Drittanbietern – stark nachgefragt sind, ist mit Lieferengpässen und längeren Wartezeiten zu rechnen. 

Förderung

In Bayern und Baden-Württemberg soll die Nachrüstung von Trennscheiben gefördert werden. Ob und wann eine Fördermaßnahme kommt, steht noch nicht fest. Beim Einbau entsprechender Infektionsschutzscheiben sollte ein Antrag auf vorzeitigen förderunschädlichen Maßnahmenbeginn gestellt werden.

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