IT-TRANS 2022: Mobility-as-a-Service (MaaS) im Fokus

Die Karlsruher ÖPNV-Messe zeigt Innovationen der urbanen Mobilität.

Auf der IT-TRANS 2022 vom 10. bis 12. Mai in Karlsruhe steht die Mobilität der Zukunft im Mittelpunkt. (Foto: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner)
Auf der IT-TRANS 2022 vom 10. bis 12. Mai in Karlsruhe steht die Mobilität der Zukunft im Mittelpunkt. (Foto: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner)
Claus Bünnagel

Das Hauptkonzept von MaaS besteht darin, den Nutzer in den Mittelpunkt der Verkehrsdienste zu stellen und ihm maßgeschneiderte Mobilitätslösungen auf der Grundlage seiner individuellen Bedürfnisse anzubieten.

So definiert die Europäische Mobility as a Service Alliance den Ansatz MaaS. Grundlage ist hierbei die Kombination aller verfügbaren Verkehrsmittel, so dass Fahrgästen ein flexibles, nahtloses und unkompliziertes Reiseerlebnis ermöglicht wird – auf Knopfdruck und unabhängig vom eigenen Fahrzeug. Nutzende erhalten die Realtime-Informationen in einer App und können die für sie passende Option dort auch gleich buchen und bezahlen. Auf der IT-TRANS 2022, die vom 10. bis 12. Mai in der Messe Karlsruhe stattfindet, stellen zahlreiche Unternehmen ihre Innovationen vor und zeigen, wie die Mobilität der Zukunft aussieht.

Individuell, effizient und umweltschonend

Intermodales, also verkehrsmittelübergreifendes Routing schafft die Voraussetzung für individuelle, effiziente und umweltschonende Mobilität. Ob als native App oder WebApp – inzwischen beinhaltet die Mehrzahl der von den IT-TRANS-Ausstellern Hacon und Siemens Mobility bereitgestellten Anwendungen viel mehr als nur die Bus- oder Bahnverbindungen eines einzelnen Anbieters oder Verkehrsverbunds. Mit dem Mobility Marketplace lassen sich die Datenbestände verschiedener Anbieter so miteinander verknüpfen, dass sie über eine einzige Plattform zur Verfügung stehen. Dem Fahrgast wird damit ein ganzheitliches, nachhaltiges Verkehrsangebot geboten – als sinnvolle Alternative zur privaten Fahrzeugnutzung. Hierfür werden unterschiedlichste Verkehrsmittel zu intermodalen Tür-zu-Tür-Reiseketten kombiniert, ganz gleich ob öffentlicher Verkehr, Bedarfsverkehre, private Transportmittel, Car-, Bike- oder Scooter-Sharing-Anbieter, Taxis, Fahrrad- oder Fußwegrouting. Reisende finden auf diese Weise ganz unkompliziert die für sie schlaueste Kombination aus Transportmitteln. Sämtliche Aspekte der Reise werden abgedeckt – von der Information und Planung über Ticketing und Zahlung bis hin zur Reise selbst.

Auslastungsprognose: Sicher unterwegs

Anders als der Fernverkehr kann der ÖPNV nicht auf Reservierungsdaten zugreifen. Basierend auf Big-Data-Technologien und selbstlernenden Algorithmen haben Siemens Mobility und Hacon eine Software zur Vorhersage der Passagierzahlen entwickelt. Seit September 2020 ist sie beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) im Einsatz, der im Jahr mehr als 800 Mio. Menschen befördert – ein Paradebeispiel dafür, wie der öffentliche Verkehr schnell und effektiv auf die Herausforderungen durch Covid-19 reagiert hat. Die Prognose für das Fahrgastaufkommen basiert zum einen auf den Verbindungsanfragen aus der RMV-Auskunft, zum anderen aus den Ticketverkäufen. So lässt sich die Auslastung der Züge und Busse kurzfristig prognostizieren. Zusätzlich berücksichtigt der selbstlernende Algorithmus in seiner Prognose auch planbare externe Einflüsse wie Baustellen und etwaige Großveranstaltungen. Sämtliche Daten werden vollständig anonym genutzt und lassen keinerlei personenbezogene Rückschlüsse zu.

Intermodale ÖPNV-Angebote

Das hessische Unternehmen vedysis präsentiert auf der IT-TRANS das neu entwickelte „mobility portal“. Mit diesem erhalten ÖPNV-Anbieter eine Plattform, in der sie verschiedene Transportformen verknüpfen, On-Demand-Verkehre integrieren und neue Ticketvarianten abbilden. Grundidee ist hier, multimodale Mobilitätsangebote als Basis für eine erfolgreiche Verkehrswende zu nutzen. Hierzu gehören Kommunen und Verkehrsverbünde, die ihren öffentlichen Personennahverkehr weiter ausbauen und Einwohnern flexible Tür-zu-Tür-Transporte anbieten und so loyale Kunden gewinnen können. Das mobility portal vernetzt verschiedene multimodale ÖPNV-Angebote wie Bus, Straßenbahn, E-Scooter, Bikesharing, Elektroautos und Park and Ride.

Mit dem mobility portal digitalisieren Kommunen und Verkehrsunternehmen die öffentliche Mobilität und profitieren von nahtlosen Front- und Backend- Prozessen. Fahrgäste können über das Frontend ihre bevorzugten Verkehrsmittel auswählen. Suche, Buchung und Bezahlung erfolgen über eine Website oder App. Verkehrsunternehmen profitieren von einem reibungslosen Echtzeitdatenaustausch in CRM, ERP etc. Die Plattform startet außerdem vollautomatisiert definierte Workflows. Zudem integriert das mobility portal unterschiedlichste Verkehrsangebote flexibel in die bestehende ÖPNV-Infrastruktur – ob neue Verkehrsmittel, Tarifmodelle oder Routen. Anbieter von On-demand-Verkehr werden so schnell und unkompliziert Teil der Verkehrswende. Auch ein barrierearmer Kundenservice mit multilingualen Customer-Self-Service-Tools spielt für eine positive customer experience eine entscheidende Rolle. Im mobility portal können Kunden rund um die Uhr mehrsprachig mit Verkehrsbetrieben interagieren.

Das mobility portal analysiert zudem Daten aus multiplen Datenquellen und identifiziert so Verkaufschancen und Kündigungsrisiken. Mithilfe KI-basierter Algorithmen generiert es passgenaue Verkehrsangebote, die automatisch über Facebook, Instagram, YouTube oder Online-Nachrichtenmagazine an unterschiedliche Zielgruppen gepusht werden.

Mentz präsentiert neue MaaS App „Gullivr“

Technologische Innovationen aus der Münchener IT-Schmiede Mentz haben seit vielen Jahren einen festen Platz bei der IT-TRANS. Diesmal präsentiert das Münchner Familienunternehmen den neuesten Zuwachs der Genios-Produktfamilie: Der bewährte Genios-Programmkern integriert neueste Forschung aus den Bereichen KI, evolutionäre Algorithmen und Graphentheorie.

Die integrierte Optimierung mit Genios ermöglicht ideale Planung für Elektrobusse, Dienste und Umläufe sowie Wunsch-Dispo und Anschlussplanung. (Geschäftsführer Christoph Mentz)

Zusätzlich präsentiert Mentz seinen neuesten Ticketshop und stellt damit die neueste Generation für smartes E-Ticketing vor. Mit dem Ticketingsystem CiBo (Check-in, Be-out) wird der ÖPV noch bequemer und damit attraktiver für Fahrgäste. Als Anbieter von Mobility-as-a-Service-Lösungen bindet das Softwareunternehmen verfügbare Sharing-Angebote externer Mobility-Anbieter zuverlässig über Schnittstellen an und integriert sie passgenau in die App seiner Kunden. Echtzeitinformationen der Mentz EFA sorgen dabei für schnelle Übersicht zur Shared Mobility oder zur Parksituation am Ziel. Besonders freut sich Christoph Mentz die neue MaaS-App „Gullivr“ vorzustellen.

Damit setzen wir neue Standards in Sachen User Experience und schlankem Design. Gullivr bietet alle Facetten moderner, multimodaler Mobilität: MaaS, Planen, Buchen und Bezahlen. Aber am meisten freuen wir uns, dass wir endlich wieder in den direkten Kontakt mit unseren Kunden treten können.

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