Eröffnung im Juli – Steinbockzentrum St. Leonhard im Pitztal

Das neue Museum in den Ostalpen erzählt die faszinierende Natur- und Kulturgeschichte des kargen Hochtals samt erfolgreicher Wiederansiedelung der einstmals ausgestorbenen Steinbockpopulation.

Selbst ein Fels – das neue Steinbockzentrum in St. Leonhard setzt architektonische Maßstäbe und fügt sich ideal ins gebirgige Landschaftsbild des Pitztales ein. (Foto: Rendering/Architekten Köberl & Kröss)
Selbst ein Fels – das neue Steinbockzentrum in St. Leonhard setzt architektonische Maßstäbe und fügt sich ideal ins gebirgige Landschaftsbild des Pitztales ein. (Foto: Rendering/Architekten Köberl & Kröss)
Martina Weyh

3,7 Mio. Euro Investitionskosten – ein Museum, das sich perfekt in die Landschaft einfügt und in seinen Ausstellungsräumen samt umliegender Außengehege, die Geschichte des kargen Pitztals für die Besucher weitestgehend barrierefrei erlebbar macht.

Faszinierende Architektur

Die Architektur des neuen Steinbockzentrums St. Leonhard passt sich perfekt in die umgebende Natur ein - kein rechteckiger Kasten, sondern eher ein Berg mit fünf Seiten mit Cortenstahl und in rötlichem Beton, der das eisenhaltige Gebirge rundum widerspiegelt. Der Bau steht auf dem historischen Grund des 1265 erstmals urkundlich erwähnten Schrobenhofs. Hier lebte Anfang des 20. Jahrhunderts Josef Schöpf, der als Pionier der Fotografie in Tirol gilt. Seine beeindruckenden Bilder sind Teil der Ausstellung und nehmen den Besucher mit auf eine fotografische Zeitreise in die Vergangenheit.

Schicksaljahr 1953 - der Steinbock kehrt zurück

Den Steinbock würdigt die Ausstellung in erster Linie als Synonym für die urwüchsige Natur des Pitztals. Der Kletterkünstler, der bis zu dreieinhalb Meter hoch springen kann und auf seinen Streifzügen zur Verbreitung diverser Pflanzen beiträgt, hat sich längst auch als Pitztaler Wappentier behauptet.

„Der einzige natürliche Feind des Steinbocks ist heutzutage die Lawine“, sagt Ernst Partl, Geschäftsführer des Naturparks Kaunergrat, bei dem die Fäden des Gemeinschafts-Projekts von Gemeinde, Tourismusverband und Naturpark zusammenlaufen.

Einst hatten Not und Hunger zur Ausrottung des Steinbocks im gesamten Alpenraum geführt. Wilderern sei es dabei nicht nur auf das Fleisch gegangen, sondern auch auf das wertvolle Horn, das als Aphrodisiakum galt. Nach der Wiederansiedlung im Pitztal im Jahr 1953 verbreiteten sich die einst ausgerotteten Tiere in weiten Teilen der Ostalpen. Die Landesjagd Pitztal, die mit einem Gebiet von 20.000 Hektar größte Hochgebirgsjagd Österreichs, kümmert sich um den Schutz der Wildtiere. Sie war es auch, die einst die ersten Exemplare ins Tal brachte.

Urlauber können dem „König der Alpen“ im Pitztal auch in der freien Natur begegnen. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit rund um die Rüsselsheimer Hütte, die oberhalb des Weilers Plangeroß in 2.328 Meter Höhe thront. Wer nichts dem Zufall überlassen möchte, schlendert durch das Gehege des Steinbockzentrums.

„Das sind Tiere aus dem Innsbrucker Alpenzoo und schon an Menschen gewöhnt“, erklärt Partl, der dennoch auf die Abstandsregeln hinweist.

Neben der Ausstellungsfläche über zwei Etagen gibt es ein Café-Restaurant und ein Außengehege mit Steinwild und Murmeltieren, durch das Wanderwege unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade führen.

Die Eröffnung des Steinbockzentrum St. Leonhard im Pitztal am 15. Juli stellt den ersten Meilenstein eines Gesamtkonzepts dar, das auf Identitätsstiftung, Nachhaltigkeit und sanften Tourismus setzt. Weitere langfristige Schwerpunkte sollen in künftigen Projekten auf Umweltbildung und Forschungskooperationen zum nachhaltigen Steinwildmanagement liegen.

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