Trafi: München will mit MVGO-App den Autoverkehr zügeln

Der bayerische ÖPNV-Betreiber nutzt die Technologie von Trafi, die auch schon für Jelbi der BVG in Berlin die Basis bildet und bündelt diverse Mobilitätsangebote von öffentlichem Nahverkehr bis Scootersharing in einer App.

Auch in München bildet die White-Label-MaaS-Lösung von Trafi die Basis für eine nahtlose Mobilität. | Foto: Trafi
Auch in München bildet die White-Label-MaaS-Lösung von Trafi die Basis für eine nahtlose Mobilität. | Foto: Trafi
Martina Weyh
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Wie vor einem Jahr angekündigt, hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in Zusammenarbeit mit dem Technologieanbieter Trafi eine stadteigene Mobility-as-a-Service-Lösung (MaaS) namens MVGO gestartet. Ab sofort können die Münchner Bürger mit nur einer einzigen App, einem Nutzerkonto und einer Zahlungslösung Zugang zu allen Mobilitätsdiensten erlangen, von öffentlichen Verkehrsmittel- bis hin zu privaten Sharing-Anbietern, wie die MVG wirbt. Die Landeshauptstadt München ist nach Berlin die zweite deutsche Metropole, die in Zusammenarbeit mit Trafi eine MaaS-App entwickelt hat. Für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatte das 2013 gegründete Litauer Start-up-Unternehmen Mitte 2019 bereits die weltweit größte sogenannte MaaS-Plattform mit dem Namen Jelbi umgesetzt.

„München hat ein so vielfältiges Mobilitätsangebot, das den Umstieg vom privaten Auto in geteilte Mobilität erleichtert. Unsere Technologie ermöglicht eine benutzerfreundliche und barrierefreie Verknüpfung öffentlicher und privater Mobilität in einer App", wirbt Christof Schminke, Managing Director Commercial bei Trafi.

Dass sich nach Berlin nun eine weitere Großstadt wie München dafür entschieden habe, zeige, dass die Städte auf dem richtigen Weg seien und Partnerschaften zwischen Start-Ups und der öffentlichen Hand Erfolgsmodelle darstellen, findet der Mobililtätsmanager.

Ein Login, viele Funktionen

 

Ziel der zusammen mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) entwickelten MaaS-App sei es, das Angebot des öffentlichen Verkehrs zu verbessern und zu erweitern, um die Abhängigkeit vom eigenen Auto in der Stadt zu verringern. Dabei lassen sich zahlreiche digitale Serviceangebote in München mit einem zentralen Login nutzen, neben Angeboten der MVG auch die der Stadtwerke München wie zum Beispiel mein.muenchen und HandyParken München. Die Wege können in Echtzeit über die App geplant werden, einschließlich des Kaufs von Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel und der Bezahlung für Sharing-Anbieter. Zum Start sind die drei Mobilitätsarten mit den Angeboten von MVG, Voi, TIER, emmy verfügbar. Für die Nutzung der verschiedenen E-Moped-Dienste ist eine einmalige Überprüfung von Führerschein und Ausweis über die App erforderlich, die nahtlos und unter Einhaltung der höchsten Sicherheitsstandards erfolgt.

Autostadt München: 700 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner

München stehe an vorderster Front, die Stadt für ihre Einwohner lebenswerter, sicherer und gesünder zu machen, verkündet der Anbieter. Trotzdem dominiere nach wie vor der Autoverkehr, der etwa 50 bis 60 Prozent aller gefahrenen Kilometer ausmacht. Das führe zu Staus, vor allem während der Hauptverkehrszeiten, welche die Reisezeit um durchschnittlich 60 Prozent erhöhten, berichtet der Anbieter aus der Statistik. Außerdem liege die Zahl der Autos pro Kopf in München bei rund 700 pro 1.000 Einwohner, mehr als doppelt so hoch als heute in Berlin.

„Nur wenn Städte eine nahtlose und effiziente Alternative zum privaten Pkw anbieten, können sie einen passenden Anreiz für den Umstieg auf den öffentlichen und geteilten Verkehr schaffen", glauben die Betreiber der App.

Trotz gutem ÖPNV fahren die meisten lieber Auto

Die Stadt München profitiere von einem ausgedehnten Mobilitätsnetz, wobei das öffentliche Verkehrssystem als Rückgrat dient. An der Isar gebe es eines der besten öffentlichen Nahverkehrssysteme in Deutschland. Doch allen kontinuierlichen Investitionen in die Modernisierung der ÖPNV-Infrastruktur zu Trotz, verlasse sich jedoch ein erheblicher Teil der Bevölkerung weiterhin fast ausschließlich auf das private Auto. Die MVG, die sich vollständig im Besitz der Stadt befindet, habe bereits diverse Initiativen gestartet, wie z. B. die Einführung eigener Mietfahrräder im Jahr 2015 oder die Zusammenarbeit mit dem E-Scooter-Anbieter Tier, um Angebote für die letzte Meile anzubieten. Die Bündelung aller Angebote mit Trafi sei jetzt der konsequente nächste Schritt, findet der ÖPNV-Betreiber.

 

 

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