Thüringer Busbranche startet wieder durch

Die MDO-Mitgliederversammlung im Erfurter Kressepark setzt Aufbruchssignal.

Eine volle Agenda hatten MDO-Geschäftsführer Tilman Wagenknecht (l.) und der Vorsitzende Mario König bei der ersten wieder live stattfindenden Mitgliederversammlung dieses Jahres im Erfurter Kressepark. (Foto: Tonya Schulz)
Eine volle Agenda hatten MDO-Geschäftsführer Tilman Wagenknecht (l.) und der Vorsitzende Mario König bei der ersten wieder live stattfindenden Mitgliederversammlung dieses Jahres im Erfurter Kressepark. (Foto: Tonya Schulz)
Claus Bünnagel

Die mitteldeutschen Omnibusunternehmer starten nach dem langen Lockdown wieder durch. Die Stimmung bei der Mitgliederversammlung des MDO im Erfurter Kressepark war dynamisch und kämpferisch. Nach wie vor bestehe Unsicherheit bei der Planung von Linien- und Reiseverkehren, so der Verband. Doch die Unternehmer seien sich sicher, mit dem Omnibus als umweltfreundlichstes Mobilitätsangebot auch in der Zukunft stark nachgefragt zu werden. 

Hoffnung auf weitere staatliche Unterstützung 

Die staatliche Unterstützung der überwiegend privat organisierten Betriebe habe aufgrund der maßgeblichen Arbeit der Branchenverbände sehr gut funktioniert, lobte MDO-Vorsitzender Mario König. Auch für dieses Jahr ständen die Zeichen gut, dass die Omnibusunternehmen nochmals auf tatkräftige Hilfe seitens Bund und Land zählen können. Abteilungsleiter Andreas Minschke vom Thüringer Infrastrukturministerium sicherte den MDO-Mitgliedern deshalb größtmögliche Unterstützung zu.

Noch lange keine Normalisierung beim Fahrgastaufkommen 

Durch den Lockdown seien die Bustouristik und die Busanmietungen komplett zum Erliegen gekommen. Der Nahverkehr habe massive Fahrgastrückgänge durch Hygieneschutzmaßnahmen, Home-Office und Kurzarbeit erlebt. In beiden Bereichen zeige sich noch lange keine wirksame Erholung der Nachfrage. Durch die nach wie vor bestehenden Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie bleibe der Re-Start unverändert schwierig. 

Jetzt müssen wir die Fahrgäste wieder in den Bus bekommen, das ist unsere größte Aufgabe. (Mario König)

Dabei werde dem Nah- wie Reiseverkehr immer wieder in Studien bescheinigt, kein Coronatreiber zu sein. 

Wir sind auch mit Glück durch die Zeiten mit hoher Ansteckungsgefahr gekommen. Kein Mitgliedsunternehmen unseres Verbands musste sein Angebot wegen Coronafällen in der Belegschaft einschränken. Wir haben die Daseinsfürsorge geleistet, so wie es von den Unternehmen erwartet werden kann. (Mario König)

Neustart für Klassenfahrten

Unter den Nägeln brenne nach wie vor das Thema Klassenfahrten. Dieses für Omnibusunternehmen wichtige Fahrgastklientel sei noch zögerlich in der Planung. 

Die Coronapandemie hat sehr deutlich gezeigt, dass Stornierungsregelungen nicht zu Lasten der Unternehmen gehen können und praxisnahe Regelungen mit der Schule als Vertragspartner benötigt werden. (Mario König)

Jetzt sollten die Buchungsanfragen in den Unternehmen gestellt werden, denn jetzt würden die besten Reisezeiten und die besten Hotels für den Herbst vergeben.

Digitalisierung nimmt zu

Breiten Raum nahm in der lebhaften Diskussion im Erfurter Kressepark die zunehmende Digitalisierung ein. Elektronisch erstellte Tickets und online buchbare On-Demand-Verkehre würden bald Realität sein. Die Verbände arbeiteten mit Hochdruck an Lösungen für diese komplexen Onlineplattformen. Auch hier sei der Gesetzgeber gefragt, um ein wirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen. Besonders das Thema „Landesweiter Thüringer E-Tarif“ interessiere das Verkehrsministerium. Es solle bereits in Kürze zu einem modernen landesweit einfach buchbaren elektronischen ÖPNV-Tarif kommen. Damit sei auch die Hoffnung verbunden, komplizierte und teure ÖPNV-Verbundstrukturen überflüssig zu machen.

Alternative Antriebe vorgeschrieben

Ab August 2021 gilt eine neue EU-Verordnung, die die Beschaffung von Fahrzeugen mit neuartigen Antrieben in den Stadtverkehren stärker vorschreibt. Das erfordere massive Investitionen in Fuhrpark und Betriebseinrichtungen, die sich mit Fahrkartenverkäufen nicht refinanzieren ließen. 

Wir kommen um dauerhaft höhere Zuschüsse an die Verkehrsunternehmen und deutlich verbesserte Investitionshilfen nicht herum. Insbesondere die vorhandenen Budgets müssen aufgestockt werden, und nicht alles kann der Bund oder die EU für Thüringen lösen. Da muss der Freistaat selbst mehr in den Topf geben. (Mario König) 

Das Verkehrsministerium versprach auch in dieser Hinsicht, die Anforderungen zu analysieren und entsprechend gegenzusteuern.

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