49-Euro-Ticket: Wem nutzt’s, wem nicht, und wo?

Das Verbraucherportal Testberichte.de hat die Preise für Monatskarten im Abo und im Einzelverkauf aller Landeshauptstädte und aller Städte mit über 200.000 Einwohnern mit dem kommenden deutschlandweit gültigen Ticket verglichen und auch Preise für Einzelfahrten ins Verhältnis gesetzt.

Das unabhängige Verbraucherportal Testberichte.de hat Nutzen und Einsparpotenziale des künftigen Deutschlandtickets eingehend untersucht – ausgewertet wurden die ÖPNV-Angebote von 43 Städten. (Foto: pixabay)
Das unabhängige Verbraucherportal Testberichte.de hat Nutzen und Einsparpotenziale des künftigen Deutschlandtickets eingehend untersucht – ausgewertet wurden die ÖPNV-Angebote von 43 Städten. (Foto: pixabay)
Martina Weyh

Der dezierte Vergleich des Verbraucherportals Testberichte.de bringt es an den Tag – selbst für Berufspendler, die ihr Stadtgebiet selten verlassen und daher eigentlich keinen Fahrschein über die Stadtgrenzen hinaus benötigen, lohnt sich das 49-Euro-Ticket fast immer.

Das unabhängige Verbraucherportal hat den Nutzen des künftigen Deutschlandtickets eingehend untersucht. Unter der Fragestellung „Für wen lohnt sich das 49-Euro-Ticket?“ wurden die Preise für Monatskarten im Abo und im Einzelverkauf aller Landeshauptstädte und aller Städte mit über 200.000 Einwohnern mit dem bundesweit gültigen Ticket verglichen und auch Preise für Einzelfahrten ins Verhältnis gesetzt.

„In neun von zehn Städten werden regelmäßige ÖPNV-Nutzer auf jeden Fall von dem neuen Ticket profitieren.“

Bewohner von Großstädten profitieren laut Testberichte.de fast durchweg – lediglich in drei Landeshauptstädten der östlichen Bundesländer, Potsdam (36,17 Euro), Magdeburg (38,50 Euro) und Schwerin (43,08 Euro), führen Berufspendler mit dem örtlichen Monatsticket in der Abo-Version günstiger – aber eben nicht deutschlandweit.

Topp! – Verbraucherfreundliche Kündigungsfrist & erhebliches Einsparpotenzial

Die monatliche Kündbarkeit mache das Deutschlandticket fast so flexibel wie Monatskarten im Einzelkauf. Deren Preise seien gegenüber den örtlichen Abos durchgehend teurer, folglich der Preisvorteil des 49-Euro-Ticket hier noch größer: Wer beispielsweise in Hamburg bisher für ein Monatsticket im Einzelkauf 114,30 Euro berappen musste, spare ab kommendem Jahr satte 57 % (65,30 Euro). Auch in Köln, Bonn und Frankfurt am Main sei das Deutschlandticket mindestens 50 % günstiger als ein Einzel-Monatsticket, haben die Macher der Studie ausgerechnet. Im Durchschnitt aller betrachteten Städte seien es 35 % (28,74 Euro).

Auch Gelegenheitsfahrer könnten profitieren

Da die Preise für Einzelfahrscheine teuer bleiben, könne sich das 49-Euro-Ticket zukünftig auch für diejenigen lohnen, die nicht jeden Tag pendeln. Habe sich eine Abo-Monatskarte bisher nach durchschnittlich 23 Fahrten (also nach 12 Tagen mit Hin- und Rückfahrt) amortisiert, so sei dies ab kommendem Jahr bereits nach durchschnittlich 18 Fahrten der Fall.

Pendler aus dem Umland haben die größte Kostenersparnis 

Pendler, die regelmäßig aus Vororten in Großstädte fahren, profitieren laut Testberichte.de sogar noch mehr. Denn je länger ihr täglicher Weg in die Stadt ist, desto teurer war bisher ihr Monatsticket.

Hier könnten dank Deutschlandticket schnell über 50 Euro gespart werden (vgl. z.B. „1000Ticket-Abo“ im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, das ab Preisstufe B bereits 101,99 Euro kostet, in der höchsten Preisstufe D sogar 170,93 Euro).

Berlin denkt über Alternativen nach

Einen Sonderfall stelle Berlin dar. Hier werde zwar noch die alte Monatskarte im Einzelkauf zum Preis von 84 Euro angeboten, der offizielle Abo-Preis von 63,42 Euro monatlich wurde jedoch nach dem 9-Euro-Ticket im vergangenen Sommer vorübergehend durch ein 29-Euro-Ticket ersetzt, das bis zur Einführung des Deutschlandtickets angeboten werden soll. Lege man nur das letzte halbe Jahr zugrunde, könnte das Deutschlandticket bei Pendlern innerhalb Berlins zu dem subjektiven Eindruck einer erheblichen Preissteigerung führen.

Daher werde in der Hauptstadt bereits darüber nachgedacht, zukünftig Abo-Monatskarten für weniger als 49 Euro anzubieten, die dann nur vor Ort Gültigkeit hätten; spruchreif sei hier indes noch nichts, heißt es in der Pressemitteilung von Testberichte.de. Fest steht jedoch bereits jetzt: Das Deutschlandticket trägt zur erheblichen Vereinfachung im Tarifdschungel des ÖPNV in Deutschland bei, zu mehr Transparenz bei der Preisgestaltung und zu einer Preissenkung für die allermeisten regelmäßigen Nutzer, so das Fazit des Verbraucherportals.

Infos zur Auswertung von Testberichte.de

Ausgewertet wurden die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) von 43 Städten (alle Städte über 200.000 Einwohner inklusive aller Landeshauptstädte, also auch Saarbrücken, Potsdam und Schwerin mit je unter 200.000 Einwohnern). Dabei wurden die Tarife für das jeweilige gesamte Stadtgebiet verglichen (z.B. 5000 in Frankfurt, AB in Hamburg, Preisstufe 3 in Lübeck). Betrachtet wurden die Erwachsenen-Preise für Einzelfahrscheine, die werktags um 8 Uhr gelten, sowie für Monatskarten im Einzelverkauf und in der jeweils günstigsten allgemein erhältlichen Abo-Version mit monatlicher Zahlweise (bei einer Laufzeit von höchstens 12 Monaten). Sofern der Abo-Rabatt durch Freimonate gewährt wird oder anderweitig gestaffelt ist, wurde der Vergleichbarkeit halber als monatlicher Preis ein Zwölftel der Gesamtkosten für das erste Vertragsjahr angenommen.

Für Berlin wurde der reguläre Abo-Preis i.H.v. 63,42 Euro als Vergleichsgrundlage genommen, da es sich bei dem derzeit angebotenen 29 Euro-Ticket in Berlin um ein befristetes Angebot handelt.

Die Ranking-Sortierung erfolgte nach dem Preisunterschied der bisherigen Abo-Monatskarte zum Deutschlandticket; je größer die Ersparnis, desto besser die Platzierung.

Weitere Infos und Ergebnis-Übersicht unter: www.testberichte.de/link/deutschlandticket

Printer Friendly, PDF & Email