Dieselpreisexplosion: Bayerische Busunternehmen rufen nach Hilfe!

Mit Protestaktionen im ÖPNV machen am Mittwoch, 27. April 2022 zwölf Busunternehmen in vier oberbayerischen Landkreisen auf ihre dramatische Situation aufmerksam.

Der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) fordert substanzielle Finanzhilfen für die Verkehrsbetriebe und eine Reduzierung der Steuern auf gewerbliche Dieselprodukte, wie es sie für die Landwirtschaft gibt. (Foto: pixabay)
Der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) fordert substanzielle Finanzhilfen für die Verkehrsbetriebe und eine Reduzierung der Steuern auf gewerbliche Dieselprodukte, wie es sie für die Landwirtschaft gibt. (Foto: pixabay)
Martina Weyh

Nach wochenlangen erfolglosen Verhandlungen und weiterhin ausbleibenden finanziellen Hilfen von Aufgabenträgern, Land und Bund sehen sich mittelständische Busunternehmen in Oberbayern gezwungen, mit einer Protestaktion auf ihre durch die Energiekrise ausgelöste aussichtslose Lage aufmerksam zu machen, teilt der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmer (LBO) in einer Presseerklärung mit.

In den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf, Traunstein und Berchtesgadener Land bleiben morgen (27. April) bis 9 Uhr früh einige Busse in den Depots. Anschließend wird der reguläre Fahrbetrieb wieder aufgenommen. An der Protestaktion beteiligen sich zwölf Busunternehmen mit knapp 50 Bussen.
 
Die familiengeführten Verkehrsbetriebe, die überwiegend Buslinien im Auftrag für große Bahnbusunternehmen bedienen, stehen aufgrund der Dieselpreisexplosion und pandemiebedingten Fahrgeldausfällen mit dem Rücken zur Wand. Während in der Verkehrsministerkonferenz nur das 9-Euro-Ticket diskutiert wird, sehen sich die Verkehrsunternehmen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit, begründet der LBO die Aktion.

„Bei den letzten Verkehrsministerkonferenzen, aber auch bei vielen Gesprächen mit den zuständigen Ministerien scheint unsere finanzielle Lage und damit die Sicherung der Grundversorgung im ÖPNV keine Rolle zu spielen“ beschreibt Isabelle Brodschelm, Vizepräsidentin des LBO und Busunternehmerin aus Burghausen die existenzbedrohende Lage.

„Wir sehen uns gezwungen, zu demonstrieren, welchen wichtigen Beitrag wir für die Mobilität der Bevölkerung leisten. Wenn wir nicht mehr da sind, kommen die Schüler morgens nicht in die Schule und Berufstätige nicht zu ihrem Arbeitsplatz“, so Claudia Hollinger, Busunternehmerin aus Bad Aibling.

Stephan Rabl, Geschäftsführer des Landesverbandes bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) beschreibt die erschreckenden Meldungen seiner Mitgliedsunternehmen der letzten Wochen:

„Viele über Generationen geführte Familienunternehmen erwägen inzwischen, ihr Geschäft aufzugeben. Sie brauchen jetzt einen schnellen finanziellen Ausgleich. Hier geht es nicht nur um den Erhalt des privaten Unternehmertums im Verkehrswesen sondern um Daseinsvorsorge. Die bayerischen Busunternehmen brauchen endlich nachhaltige Instrumente, um pandemiebedingte Fahrgeldausfälle auszugleichen. Der Rettungsschirm wurde uns schon im letzten Jahr versprochen, ist aber bis heute nicht verabschiedet. Dies führte zu einer deutlichen Finanzlücke. Die zusätzlichen enormen Kostensteigerungen bei Diesel und AdBlue können von den Verkehrsunternehmen nicht mehr ausgeglichen werden. Da helfen auch keine Abschlagszahlungen mehr."

Der Verband fordert deshalb substantielle Finanzhilfen für die Verkehrsbetriebe sowie eine Steuerreduzierung auf gewerbliche Dieselprodukte, wie es sie für die Landwirtschaft gibt.

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