Demo in München: Reisebusbranche sieht sich diskriminiert

Unter dem Appell „Rettet die Reisebusunternehmen!“ fordert die Branche finanzielle Hilfen und das Ende des Reisebusverbots, spätestens mit Öffnung der Hotellerie Ende Mai.

Dramatische Lage: Mit dringlichen Appellen versehen und von lautem Hupen begleitet rollte ein Korso von Dutzenden Reisebussen durch München. (Foto: J. Reichel)
Dramatische Lage: Mit dringlichen Appellen versehen und von lautem Hupen begleitet rollte ein Korso von Dutzenden Reisebussen durch München. (Foto: J. Reichel)
Martina Weyh

Der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmer (LBO) hat am 12. Mai bei einem Buskorso in München gegen die die Branche betreffenden Anti-Corona-Maßnahmen der Bundesregierung protestiert und fordert finanzielle Hilfen sowie ein Ende des Reisebusverbots. Die Reisebusbranche sieht sich als der große Verlierer im Zuge der politisch verhängten Anti-Corona-Maßnahmen.

"Während andere, eng vernetzte Tourismussparten, wie die Hotellerie und Gastronomie spätestens Ende Mai wieder öffnen dürfen, Inlandsflüge zum Teil bis auf den letzten Platz wieder ausgebucht sind und auch der DB-Fernverkehr ohne wesentliche Beschränkungen weiterläuft, wird das klimafreundlichste Reiseverkehrsmittel weiter ausgebremst", kommentiert der Verband.

Die überwiegend familiengeführten Reisebusunternehmen in Bayern seien seit acht Wochen ohne jegliche Einnahmen und immer noch ohne eine Perspektive auf Lockerungen. Die komplette Fahrzeugflotte an Reisebussen stehe seit dem 17. März still. Bereits lange vor dem Reisebusverbot seien die meisten Reisen und Tagesfahrten storniert worden, sämtliche Klassenfahrten und Schulausflüge sind sogar bis Ende 2020 untersagt, schildert der Verband drastisch. Neubuchungen würden ausbleiben, während die Kundengelder zurückgezahlt werden müssten und die stillgelegten Fahrzeuge weiterhin Kosten verursachten und zudem jeden Tag an Wert verlören.

"Die weggebrochenen Einnahmen sind unwiederbringlich verloren. Eine Busreise die dieses Jahr nicht stattfindet, wird nächstes Jahr nicht zweimal gebucht", erklärt der LBO.

    Vor dem Hintergrund des wochenlangen Berufsverbots und der ernüchternden politischen Situation der Reisbusbranche, soll die Busdemonstration für mehr Druck bei den politischen Entscheidern sorgen.

    „Wenn die Gaststätten Mitte Mai und die Hotels Ende Mai in Bayern wieder öffnen, sind sie auf viele Gäste angewiesen. Allein in Bayern nutzen jedes Jahr über 18 Millionen Menschen den Bus für Reisen, Ausflüge oder Klassenfahrten. Darüber hinaus gibt es keinen nachvollziehbaren infektionsschutzrechtlichen Grund, Hotellerie und Gastronomie sowie Bahn- und Flugreisen in der Gefährdungslage anders einzustufen als Busreisen“, kritisiert LBO-Geschäftsführer Stephan Rabl.

    Die bisher aufgelegten Soforthilfen und sonstigen Hilfsmaßnahmen, wie Kurzarbeitergeld und Kredite reichten bei Weitem nicht aus, die Reisebusunternehmen aus der Krise zu führen. Dabei sei die deutsche Bustouristik auf einen Neustart unter verantwortungsvollen Bedingungen vorbereitet.

    Man habe bereits ein entsprechendes Hygienekonzept erstellt und der Politik vorgelegt. Zudem böten gerade Busreisen die besten Voraussetzungen, um Fahrgäste in überschaubaren festen Gruppen und unter genau definierten Bedingungen sicher an ihr Ziel zu bringen.

    „Es ist fünf vor zwölf für die Reisebranche. Jeden Tag kommen Familienbetriebe einer unverschuldeten Insolvenz näher. Die Wirtschaftsministerien auf Landes- und Bundesebene müssen jetzt handeln, um die mittelständisch geprägte Bustouristik zu retten“, mahnt Rabl.

    Die bayerischen Reisebusunternehmen fordern:

    • Einen finanziellen Rettungsschirm für die Bustouristik: Die mittelständischen Betriebe brauchen ein bundesweites finanzielles Soforthilfeprogramm zum Ausgleich der fahrzeugbezogenen Fixkosten seit dem Reisebusverbot.
    • Eine schnelle Perspektive für die Reisebusbranche: Die Aufhebung des Busreiseverbotes in Bayern muss bald erfolgen. Es gibt keinen infektionsschutzrechtlichen Grund, Reisen mit dem Bus weiter zu verbieten.  Hotellerie, Gastronomie und andere touristische Einrichtungen sind für ihren erfolgreichen Neustart auf Busreisegäste angewiesen.

    Entgegen ersten Planungen, soll nun am späten Nachmittag um 16:30 Uhr ein Gespräch zwischen der LBO-Verbandsspitze und dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger stattfinden, bei dem auch die Resolution der Busbranche übergeben wird. Auf der gerade laufenden Pressekonferenz hat sich Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bereits geäußert:

    „Die Reisebusse dürfen aus jetziger Sicht mit der Öffnung der Tourismusbranche am 30. Mai endlich wieder fahren.“ Er sehe die „sehr großen Probleme“ der Branche deutlich und hoffe, „dass die Betriebe diese Durststrecke noch überbrücken können“.

    Fortsetzung folgt ...

     

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