Rheinmetall: Laden am Bordstein

Der Düsseldorfer Technologiekonzern Rheinmetall hat auf der Fachkonferenz VDE E-Mobility Conference einen Ladebordstein vorgestellt

Unsichtbar, einfach installierbar und mit bis zu 22 kW Ladeleistung: Der "Ladebordstein" von Rheinmetall. | Foto: Rheinmetall
Unsichtbar, einfach installierbar und mit bis zu 22 kW Ladeleistung: Der "Ladebordstein" von Rheinmetall. | Foto: Rheinmetall
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Rheinmetall verlegt die Ladebuchse in den Bordstein: So fügt sich der öffentliche Ladepunkt kaum sichtbar ins Stadtbild ein. Und er löst weitere Probleme, die bisher auftraten: Denn er hat keinen großen Platzbedarf, kann an jedem Parkplatz „montiert“ werden, verändert das Bild der Stadtmöblierung kaum und kostet nicht so viel wie eine große Säule. Schon zu Beginn des Elektromobilität-Booms wussten viele Städte und Kommunen kaum, wie sie ausreichend Flächen zum Aufbau von Ladeinfrastruktur ausweisen und ertüchtigen können – entsprechend sieht der Masterplan Ladeinfrastruktur 2 der Bundesregierung vom Oktober 2022 hier starken Handlungsbedarf. Denn gerade im innerstädtischen Raum sind freie Flächen knapp, sodass die Errichtung neuer Infrastruktur sehr häufig nur auf Kosten anderer Stakeholder im Straßenraum möglich ist. Das Ausweichen auf größere (Schnell-) Ladeparks am Stadtrand kommt hingegen für viele Konsumenten insbesondere aus Zeit- und Kostengründen nicht in Frage. Damit droht die Gefahr, dass der Hochlauf der Elektromobilität in Ballungsräumen ins Stocken gerät, bevor dieser richtig angefangen hat.

Bis zu 22 kW Ladeleistung – und komplett in bestehende Backend-Systeme integrierbar

Dafür setzt die Rheinmetall-Entwicklung im Gegensatz zu anderen am Markt befindlichen Ladelösungen auf die Ertüchtigung und intelligente Nutzung vorhandener städtischer Infrastruktur. Durch Integration von Ladeelektronik in einen Bordstein wird dieser faktisch zur „Ladesäule“, ohne jedoch die für die anderen Verkehrsteilnehmer mit einer Ladesäule verbundenen Einschränkungen zu verursachen. Elektrofahrzeuge lassen sich so direkt am Bordstein laden, ohne lange Kabel über Gehwege legen zu müssen. Der modulare Ladebordstein ermöglicht bis zu 22 kW starkes AC-Laden und er kann per Open Charge Point Protocol (OCPP) in bestehende Backend-Systeme bzw. bereits vorhandene Ladesystemstrukturen integriert werden.

Bei der Entwicklung maß Rheinmetall der einfachen Nachrüstbarkeit und Wartung einen hohen Stellenwert bei. So ist es möglich, komplette Straßenzüge oder Parkplätze für die Integration von Ladebordsteinen vorzubereiten und eine spätere Skalierbarkeit zu ermöglichen. Durch die Vorbereitung respektive die Erschließung größerer Flächen lassen sich auch hinsichtlich Planung, Bewilligung oder Baumaßnahmen Synergien erreichen, um Installationskosten zu reduzieren.

Bedarf erst später? „Dummybordsteine“ als Platzhalter

Dafür können auch sogenannte „Dummybordsteine“ an den gewünschten Ladestandorten installiert werden. Das Elektronikmodul wird nachgerüstet, sobald der lokale Bedarf durch den Anstieg der Elektromobilität ausreichend hoch ist. Die Nachrüstung ist dabei in wenigen Minuten ausführbar – ebenso die Wartung, für die die Elektronikeinheit einfach entnommen werden kann. Die Systeme sind auf die Umweltbedingungen im Straßenraum ausgelegt, um eine möglichst lange Lebensdauer sicherzustellen.

Auch für das Laden zu Hause oder beim Arbeitgeber – bis hin zu Außenstellplätzen an Ein- oder Mehrfamilienhäusern oder an Geschäftsparkplätzen bringt das System die notwendigen Funktionalitäten mit, um dem Nutzer ein einfaches, schnelles und komfortables Laden zu ermöglichen.

Da Rheinmetall eine möglichst sichere Lösung zur Verfügung stellen will, werden die Systeme aktuell umfangreichen Langzeittests unterzogen, bevor diese erstmalig im Rahmen eines Pilotprojekts im öffentlichen Raum zum Einsatz kommen.

Was bedeutet das?

Manch gute Ideen liegen buchstäblich „auf der Straße“ – so wie die Ladebordsteine von Rheinmetall – deren einziger Nachteil die Verbeugung zu sein scheint, die sie beim Ein- und Ausstecken des Kabels erfordern. Eine geniale Idee – bitte umsetzen!

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