120 Jahre Von der Heydt-Museum Wuppertal

Rund 2.200 hochkarätige Gemälde, 500 Skulpturen und 700 Fotografien gehören zum Bestand, der in wechselnden großen Ausstellungen präsentiert wird.

Klassizistischer Bau mit großem Kunstbestand: das Von der Heydt-Museum Wuppertal. (Foto: Von der Heydt-Museum Wuppertal)
Klassizistischer Bau mit großem Kunstbestand: das Von der Heydt-Museum Wuppertal. (Foto: Von der Heydt-Museum Wuppertal)
Claus Bünnagel

Das 1902 gegründete Von der Heydt-Museum Wuppertal, damals noch städtisches Museum Elberfeld, wird in diesem Jahr 120 Jahre alt. Unter dem heutigen Namen zählt das Ausstellungshaus seit 1961 mit weltbekannten Werken der niederländischen Malerei und des 19. Jahrhunderts, mit Gemälden von Claude Monet, Vincent van Gogh, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Edvard Munch, Pablo Picasso, Max Beckmann und Francis Bacon zu den wichtigen, international renommierten Kunstinstituten Deutschlands. Die Sammlung des Museums umfasst Kunst vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Impressionismus, Expressionismus und die 1920er-Jahre bilden die Schwerpunkte. Rund 2.200 hochkarätige Gemälde, 500 Skulpturen und 700 Fotografien gehören zum Bestand, der in wechselnden großen Ausstellungen präsentiert wird.

Degas, Cézanne, Monet und Seurat

Die grafische Sammlung des Museums umfasst rund 30.000 Arbeiten auf Papier. Zu den herausragenden Werken gehören Zeichnungen, Pastelle und Aquarelle u.a. von Edgar Degas, Paul Cézanne, Claude Monet und Georges Seurat. Weitere Schwerpunkte bilden die Arbeiten der Expressionisten, u.a. Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Adolf Erbslöh sowie Oskar Schlemmer, Pablo Picasso, Lovis Corinth und Max Beckmann.

Im ehemaligen Rathaus

Das Museum befindet sich im Zentrum von Wuppertal-Elberfeld. Der klassizistische Bau (bis 1902 das Elberfelder Rathaus) wurde Ende der 1980er-Jahre grundlegend umgebaut. Seit seinen Anfängen im 19. Jahrhundert ist das heutige Von der Heydt-Museum vom Bürgertum der Städte Barmen und Elberfeld, die 1929 zu „Wuppertal“ verschmolzen, geprägt. Wenn das Museum heute über eine der reichsten Sammlungen Deutschlands verfügt, ist das in erster Linie den Wuppertaler Bürgern und ihrem Kunst- und Gemeinsinn zu verdanken. Trotz des verheerenden Aderlasses, den das Museum in der nationalsozialistischen Aktion „entartete Kunst“ hinnehmen musste, kann das Museum heute eine der überregional bedeutendsten Sammlung präsentieren. Besonders hervorzuheben als Stifter und Mäzene sind der Elberfelder Bankier August von der Heydt (1851-1929) und sein Sohn Eduard (1882-1964). Aus dankbarer Verbundenheit trägt das Museum seit 1961 den Namen der Familie Von der Heydt.

Große Schauen

Ein Schwerpunkt der Museumstätigkeit ist die Realisierung umfangreicher Sonderausstellungen. Schwerpunkte der Ausstellungstätigkeit ist die französische Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und die deutsche Malerei der Klassischen Moderne. Zu nennen sind hier die Ausstellungen zur Schule von Barbizon, zu Auguste Renoir, Claude Monet sowie zu Max Liebermann, Wassily Kandinsky, Max Slevogt, Lyonel Feininger, Hans von Marées, Pissarro, Manet, Degas und Rodin, zu Paula Modersohn-Becker, Oskar Schlemmer und zu „Brücke“ und „Blauer Reiter“. Die großen Wechselausstellungen gehen meist von Werkgruppen des eigenen Bestands aus und entwickeln darauf aufbauend eine große Bandbreite unterschiedlicher Ausstellungskonzepte mit nationalen und internationalen Leihgaben.

Kunstförderung in Wuppertal

Seit über 100 Jahren hat Kunstförderung in Wuppertal Tradition. Ende der 1920er-Jahre besaß der Barmer Kunstverein eine der bedeutendsten und angesehensten Sammlungen moderner Kunst in Deutschland. Der 1892 gegründete Museumsverein in Elberfeld strebte in Zusammenarbeit mit der Stadt ein repräsentatives Museum an. Im April 1948 schlossen sich die beiden Vereine zum Kunst- und Museumsverein (KMV) Wuppertal zusammen. Der Verein gehört mit mehr als derzeit 2.100 Mitgliedern zu den größten Kunstvereinen Deutschlands und unterstützt und fördert den Ausbau einer eigenen Sammlung im Von der Heydt-Museum. Gemeinsame Ziele des Museums und des Vereins sind die Erweiterung der Kunstsammlung und die Förderung der Kunst. Der Verein hat über die Jahre bedeutende Kunstwerke erworben, die die renommierte Sammlung des Museums als Dauerleihgaben bereichern. Er unterstützt die Ausstellungen des Museums.

Shop und Café

Außerdem betreibt der Kunst- und Museumsverein seit 1990 im Foyer des Von der Heydt-Museums einen Museumsshop mit mehr als 60 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Die Erträge des Museumsshops kommen der Arbeit des Museums zugute.

Auch das Museumscafé, genannt Muluru, bewirtet parallel zu den Öffnungszeiten seine Gäste. Muluru nannte Eduard von der Heydt den spektakulären „Museum-lunch-room“ in seinem privaten Museum im holländischen Badeort Zandvoort, wo sich in den goldenen 20er-Jahren das Who is Who der internationalen Politik- und Finanzwelt zum entspannten Gespräch in geselliger Runde traf. 1990 von dem weltbekannten Künstler Daniel Buren konzipiert und gestaltet, ist der Museum-lunch-room nach umfassender Renovierung heute wiedereröffnet.

Bibliothek mit 150.000 Bänden

Die Bibliothek des Von der Heydt-Museums Wuppertal ist mit einem Bestand von über 150.000 Bänden die größte Kunstbuchsammlung des Bergischen Landes. Sie ist wissenschaftliche Arbeitsbibliothek für Museumsbesucher, Kunsthistoriker, Journalisten, Pädagogen, Studenten sowie für alle kunstinteressierten Bürger. Der Bestand umfasst Bücher, CD-Rom, Videos, Zeitschriften und eine große Fülle von Kleinschriften und Sondermaterialien, die nicht im Buchhandel erhältlich sind.

Infos zu den aktuellen Ausstellungen: www.von-der-heydt-museum.de.

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