Smart City Bonn und Ströer testen naturbasierte Infrastruktur

Als erstes gemeinsames Projekt wurde die Begrünung des Wartehäuschens an der Haltestelle Bad Godesberg Bahnhof ausgewählt.

SWB-Geschäftsführerin Anja Wenmakers, Oberbürgermeister Ashok Sridharan (l.) und Ströer-CEO (Deutschland) Alexander Stotz vor dem begrünten Wartehäuschen an der Haltestelle „Bad Godesberg Bahnhof/Löbestraße“. (Foto: Ströer Media Deutschland)
SWB-Geschäftsführerin Anja Wenmakers, Oberbürgermeister Ashok Sridharan (l.) und Ströer-CEO (Deutschland) Alexander Stotz vor dem begrünten Wartehäuschen an der Haltestelle „Bad Godesberg Bahnhof/Löbestraße“. (Foto: Ströer Media Deutschland)
Claus Bünnagel

Unter dem Titel „Smart City Partnerstadt“ wollen die Bundesstadt Bonn und Ströer künftig zusammenarbeiten, um innovative und naturbasierte Lösungen zur Förderung der biologischen Vielfalt und im Umgang mit dem Klimawandel zu erproben. Das erste Kooperationsprojekt ist ein begrüntes Wartehäuschen an der Haltestelle Bad Godesberg Bahnhof/Löbestraße. Bei einem Pressetermin stellten Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Alexander Stotz, CEO Ströer Media Deutschland, gemeinsam mit SWB-Geschäftsführerin Anja Wenmakers das Projekt und die Partnerschaft vor. 

Innovative Infrastrukturlösungen

Die Bonner Nachhaltigkeitsstrategie sowie die Beschlüsse zum Klimanotstand und zur Klimaneutralität bis 2035 stehen stellvertretend für diese Entwicklungsperspektiven einer lebenswerten Smart City Bonn. 

Durch die Partnerschaft mit Ströer kann die Smart City Bonn innovative Infrastrukturlösungen erproben, die die Bausteine Biodiversität, Nachhaltigkeit und Digitalisierung miteinander verbinden und die Stadt noch lebenswerter, vielfältiger und grüner machen. (Ashok Sridharan)

Die Erprobung verschiedener innovativer, auf natürlichen Prozessen beruhender Projekte sind im Rahmen der Partnerschaft denkbar – von begrünten Litfaßsäulen über mit Moosen verkleidete Informationstafeln bis zu „Insektenstopps“ auf Wartehäuschen.

Die Bedeutung von ,Stadtmöblierung‘ im öffentlichen Raum wird in den nächsten Jahren weiter erheblich zunehmen und immer stärker Teil eines urbanen Systems – einer Smart City – sein. Diesen Prozess wollen wir möglichst nachhaltig begleiten. Als langjähriger Partner der Städte tragen wir insbesondere auch mit unseren digitalen Werbeträgern einen Teil zu einer urbanen Kommunikationsinfrastruktur bei. (Alexander Stotz)

Bepflanztes Wartehäuschen als Pilotprojekt

Als erstes gemeinsames Projekt wurde die Begrünung des Wartehäuschens an der Haltestelle Bad Godesberg Bahnhof ausgewählt. Dafür wurde der Fahrgastunterstand mit einer Drainageschaummatte aus recyceltem Material und einer Substratschicht aus Bimsstein ausgestattet und mit zwölf verschiedenen Sedum-Arten bepflanzt. Sedum gehört zu den Dickblattgewächsen und ist auch unter dem Namen „Fetthenne“ bekannt. Die dickfleischigen Blätter speichern Wasser und kühlen die Luft durch Verdunstung. Die verschiedenen Arten blühen zu unterschiedlichen Jahreszeiten, so dass das begrünte Dach bis spät in den Herbst Nahrung für Insekten liefern kann.

Das bepflanzte Wartehäuschen in Bad Godesberg besteht aus fünf Feldern, die jeweils etwa 60 l Wasser aufnehmen können, von denen wiederum 50 bis 70 % durch Verdunstung dem natürlichen Wasserkreislauf zugefügt werden können. Trotz Wasserspeicherung bleibt die Dachbepflanzung relativ leicht: Bei maximaler Wassersättigung wiegt sie nur etwa 50 kg/m2.

19 Haltestellen erfüllen die Kriterien

Gemeinsam mit den Stadtwerken untersuchte Ströer in den vergangenen Monaten, welche der insgesamt 420 Fahrgastunterstände im Bonner Stadtgebiet für eine Bepflanzung in Frage kommt. Dabei kommt es vor allem auf die statischen Gegebenheiten an. 19 bestehende Haltestellen erfüllen die Kriterien für eine nachträgliche Begrünung. Die Finanzierung der Begrünung des ersten Wartehäuschens als Pilotprojekt übernimmt Ströer. Stadt, Stadtwerke, Fahrgäste und Ströer können nun Erfahrung mit dem Produkt sammeln. Im Nachgang sollen dann weitere Umsetzungen geprüft werden.

Begrünte Haltestellen unterstützen den Umweltschutz vor Ort. Die Pflanzen dienen nicht nur als Wiese für Insekten, sondern filtern auch die Luft, nehmen Feinstaub auf und speichern Wasser, wodurch sie sehr pflegeleicht und nachhaltig sind. Hinzu kommt, dass sie im Sommer kühlenden Schatten für unsere Fahrgäste spenden und das Mikroklima positiv beeinflussen. Bepflanzte Haltestellen sind ein Farbtupfer im Stadtbild und werden sicherlich positiv auffallen. Zudem unterstützen sie die Artenvielfalt und helfen uns, die Bonnerinnen und Bonner für den Umweltschutz zu sensibilisieren. (Anja Wenmakers)

Bürger, die Interesse haben, ebenfalls zur Förderung der Artenvielfalt in der Stadt beizutragen, indem sie ein Dach oder eine Fassade begrünen, können künftig Fördergelder bei der Stadt beantragen und sich beraten lassen. Ein entsprechendes Förderprogramm hat der Rat kürzlich beschlossen und soll voraussichtlich Mitte 2021 starten.

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