gbk-Jahreshauptversammlung nimmt Politik in die Pflicht

Der Branchenverband hat auf seiner Jahreshauptversammlung am 25. April in Köln einen dringenden Appell an die Politik gerichtet – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Spritpreise müssen Busunternehmen von Steuern entlastet werden.

Vorstand und Geschäftsstelle informierten die gbk-Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung in Köln über die aktuellen Aktivitäten des Verbandes (v.l.): Jens Heinemann, Bülent Menekse, Vorsitzender Hermann Meyering, Philipp Hörmann, Silke Becker, Philipp Cantauw, Frank Krämer, Josef Weiermair und Geschäftsführer Martin Becker. (Foto: gbk)
Vorstand und Geschäftsstelle informierten die gbk-Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung in Köln über die aktuellen Aktivitäten des Verbandes (v.l.): Jens Heinemann, Bülent Menekse, Vorsitzender Hermann Meyering, Philipp Hörmann, Silke Becker, Philipp Cantauw, Frank Krämer, Josef Weiermair und Geschäftsführer Martin Becker. (Foto: gbk)
Martina Weyh

Der Ruf nach Steuerentlastungen für die umweltfreundliche Bustouristik, der gestern (25. April) auf der Jahreshauptversammlung der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) in Köln zu hören war, ist zwar nicht neu – gewinnt jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Spritpreisexplosion besondere Relevanz.

Der gbk-Vorsitzende Hermann Meyering verknüpfte die Forderung mit einem Appell an die Bundesregierung, „ihre klimapolitischen Ziele ernst zu nehmen und deshalb die Ampel für den sparsamen und klimafreundlichen Reisebus auf Grün zu schalten“.

Nachdem die Bustouristik in den vergangenen zwei Jahren von der Pandemie ausgebremst worden sei, scheitere ihr Neustart nach Ansicht von Meyering jetzt am Angriff Russlands auf die Ukraine.

„Die Angst vor einem Dritten Weltkrieg ist kein Boden, auf dem Urlaubspläne gedeihen können“, stellte der gbk-Vorsitzende fest. „Zumal die steigende Inflation die Verbraucher stark verunsichert“, betonte er auf der Mitgliederversammlung, zu der sich mehr als 60 Teilnehmer angemeldet hatten.

Nach den massiven Umsatzeinbrüchen während der Corona-Pandemie und einer Kostensteigerung für den notwendigen Kraftstoffzusatz AdBlue um das Fünffache innerhalb des vergangenen Jahres hält Meyering die Existenz der Busreiseveranstalter durch die derzeitigen Spritpreise für akut gefährdet.

„Deshalb fordern wir von der Bundesregierung, den Dieselkraftstoff für Busreiseveranstalter steuerfrei zu stellen.“

Weitreichendes Maßnahmenpaket von der Regierung gefordert

Von einer Ampelkoalition, die sich den Klimaschutz auf ihre Fahnen geschrieben hat, erwartet der gbk-Vorsitzende auch konkrete Unterstützung für seine Branche durch eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Busreisen, die beim Vergleich der Treibhausgas-Emissionen wesentlich besser abschneiden als der Urlaub mit Pkw und Flieger. Zudem könnten sparsame Reisebusse dazu beitragen, Deutschland von den Öllieferungen Russlands oder arabischer Machthaber unabhängiger zu machen.

Auch die Bewältigung der ökonomischen Folgen der Pandemie ist aus Sicht des Verbandes nur mit staatlichen Hilfsgeldern und einer Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis zum Jahresende zu schultern.

Herausforderung Personalmangel

Der Personalmangel ist eine weitere Herausforderung, der die Zukunft der Bustouristik bedroht. Abhilfe könnten z.B. der Abbau bürokratischer Barrieren schaffen, die jungen Menschen und Migranten den Zugang zum Beruf des Bus-Chauffeurs versperren. Ein weiteres Hemmnis ist die teure Fahrerausbildung – die mit einem Bafög-System aus öffentlichen Kassen finanziert werden sollte, lautet der Vorschlag aus dem Branchenverband.

Anteil klassifizierter Reisebusse steigt

Nach der Verbandsstatistik, die Geschäftsführer Martin Becker präsentierte, werden von den aktuell 372 gbk-Mitgliedern 756 Reisebusse klassifiziert. Mehr als die Hälfte dieser Fahrzeuge erfüllt den Vier-Sterne-Standard. Etwa ein Drittel trägt fünf Sterne. Der Anteil der Busse dieser höchsten Qualitätsstufe, die auch noch mit dem Zusatzprädikat „Superior“ ausgezeichnet werden, ist auf 5,5 % angestiegen.

Bei der Präsentation neuer Anzeigenvorlagen für den klassifizierten Bus ermunterte Becker die Busunternehmer, die hohe Qualität ihres Fuhrparks mit dem RAL Gütezeichen Buskomfort zu dokumentieren. Den Mehrwert einer gbk-Mitgliedschaft belegte er am Rahmenabkommen des Verbandes mit Michelin: Dadurch konnten Busreiseveranstalter beim Reifenkauf bis zu 1.500 Euro sparen.

Rahmenabkommen zur Kompensation von Treibhausgasen

Auch bei der Kompensation von Treibhausgasen können gbk-Mitglieder von Sonderkonditionen profitieren, die ihnen Fokus Zukunft beim Kauf von Zertifikaten für ein Wasserkraftwerk in Brasilien gewährt, und mit klimaneutralen Reisen oder klimapositiven Betriebshöfen werben.

Martin Becker verwies darauf, dass die gbk auf diese Weise die doppelte Menge ihres Kohlendioxid-Ausstoßes ausgleicht – einschließlich der Emissionen, die auf der Jahreshauptversammlung in Köln anfallen.

Busunternehmer engagieren sich in der Flüchtlingshilfe

Hermann Meyering lobte das soziale Engagement vieler Busunternehmer, die sich seit Beginn des Ukraine-Krieges in der Flüchtlingshilfe engagieren. Wolfram Goslich berichtete von seinen Einsätzen im Ahrtal nach dem verheerenden Hochwasser vom vergangenen Sommer. Auf seinen Hilfstransporten bringt der Coach ganze Lkw-Ladungen mit Brennholz und Baumaterialien in die zerstörten Regionen.

Hoher Infektionsschutz durch antivirale Filtersysteme

Jürgen Hippin von EvoBus erläuterte die Funktion leistungsfähiger Lüftungsanlagen und antiviraler Filter, die einen hohen Infektionsschutz im Reisebus bieten. Die Wirksamkeit dieser Systeme konnte in Zusammenarbeit mit unabhängigen Wissenschaftlern der Technischen Universität Berlin nachgewiesen werden.

Unterhaltsame Akzente zum Abschluss

Mit einer spritzigen Performance setzte Nicola Fritze zum Abschluss der Jahreshauptversammlung einen kreativen und unterhaltsamen Akzent. Dabei motivierte die psychologisch geschulte Trainerin und mehrfach ausgezeichnete Rednerin ihr Publikum mit interaktiven Experimenten, die eigenen Wahrheiten zu hinterfragen und sich nicht von Ängsten die Neugier auf Veränderungen nehmen zu lassen.

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