DRV-Umfrage: Reisebranche zu mehr als 96 % auf staatliche Hilfen angewiesen

Die Unternehmen fordern eine Verlängerung der Überbrückungshilfen, eine Anschlussregelung beim Kurzarbeitergeld und ein verlässliches Restart-Konzept.

Ohne Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld geht im Moment nichts bei Reiseveranstaltern und -büros. (Foto: Pixabay/geralt)
Ohne Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld geht im Moment nichts bei Reiseveranstaltern und -büros. (Foto: Pixabay/geralt)
Claus Bünnagel

Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Reiseverbands (DRV) zeigt sehr eindrücklich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie auf die Reisewirtschaft: 98 % aller befragten Reiseveranstalter und 96 % der Reisebüros geben an, dass sie die Coronahilfen der Bundesregierung nutzen. Die überwiegende Mehrheit der Befragten setzt dabei auf Überbrückungshilfen und das Instrument der Kurzarbeit, mit dem Arbeitsplätze auch während der Pandemie erhalten werden können. 450 Unternehmen der Reisewirtschaft haben an der DRV-Umfrage Ende April teilgenommen, mehrheitlich Reisebüros und Reiseveranstalter. 

Riesige Umsatzverluste auch für 2021 erwartet

Die überwiegende Zahl der Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, schätzt für das laufende Reisejahr die wirtschaftliche Situation als schwierig oder sehr schwierig ein. Weit über 90 % rechnen damit, weniger als 50 % der Umsätze aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 erzielen zu können. Mehr als zwei Drittel erwarten sogar weniger als 25 % und damit einen neuerlichen Umsatzverlust von mindestens 75 %. 

Eindeutig sind auch die Forderungen der Umfrageteilnehmer, was die Politik tun müsste, um das Überleben in der Coronapandemie zu sichern. An erster Stelle steht mit überwiegender Mehrheit ein sicheres Restart-Konzept: Das fordern 90 % der Reisebüros und 85 % der Reiseveranstalter. 

Weitere Ergebnisse

90 % der befragten Unternehmen erachten eine Verlängerung der Überbrückungshilfen für notwendig. Darüber hinaus halten mehr als zwei Drittel aller Reiseunternehmen eine Verlängerung des Kurzarbeitergelds für notwendig, um die Belegschaften zu halten. 

Fast alle an der Umfrage beteiligten Unternehmen haben Wirtschaftshilfen der Bundesregierung beantragt. Das unterstreicht einmal mehr, wie dramatisch die wirtschaftliche Situation in der Reisewirtschaft ist. Ein Ende der Coronapandemie ist aktuell noch nicht in Sicht. Bis das Reisegeschäft wieder auf einem annähernd normalen Niveau angekommen ist, wird es noch dauern. Die Reisewirtschaft braucht daher weitere Unterstützung und auch rasche Klarheit über die Rahmenbedingungen bei den Überbrückungshilfen und beim Kurzarbeitergeld – es stehen viele Existenzen und sehr viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. 

Reisebüros, Reiseveranstalter und die vielen anderen touristischen Unternehmen erwarten jetzt sehr rasch ein tragfähiges Restart-Konzept für die Reisewirtschaft. In UK sind beispielsweise Auslandsreisen ab Mitte Mai wieder möglich. Das zeigt wie auch die Öffnungsschritte in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern, dass verlässliche Restart-Schritte möglich sind. Was wir nicht brauchen, ist ein weiteres Urlaubsbashing aus den Reihen der Politik. Die organisierte Reise ist nicht Treiber der Pandemie, wie das Robert-Koch-Institut bestätigt hat. Das hat auch der Osterurlaub auf Mallorca gezeigt, der politisch ins Abseits gestellt wurde, obwohl sich gezeigt hat, dass die Inzidenzen auf den Balearen niedrig geblieben sind. 

Wir sind vor allem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier dankbar für das Bündel an Unterstützungsmaßnahmen, von denen viele auch speziell auf die Reisewirtschaft zugschnitten sind. Jetzt gilt es, auf den voraussichtlich letzten Metern der Pandemie politisch Kurs zu halten und die Instrumente passgenau für Reiseunternehmen fortzuführen und an einigen Stellen nachzubessern. Hier braucht es weiter eine kluge Politik. Es steht nicht weniger auf dem Spiel als die vielfältige, vor allem durch den Mittelstand geprägte Urlaubslandschaft. (DRV-Präsident Norbert Fiebig)

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