Experten kritisieren ÖPNV-Politik in Hessen

Fachtagung des Landesverbandes Hessischer Omnibusunternehmer in Berlin
Askin Bulut

Heute findet in Berlin die Fachtagung des Landesverbandes Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) statt, bei der es unter anderem auch um den Umgang in Hessen mit Verkehrsleistungen in ländlichen Gebieten geht, die zunehmend gestrichen werden. Durch das Ausdünnen von Verkehrslinien in der Fläche werde das Angebot für Pendler und Schüler im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) immer unattraktiver. Hessens Busunternehmer beraten deshalb (vom 13. bis 15. Februar) mit Experten über Mobilitätskonzepte der Zukunft.

Demographische Trends zeigen: Die Bevölkerung außerhalb von Ballungszentren nimmt ab. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen im ÖPNV. Im Gespräch mit Sören Bartol, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion für den Bereich Verkehr, machten Hessens Busunternehmer heute, 13.02.2014, deutlich, dass das Streichen von Fahrangeboten als Reaktion auf die nachlassende Zahl von Fahrgästen keine Lösung sei. Nach Auffassung von Verkehrsexperten bleibt der geplante Spareffekt für die kommunalen Auftraggeber aus. Mehr noch: Wenn kein Bus mehr nach irgendwo im Taunus oder im Odenwald fahre, sinke die Lebensqualität der Menschen dort erheblich. „Gerade in der Fläche aber sind Menschen auf ein ausreichendes Angebot an Fahrmöglichkeiten des ÖPNV angewiesen“, betont Karl Reinhard Wissmüller, Vorsitzender des LHO (Michelstadt).

Die Idee, Fahrgäste künftig in öffentlichem Auftrag von Paketdiensten oder Privatfahrern mitnehmen zu lassen, sehen die Busunternehmer kritisch. Wer eine Genehmigung zum Befördern von Personen erhalten will, muss hohe rechtliche und sicherheitstechnische Anforderungen erfüllen. Wissmüller empfiehlt den öffentlichen Auftraggebern statt des „leichtfertigen“ Streichens von Busverbindungen wieder mehr auf die lokale Kompetenz der örtlichen Verkehrsunternehmen zu setzen, um mit ihnen gemeinsam die Umlaufplanung der Buslinien zu optimieren.

Ein weiteres Thema, das auf der Tagesordnung stand war der Fernbusverkehr. „Mit dem Fernbus von Stadt zu Stadt ist eine preiswerte Alternative zu Flugzeug und Bahn. Leider hinkt die Infrastruktur in den Städten der großen Nachfrage hinterher“, so der Landesverband. Kaum eine Kommune habe dafür einen adäquaten Omnibusbahnhof. An vielen Haltestellen in den Zentren werde es eng und oft seien diese bereits durch den öffentlichen Personennahverkehr ausgelastet. Auch in Frankfurt, einem der wichtigsten Drehkreuze im Fernbusverkehr, verdeutlichte der LHO die Problematik.

Die meisten Städte würden nach Auffassung des LHO die Entwicklung im Fernbusverkehr unterschätzen. Mit Blick auf den weiteren Erfolg des Fernbusses seien Haltestellen in einem attraktiven Umfeld der Stadt nötig, die ein Mindestmaß an Komfort und Anbindung an den ÖPNV garantierten. Die Busunternehmen seien dabei bereit, sich über Stellplatzgebühren an den Kosten zu beteiligen, so der Verband weiter. „Um künftig einen reibungslosen Fernbusverkehr zu sichern, ist es unerlässlich, dass die Busbahnhöfe in den Städten zeitnah ausgebaut werden“, erklärt Karl Reinhard Wissmüller. Kommunen müssten erkennen, dass Busbahnhöfe auch Aushängeschilder seien und einen Beitrag zur Attraktivität leisten, ergänzte der Vorsitzende des Busunternehmerverbandes.

Der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) e.V. mit Sitz in Gießen vertritt die Interessen von etwa 170 privaten Omnibusbetrieben in Hessen, die im ÖPNV und im Gelegenheitsverkehr mit rund 2.500 Bussen unterwegs sind. Erster Vorsitzender des LHO ist Karl Reinhard Wissmüller (Michelstadt).

Mehr Informationen unter www.lho-online.com

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