Flammendes Kulturerbe: Lügder Osterräder laufen dieses Jahr nur online

Aufgrund der Corona-Beschränkungen kann die Traditionsveranstaltung im ost-westfälischen Lügde heuer nur im Internet erlebt werden.

Jahr für Jahr sind Tausende von Menschen dabei, wenn sechs brennende Riesenräder vom Lügder Osterberg ins Tal der Emmer rollen. (Foto: Dechenverein Lügde)
Jahr für Jahr sind Tausende von Menschen dabei, wenn sechs brennende Riesenräder vom Lügder Osterberg ins Tal der Emmer rollen. (Foto: Dechenverein Lügde)
Martina Weyh

Jedes Jahr an Ostersonntag pünktlich um 21 Uhr rollen zum Klang der Kirchenglocken die brennenden Osterräder vom Lügder Osterberg hinunter ins Tal der Emmer. Ausgerichtet wird die jahrhundertealte Brauchtumsveranstaltung, die seit 2018 zum Immatriellen Kulturerbe der UNESCO gehört, vom Dechenverein Lügde.

Der Osterräderlauf ist für die Einwohner von Lügde, die seit 2012 den offiziellen Titel „Stadt der Osterräder“ trägt, ein zentrales und stark identitätsstiftendes Ereignis, mit dem – unter breiter Beteiligung aller Generationen – der Frühlingsanfang gefeiert wird. Auch für Besucher aus nah und fern ist die Brauchtumsveranstaltung ein beeindruckendes Ereignis.

Jahrhundertealtes Brauchtum

Das Stroh, das in traditioneller Art und Weise in die Eichenräder eingeflochten wird, stammt aus einer eigens dafür angebauten alten langhalmigen Roggensorte. Teil der Brauchtumszeremonie ist die Ernte des speziellen Langhalmroggenstrohs mit historischen Maschinen und das gemeinsame Dreschen danach.  Dann werden die Räder fünf Tage lang in Fluss Emmer gewässert, um sie vor dem Verbrennen zu schützen und am Karsamstag aus dem Fluss geholt.

Der Ostersonntag wird mit einem Konzert des Spielmannszuges eröffnet und die Räder auf pferdebespannten Wagen durch die Stadt auf den Osterberg gezogen, wo sie kunstvoll gestopft werden. Wenn die einzelnen Räder mit Stroh und Balancierstange fertig vorbereitet sind, ertönt jeweils ein Kanonenschuss. Nach Einbruch der Dunkelheit werden sie dann eines nach dem anderen in Brand gesetzt und den Berg hinabgerollt.

In diesem Jahr ist alles anders

Angesichts der Corona-Epidemie wurde die Veranstaltung, die in Lügde bis auf das Jahr 1743 zurückzuführen ist und ihren Ursprung wahrscheinlich im heidnisch-germanischen Sonnenkult hat, zum ersten Mal in der abgesagt.

„Nicht einmal während des Zweiten Weltkrieges fiel der Osterräderlauf aus“, erzählt Uwe Stumpe, der erste Vorsitzende des Dechenvereins. „Gerade in schwierigen Zeit geben Traditionen Halt. Deshalb war es für uns undenkbar, dass die Osterräder 2020 nicht rollen.“

Der Osterräderlauf 2020 auf den Social-Media-Kanälen

Als Alternative geht der Osterräderlauf jetzt online. Punkt 21 Uhr am Ostersonntag rollen die Räder in einem eigens dafür hergestellten Film auf:

  • Youtube: „Osterraederlauf Luegde“
  • Facebook: „Osterraederlauf Luegde“
  • Instagram: „osterraederlauf_luegde“

Neben den Bildern des Räderlaufs 2019 ist darin auch aktuelles Material verarbeitet. Der Dechenverein Lügde hofft, dass viele Bürger aus ihren Fenstern heraus in das am Ende des Films zu hörende fast hundert Jahre alte Dechenlied einstimmen werden. Geschrieben hat es 1929 der Lügder Otto Vesting.

Darüber hinaus wird auf weitere sicht- und hörbare Signale des Räderlaufs in Lügde auch in diesem Jahr nicht verzichtet: Wie immer werden um 21 Uhr die Kirchenglocken von St. Marien läuten und das Osterkreuz in die Nacht leuchten.

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