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Fernbusmarkt: Deutsche Touring meldet Insolvenz an

Branchenpionier will Geschäft aber aufrechterhalten und umfassend sanieren.
Touring-Busse vor dem Maritim Hotel in Ulm: Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Miguel Grosser sind die Fortführung des Geschäftsbetriebs sowie der Ticketverkauf des Fernbuspioniers weiterhin gewährleistet. (Foto: Deutsche Touring)
Touring-Busse vor dem Maritim Hotel in Ulm: Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Miguel Grosser sind die Fortführung des Geschäftsbetriebs sowie der Ticketverkauf des Fernbuspioniers weiterhin gewährleistet. (Foto: Deutsche Touring)
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Anja Kiewitt

Nach fast 70 Jahren im Fernbusmarkt fällt eine der bedeutendsten Busgesellschaften Europas dem derzeitigen Preiskampf zum Opfer: Die 1948 gegründete Deutsche Touring GmbH, Betreiber von Eurolines in Deutschland, hat Insolvenz angemeldet. Auf diesem Weg will sich der Fernbusreise-Anbieter neu aufstellen, "um auch künftig in der von einem aggressiven Preiswettbewerb gekennzeichneten Branche weiter bestehen zu können", teilt das Unternehmen mit Sitz in Eschborn mit.

Betrieb soll weiter laufen

Einen ersten Erfolg konnte das Unternehmen zusammen mit dem vom Amtsgericht Frankfurt am Main bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter Miguel Grosser von der Kanzlei Jaffé Rechtsanwälte Insolvenzverwalter bereits erreichen: Es gelang, mit den in verschiedenen Pools zusammengeschlossenen Vertrags-Busunternehmen eine Einigung zu erzielen. Damit ist vorerst die reibungslose Fortführung einer Vielzahl von Buslinien sichergestellt, teilen die Partner mit. Die Fortführung des Geschäftsbetriebs, insbesondere an den zwei von der Deutschen Touring geführten Busbahnhöfen am ZOB Hannover (busplaner berichtete) und am Flughafen Stuttgart (busplaner berichtete), sowie der Ticketverkauf seien weiterhin gewährleistet.

Noch keine Prognose möglich

„Unser erstes Ziel ist die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs. Wichtig ist, dass der Ticketverkauf weiterlaufen kann und die Deutsche Touring vorerst voll handlungsfähig bleibt. Dazu brauchen wir die Mitarbeiter mit ihrer hohen fachlichen Kompetenz und die Unterstützung unserer Vertragspartner. Allerdings sind die Rahmenbedingungen für eine auf Dauer angelegte Sanierung im Insolvenzverfahren sehr schwierig. Wir haben jedoch bereits erste Kontakte zu potenziellen Interessenten aufgenommen. Ich kann aber noch keine Prognose abgegeben, ob und in welcher Form es gelingen kann, die Deutsche Touring zu erhalten“, so der vorläufige Insolvenzverwalter Miguel Grosser in einer ersten Einschätzung.

Drei Monate Insolvenzgeld gesichert

Positiv sei jedenfalls, dass das Unternehmen Löhne, Gehälter und Sozialversicherungsbeiträge auch für den Monat März noch gezahlt habe. Damit steht dem vorläufigen Insolvenzverwalter, den das Amtsgericht Frankfurt am Main auch mit der Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen der Gesellschaft beauftragt hat, der gesamte Insolvenzgeldzeitraum von drei Monaten zur Verfügung, um eine Möglichkeit zur Fortführung zu finden. Auch die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes ist bereits in die Wege geleitet, damit die Mitarbeiter die ihnen zustehenden Zahlungen auch weiterhin pünktlich bekommen.

900 Destinationen in 34 Ländern Europas

Die Deutsche Touring spielt auch eine führende Rolle im Eurolines-Verbund, der 1985 gegründet wurde. Mit 160 Abfahrtsorten in Deutschland und 900 Destinationen in 34 Ländern Europas ist das Streckennetz von Eurolines weit gespannt. Aktuell beschäftigt die Deutsche Touring 123 Mitarbeiter, davon rund 50 in der Zentrale in Eschborn, die übrigen an elf deutschen Niederlassungen wie den von ihr betriebenen Busbahnhöfen in Hannover und Stuttgart. Darüber hinaus gehören zur Deutschen Touring drei Tochtergesellschaften in Kroatien, Serbien und Tschechien mit weiteren 112 Mitarbeitern, die sich nicht im vorläufigen Insolvenzverfahren befinden. 2016 setzte die Deutsche Touring 32,1 Millionen Euro um, die Gruppe insgesamt 42,8 Millionen Euro. Die Nummer zwei im Fernbusmarkt hatte zuletzt noch einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Erst im Februar verkündete das Unternehmen eine Kooperation mit dem Wettbewerber DeinBus.de Betriebs-GmbH, Offenbach, um dem Marktführer FlixMobility GmbH, München, die Stirn bieten zu können (busplaner berichtete).

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