Baustart für Baden-Württembergs größten Solarpark

Die Projektpartner EnBW und SolNet kamen über das Solar Cluster Baden-Württemberg zusammen.

Solarpark in Denkingen bei Rottweil: Künftig braucht es viele solcher Freiflächenanlagen im Südwesten. (Foto: Plattform EE BW/Kuhnle&Knödler)
Solarpark in Denkingen bei Rottweil: Künftig braucht es viele solcher Freiflächenanlagen im Südwesten. (Foto: Plattform EE BW/Kuhnle&Knödler)
Claus Bünnagel
(erschienen bei VISION mobility von Claus Bünnagel)

Auf der Schwäbischen Alb entsteht derzeit der größte Solarpark in Baden-Württemberg. Die installierte Leistung wird 80 MW betragen – gut doppelt so leistungsfähig wie der bislang auf Platz eins stehende Solarpark im Ländle. Ab Mitte 2025 soll die 80 ha große Freiflächenanlage bei Langenenslingen pro Jahr rund 80 Mio. kWh Solarstrom erzeugen und damit rechnerisch den Bedarf von rund 30.000 Haushalten decken. Die Projektpartner kamen über den Branchenverband Solar Cluster Baden-Württemberg: der Projektentwickler SolNet, der die Verbindung zum Grundstückseigentümer und der Gemeinde aufbaute und deren Zustimmung eingeholt hatte, und die EnBW als späterer Eigentümer und Betreiber des Solarparks.

„Künftig braucht es noch mehr von solchen Erfolgsgeschichten“, sagt Solar-Cluster-Geschäftsführer Andreas Schlumberger.

Denn um die Klimaziele zu erreichen, sind jedes Jahr Solarparks mit einer Gesamtleitung von rund 1,4 GW erforderlich. Das sind 18 Solarparks in der Größenklasse, die die EnBW derzeit errichtet.

55.000 t CO2 vermeiden

Der Betrieb des Solarparks in Langenenslingen soll jährlich CO2-Emissionen in Höhe von rund 55.000 t vermeiden. Eine geeignete Fläche fanden die Partner bei der seit fast sechs Jahrhunderten ortsansässigen Familie der Freiherren von Stauffenberg. Zunächst waren nur 10 ha Fläche angedacht. Nach fruchtbaren Gesprächen wuchs die Projektfläche dann auf beachtliche 80 ha.

Historische Verbindung zwischen EnBW und Flächeneigentümer

Die Kooperation der EnBW mit den von Stauffenbergs passt auch aus einem historischen Grund gut zusammen: Der gleichnamige Großvater von Franz Schenk Freiherr von Stauffenberg hatte 1909 an der Gründung des Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke mitgewirkt. Aus ihr ging später die EnBW hervor.

So war es nur folgerichtig, dass die EnBW Partner bei dem Projekt wurde. Erste Gespräche zu dem Vorhaben fanden zwischen dem SolNet-Geschäftsführer Hans Pfisterer und Langenenslingens Bürgermeister Andreas Schneider bereits im Mai 2018 statt. Es folgten Gespräche mit den von Stauffenbergs sowie ein einstimmiger Beschluss des Ortschaftsrats für das Solarvorhaben. 2020, nach dem Treffen über das Solar Cluster, kam die EnBW als potenter Partner mit an Bord. Nach dem jetzigen Baubeginn soll es nur knapp eineinhalb Jahre dauern, bis die rund 150.000 Solarmodule installiert und an das Stromnetz angeschlossen sind.

Hürden mussten überwunden werden

Der Strom wird in das 110-kV-Hochspannungsnetz des Übertragungsnetzbetreibers Netze BW eingespeist. Um den Anschluss zu erhalten, mussten die Beteiligten mehrere Hürden überwinden: Nötig war eine gut 4 km lange Kabeltrasse sowie ein Bauplatz für das erforderliche Umspannwerk in der Nähe des Hochspannungsnetzes. Der Bauplatz musste zudem eine für Schwertransporte geeignete Zufahrt bekommen. Dies erwies sich aufgrund der kleinteiligen Zusammensetzung der Flurstücke rund um das Umspannwerk als echte Herausforderung. Der letzte der erforderlichen Verträge wurde erst eine Woche vor dem Spatenstich unterschrieben. Nun können die Bagger rollen, voraussichtlich Mitte 2025 kann die Inbetriebnahme des Solarparks gefeiert werden.

Was bedeutet das?

Für die Energiewende sind Solarparks unerlässlich: Rund ein Drittel der erforderlichen Photovoltaikanlagen muss auf freien Flächen errichtet werden. Zwischen Mannheim und Lindau sind aktuell rund 10,4 GW Photovoltaikleistung auf Dächern und im Freiland installiert. Bis 2040 müssen es laut Landesregierung 47 GW sein. Ein Drittel davon sind rund 13,5 GW, rechnet man die bereits bestehenden Solarparks heraus. Bis 2040, dem Jahr der anvisierten Klimaneutralität, braucht es also jährlich Solarparks mit einer installierten Gesamtleitung von rund 800 MW. Das sind zehn Solarparks in der Größenklasse, die die EnBW derzeit errichtet – oder 80 Solarparks, wenn man die herkömmlichen Größen eines Solarparks im Land betrachtet.

Doch auch das reicht nicht aus. Neuen Analysen des Solar Clusters Baden-Württemberg zufolge sind bis 2040 gut 70 GW installierte Photovoltaikleistung nötig – nicht nur 47 GW. Denn der Strombedarf steigt deutlich z.B. durch Elektromobilität und Wärmepumpen für Immobilien. Demnach müssten pro Jahr Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von insgesamt rund 4 GW errichtet werden, nicht nur gut 2,1 GW, wie die Landesregierung vorsieht. Die neuen Zahlen decken sich mit denen anderer Institutionen und Experten. So geht etwa der Netzentwicklungsplan der vier Übertragungsnetzbetreiber von 2,8 bis 3,5 GW erforderlichem Solarzubau pro Jahr allein in Baden-Württemberg aus. Letztere Zahl würde jedes Jahr Freiflächenanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt rund 1,4 GW nötig machen – das sind 18 Solarparks in der Größenordnung der neuen EnBW-Anlage.