Auf den Spuren von Brandenburgs Industriekultur

Wer sich für Industriekultur interessiert, dem erzählen Museen und Erlebnisorte von Erfindungsreichtum, Ingenieurskunst und heute vergessenen Arbeitswelten. Wir stellen fünf Ziele für Liebhaber von Industriekultur vor.

Der Eingangsbereich Ringofen des Ziegeleiparks Mildenberg. (Foto: Ziegeleipark Mildenberg/Yorck Maecke)
Der Eingangsbereich Ringofen des Ziegeleiparks Mildenberg. (Foto: Ziegeleipark Mildenberg/Yorck Maecke)
Franziska Neuner

Brandenburg ist das Land der Alleen. Zusammengerechnet sind die Baumstraßen hier fast 1.800 km lang – Rekord in Deutschland. Einige der malerischen Chausseen führen durch schöne Landschaften zu den Zeugen der Industriekultur.

Museumsfabrik Pritzwalk

Die Prignitz im Nordwesten Brandenburgs ist ein stilles Fleckchen in Deutschland. Über Landstraßen durch reine Luft und weite Landschaften gesäumt von stattlichen Laubbäumen – wie die L155 mit ihrer Allee aus Roteichen – erreicht man die Kleinstadt Pritzwalk. Hinter der roten Klinkerfassade einer ehemaligen Tuchfabrik und Brauerei befindet sich die Museumsfabrik Pritzwalk.

Auf über 1.500 m2 beleuchtet die Ausstellung, wie die Industrialisierung das Leben der Menschen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert prägte. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Uniformtuchfabrik Gebrüder Draeger und der Brauerei Schraube.

In einer Museumsdruckerei können Besucher das alte Handwerk des Sieb- und Buchdrucks erleben. Bis 14. April können Besucher noch die Sonderausstellung „Unterwegs. Lust und Last der Bewegung auf dem Lande“ historische Fahrzeuge besichtigen. Zur Einkehr lädt das Museumscafé ein.

Ziegeleipark Mildenberg

Im Ruppiner Seenland zwischen Naturparks und Alleenstraßen liegt das Zehdenicker Ziegeleirevier. In der Gründerzeit war es das größte in Europa. Rund 700 Mio. Ziegel verließen einst jährlich über die Havel die Region in Richtung der boomenden Metropole Berlin. Heute ist der Ziegeleipark Mildenberg ein beliebtes Ziel für Technik-, Tuning und Oldtimerfans. Bei einem Besuch folgt man hier den Spuren der Ziegelindustrie.

Im alten Ringofen wird die Geschichte der Ziegelherstellung erzählt. An Streichtischen unter den Trockenschuppen können Gäste selbst Ziegel formen. Mit der Feldbahn kann man das Museumsgelände erkunden, sich die alte Dampfmaschine vorführen lassen oder mit der Dampf- und Diesellok durch den Naturpark Uckermärkische Seen fahren. Hier laden Wiesen und Grillplätze Besucher zum Picknick ein.

Ofen- und Keramikmuseum Velten

Ebenfalls im Ruppiner Seenland – nicht weit von der Hauptstadt entfernt – befindet sich das Ofen- und Keramikmuseum Velten. Der Weg zur denkmalgeschützten Ofenfabrik A. Schmidt Lehmann von 1872 führt Fußgänger an der Westseite über eine Allee, die frühere Gleisstraße, in die Tonberge. Der direkte Weg für Auto und Bus führt zur Fabrikfassade und dem Haupteingang.

Ein Rundgang bringt Besuchende durch 300 Jahre Ofenkunst, Kultur- und Technikgeschichte des Heizens und zeigt das keramische Industrieerbe der Region. Historische Kachelpressen, die einst mit Holz oder Kohle befeuerten Brennkammern und der sogenannte Kachelelevator gehören bis heute zum Denkmal Ofenfabrik.

Schiffshebewerke Niederfinow

In der Nähe des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin befinden sich die Schiffshebewerke Niederfinow. Die Dimensionen sind imposant: 60 m hoch und 94 m lang ist das historische von 1934, 55 m hoch und etwa 130 m lang das 2022 neu eröffnete Hebewerk.

Beide Orte helfen Schiffen den Höhenunterschied zwischen Oder-Havel-Kanal und Oder zu überwinden. Mehrmals täglich kann man bei Führungen das neue Hebewerk erleben. Auch die historischen Schleusen, ein Dieselkraftwerk und Deutschlands älteste künstliche Wasserstraße, der Finow-Kanal, Anfang des 17. Jahrhunderts gebaut, können besichtigt werden. Fahrgastschiffe bieten Touren zu Wasser an.

Tabakmuseum Vierraden

Die im Barock angelegten Straßen in Schwedt in der Uckermark zählen zu den kulturhistorisch bedeutsamsten Alleen in Brandenburg. Sie verbinden die einstige Residenzstadt der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt mit den umliegenden Dörfern. Eine davon ist die Vierradener Chausee. Dort stellt ab Mai das Tabakmuseum Vierraden in einer denkmalgeschützten dreigeschossigen Trockenscheune den Anbau, Handel und die Verarbeitung im Unteren Odertal vor. Getrocknete Tabakpflanzen hängen hier noch an Leinen von der Decke. Historische landwirtschaftliche Maschinen wie eine Pflanzmaschine sowie ein Selbstbautraktor ergänzen die Schau. Ein Garten mit Teich lädt zum Picknick ein.