Mercedes-Benz, Getec, The Mobility House: Einsatzzeit von Second-Life-Großspeichern verlängert

Die zwei Anlagen in Lünen und Elverlingsen existieren seit 2016 und 2018. Sie können nun für weitere fünf Jahre Energie aus Fahrzeugbatterien vermarkten.

Über 2.000 Second-Life-Batteriemodule der beiden von Mercedes-Benz Energy entwickelten und gelieferten Großspeicher stehen mit 29 MW Leistung und 31 MWh Kapazität bereit, um das Stromnetz zu stabilisieren. (Foto: Daimler AG)
Über 2.000 Second-Life-Batteriemodule der beiden von Mercedes-Benz Energy entwickelten und gelieferten Großspeicher stehen mit 29 MW Leistung und 31 MWh Kapazität bereit, um das Stromnetz zu stabilisieren. (Foto: Daimler AG)
Franziska Neuner
(erschienen bei VISION mobility von Claus Bünnagel)

Die Mercedes-Benz-Gruppe, Getec Energie und The Mobility House verlängern den Lebenszyklus ihrer stationären Großspeicher aus Fahrzeugbatterien um weitere fünf Jahre. Die seit 2016 bzw. 2018 existierenden Anlagen in Lünen und Elverlingsen sind erneut für die Erbringung von Primärregelleistung (PRL) – der schnellsten und kritischsten Netzdienstleistung im Stromsystem – präqualifiziert worden. Über 2.000 Second-Life-Batteriemodule der beiden von Mercedes-Benz Energy entwickelten und gelieferten Speicher stehen somit auch zukünftig mit 29 MW Leistung und 31 MWh Kapazität bereit, um das Stromnetz zu stabilisieren.

Strenger Qualifizierungsprozess

Im Rahmen der Prüfung von stationären Batteriespeichern durch die Übertragungsnetzbetreiber müssen anspruchsvolle Kriterien erfüllt werden, um weiterhin im PRL-Markt tätig zu sein. Dazu zählen insbesondere die ausreichende Speicherkapazität sowie eine stabile und schnelle Anpassung der Leistung. Trotz ihres bereits fünfjährigen Einsatzes im Stationärspeicher sowie einer teilweise vorgelagerten Nutzung in Elektroautos haben die Batterien des Unternehmensverbunds diese anspruchsvolle Qualifizierung wieder bestanden. Die in diesem Zuge bestätigte stabile Speicherkapazität ist ein Nachweis für die geringe Alterung von Elektroautobatterien bei „richtiger“ Bewirtschaftung. Diese soll durch die Vermarktungs- und Betriebsalgorithmen von The Mobility House sichergestellt werden.

 

 

Netzstabilisierung und Wertschöpfung durch stationäre Anwendungen

Wenn ein Akku am Ende seiner Nutzungsdauer im Fahrzeug angelangt ist, verfügt er in der Regel immer noch über etwa 70 bis 80 % seiner ursprünglichen Kapazität. Diese noch beträchtliche Energiereserve eröffnet die Möglichkeit für ein ausgedehntes zweites Leben in einem stationären Batteriespeicher. Zudem können First-Life-Batteriemodule in stationären Anwendungen als Ersatzteillager „fit gehalten“ werden, bevor sie in Fahrzeugen verbaut werden. Dies ist nur mit innovativen Algorithmen und moderner Software möglich, die The Mobility House seit 2015 speziell für die Vermarktung von Elektroautobatterien entwickelt und kontinuierlich verfeinert hat. Seit kurzem übernimmt das Technologieunternehmen auch für Dritte die Vermarktung von Stationärspeichern an den europäischen Regelleistungs- und Energiemärkten inklusive u.a. eines Präqualifizierungsservices.

„Zusätzlich sammeln wir mit dem Betrieb der Second-Life-Batterien wertvolle Erfahrungen für die Entwicklung von bidirektionalen und vernetzten Ladeanwendungen für unsere Fahrzeuge: Zum einen haben wir gelernt, wieviel die Flexibilität von Batterien im Stromnetz wert ist, zum anderen wie widerstandsfähig sich die Batterien bei diesem Einsatz zeigen“, sagt Eva Greiner, Chief Technology Officer der Charging Unit der Mercedes-Benz Mobility AG.

Die Projektpartner

Die Partnerunternehmen decken mit den beiden Projekten die gesamte Batteriewertschöpfungs- und -verwertungskette ab: von der Herstellung und Aufbereitung der Batteriesysteme von Mercedes-Benz Energy bis zur Installation und Vermarktung des stationären Batteriespeichers an den Energiemärkten durch The Mobility House und Getec.