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12-Meter-Elektrobus mit neuer Ladetechnologie in Praxistest

Elektrobus soll mit induktivem Gelegenheitsladen 288 Kilometer am Tag im Linieneinsatz fahren
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Askin Bulut

In den Niederlanden soll erstmals ein 12 Meter langer elektrischer Bus getestet werden, der kabellos per Induktion aufgeladen wird. Grüner Strom soll den Elektrobus, einen umgerüsteten Volvo Dieselbus, lokal absolut emissionsfrei machen, mit dem passenden Strom-Mix sogar klimaneutral im Betrieb.

In das Projekt eingebunden sind neben der Stadt s‘Hertogenbosch (Den Bosch) sind fünf weitere Partner in das Projekt eingebunden: Bluekens Bus & Truck (Lieferung und Bau des Busses), Conductix-Wampfler (Lieferung und Errichtung der kabellosen Ladelösung), Heijmans (Einbau der Ladestation), Arriva (Fahrertraining und Busbetrieb) und Enexis (Anschluss des Ladesystems).

Die Ladetechnologie IPT (Inductive Power Transfer) sorgt dafür, dass der Elektrobus zuverlässig 18 Stunden lang im Einsatz sein und dabei 288 Kilometer am Tag fahren kann, ohne dass er länger zum Laden stehen bleiben oder in das Depot muss.

Das Projekt, das sich derzeit in der finalen Testphase des Fahrzeuges befinde, komme genau zum richtigen Zeitpunkt, denn ab 2014 gelten strengere Abgasnormen in der EU, erklärte Mathias Wechlin, Produktmanager Inductive Power Transfer IPT bei Conductix-Wampfler. Nutzfahrzeuge wie Busse müssen dann 80 Prozent weniger Stickoxide und 67 Prozent weniger Rußpartikel gegenüber der bisher geltenden Verordnung Euro 5 ausstoßen. Die Nachfrage nach klimaneutralen Fahrzeugen für den öffentlichen Nahverkehr sei bereits stark angestiegen. „Zwar gibt es ab 2013 vereinzelte Diesel- und Hybridbusse, die mit viel Aufwand (z.B. Abgasnachbearbeitung) den neuen Standard erfüllen, aber warum nicht gleich ganz CO2-neutral fahren? Elektrobusse sind im Betrieb wirtschaftlich attraktiv, da sie im Vergleich zu Dieselbussen nur einen Bruchteil der Energiekosten verursachen. Kombiniert mit der richtigen Ladetechnologie werden sie trotz noch höherer Anschaffungskosten in der mittelfristigen Total Cost of Ownership-Bilanz günstiger zu betreiben sein“, betonte Wechlin. Je nach Größe der Busflotte und Anzahl der Ladestationen amortisiere sich die Anschaffung eines induktiv geladenen Elektrobusses schon nach drei bis vier Jahren, so Wechlin weiter.

Inductive Power Transfer – kurz IPT – ist ein Energieübertragungssystem für elektrische Fahrzeuge, das durch magnetische Resonanzkopplung funktioniert. Das System besteht aus zwei Hauptkomponenten: einer Primärspule in der Straße, die über einen Einspeisekonverter mit dem Stromnetz verbunden ist, und Abnehmerspulen, die unter dem Fahrzeug angebracht werden. IPT setzt auf kurzes, aber regelmäßiges Laden während des Betriebs. Die Batterie wird über Nacht vollgeladen und tagsüber je nach Bedarf und Möglichkeit an entsprechend ausgewählten und ausgerüsteten Haltestellen in der Regel jeweils um 10 bis 15 Prozent nachgeladen, während die Passagiere ein- und aussteigen oder der Bus an Umsteige- oder Umkehrpunkten einen Aufenthalt hat.

"Herkömmliche" Elektrobusse werden fast ausschließlich über Nacht per Kabel geladen. IPT bietet die Möglichkeit für zusätzliche kabellose Gelegenheitsladungen tagsüber, was die Betriebszeiten um das bis zu Fünffache erhöhen kann: Statt vier Stunden kann ein Bus so über einen kompletten Betriebstag unterwegs sein, wenn eine entsprechende Ladeinfrastruktur zur Verfügung steht. Um einen 12-Meter-Elektro-Bus den ganzen Tag anzutreiben, wäre normalerweise eine sehr große Batterie notwendig, die den Bus teuer und schwer machen würde. Lädt man den Bus jedoch beim Ein- und Aussteigen der Passagiere oder anderen geeigneten Punkten kurz und schnell durch Induktion, könne er ggf. mit bis zu 75 Prozent kleineren Batterien auskommen.

In Italien würden nach Angaben von Wechlin bereits seit zehn Jahren 7,5-Meter-Elektrobusse erfolgreich mit IPT Charge eingesetzt. Jetzt wird erstmalig die berührungslose Energieübertragung bei einem 12-Meter-Linienbus getestet. Dies sei von besonderer Bedeutung, da sich der größte Teil der Busse, die heute in Europa eingesetzt werden, in der Größe 12 bis 14 Meter bewegt.

In den Niederlanden wird der Bus mit insgesamt 120 KW binnen Minuten an einer Haltestelle zwischengeladen. IPT zeichne sich durch besonderen Komfort und Sicherheit aus: Der Busfahrer überwacht den Ladevorgang bequem über einen Monitor im Fahrzeug-Cockpit. Stolper- und Stromunfälle, sowie Vandalismus und Metalldiebstähle seien bei der unsichtbaren Technologie von vornherein ausgeschlossen. Die höhere Verfügbarkeit der Fahrzeuge und die Möglichkeit ggf. mit reduziertem Speichervolumen auszukommen spräche, neben den geringeren Verbrauchskosten auf der Strecke, wirtschaftlich eine eindeutige Sprache. Ein umfangreiches Testprogramm werde jetzt nachweisen, dass der Bus alle üblichen Anforderungen an einen Bus dieser Größe erfülle und sicher und zuverlässig zu betreiben sei, teilte Wechlin mit.

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