ÖBB Postbus: Elektrisch betriebener Regionalbusverkehr im südlichen Weinviertel

Das österreichische Verkehrsunternehmen übernimmt ab Sommer 2022 den Betrieb für zwei Linien.

Ab Sommer 2022 werden die Fahrgäste im südlichen Weinviertel auch elektrisch unterwegs sein können. (Foto: ÖBB)
Ab Sommer 2022 werden die Fahrgäste im südlichen Weinviertel auch elektrisch unterwegs sein können. (Foto: ÖBB)
Claus Bünnagel

ÖBB Postbus setzt bereits seit einigen Jahren vermehrt auf alternative Antriebstechnologien. Nun wurde dem größten Busunternehmen Österreichs beim Vergabeverfahren „Linienverkehr E-Bus Schweinbarther Kreuz“ des Verkehrsverbundes Ost-Region (VOR) der Zuschlag für die Abwicklung des Linienverkehrs mit Elektrobussen für zumindest acht Jahre erteilt. Der Betrieb von 1,3 Mio. Angebotskilometern startet im Sommer 2022 mit elf E-Bussen und 27 Postbusfahrern. 

Die E-Bus-Ausschreibung im südlichen Weinviertel ist eine Premiere für uns im Land Niederösterreich. Wir starten damit in eine neue Ära des öffentlichen Verkehrs auf unseren Straßen. Die Bedeutung wird bewusst, wenn man weiß, dass 40 % des Öffi-Angebots in NÖ auf den Busstrecken erfolgt. Das Land Niederösterreich finanziert dieses Projekt und kann damit über die Region hinaus seine Themenführerschaft in Puncto umweltfreundlicher und klimafreundlicher Verkehr ausbauen. (Niederösterreichs Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko)

Damit schlagen VOR und ÖBB Postbus gemeinsam den Weg in Richtung Umsetzung der Clean Vehicle Directive ein und leisten Pionierarbeit beim Einsatz von emissionsfreien Antriebstechnologien. (ÖBB- Postbus-Vorstand Silvia Kaupa-Götzl)

Erste Ausschreibung für E-Busse in Niederösterreich 

Vor über einem Jahr wurde im nördlichen Niederösterreich im Bezirk Gänserndorf rund um Groß-Schweinbarth im Weinviertel die Regionalbahn eingestellt. Der für das Schweinbarther Kreuz bestellte Linienbusverkehr gewährleistet eine insgesamt wesentlich bessere regionale Erschließung der Region und wurde nun neu ausgeschrieben. Voraussetzung: Den Linienverkehr nicht wie bisher mit Dieselbussen, sondern mit batteriebetriebenen und damit vor Ort emissionsfreien Elektrobussen abzuwickeln. Für die Vergabe der Verkehre wurden verschiedene Kriterien zur Entscheidung herangezogen. Die Österreichische Postbus AG ging als Bestbieter hervor, überzeugte durch Qualität sowie Know-How und übernimmt ab Sommer 2022 den Betrieb für zwei Linien. 

Weniger CO2-Emissionen und Lärm

Alternative Antriebsformen sind in Zeiten des Klimawandels und im Sinne einer nachhaltigen und ökologisch vertretbaren Mobilität wichtiger denn je. Der Einsatz etwa von Elektro- oder Wasserstoffantrieb wird künftig bei Neuausschreibungen wichtiger Bestandteil der Leistung sein – sowohl für den Stadtbusverkehr als auch für den Betrieb von Regionalbuslinien. (VOR-Geschäftsführerin Karin Zipperer) 

Allein beim vorliegenden Projekt können durch den Einsatz von E- statt Dieselbussen jährlich rund 95 t CO2eingespart werden. Der E-Antrieb ist nicht nur frei von Schadstoffen wie Feinstaub, Stickoxiden oder Schwefeldioxiden, er ist auch deutlich leiser. Das bedeutet neben einer klimaschonenden Fahrt auch eine geringere Lärmbelastung für Fahrgäste, Fahrer und Anrainer der Busstrecken. 

Damit können wir im Auftrag des Lands Niederösterreich erstmals diese alternative Antriebstechnologie im Linienbusregelverkehr einsetzen und wertvolle Erfahrungen für eine zukünftige Weiterentwicklung unseres Mobilitätssystems sammeln. (VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll)

Das Projekt 

Beim aktuellen Projekt handelt es sich um ein öffentliches Verkehrskreuz, das die Bahnhöfe Gänserndorf, Wolkersdorf und Mistelbach miteinander verbindet. Der Linienbusverkehr wird dabei im dichten Taktverkehr im Stundentakt abgewickelt. Acht Busse werden auf den Linien 530 (Gänserndorf – Matzen – Wolkersdorf) und 535 (Gänserndorf – Schönkirchen – Kollnbrunn – Mistelbach) im Rundlauf unterwegs sein. Währenddessen werden bei zwei Bussen die Batterien unter Hochspannung in kaum 30 Minuten geladen, wodurch unproduktive Stehzeiten vermieden werden. 

Postbus: Mobilitätspartner im ländlichen Raum 

Der Postbus bringt jährlich mit seinen rund 2.300 Bussen ca. 210 Mio. Fahrgäste an ihr Ziel und fährt auch überall dort, wo es sonst keine öffentliche Anbindung gibt. Die Busse sind täglich in rund 1.800 Gemeinden unterwegs und sorgen damit für öffentliche Verbindungen im ländlichen Raum. 

Schon heute bringen die ÖBB als Mobilitätsdienstleister jährlich 474 Mio. Fahrgäste und 113 Mio. t Güter umweltfreundlich ans Ziel. Besonders klimaschonend sind die Bahnreisenden unterwegs. Denn 100 % des Bahnstroms stammen aus erneuerbaren Energieträgern. Die ÖBB gehörten 2018 mit rund 96 % Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Mit Investitionen in die Bahninfrastruktur von rund 2 Mrd. Euro jährlich bauen die ÖBB am Bahnsystem für morgen. Konzernweit 41.641 Mitarbeiter bei Bus und Bahn sowie zusätzlich rund 2.000 Lehrlinge sorgen dafür, dass täglich rund 1,3 Mio. Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG. 

Verkehrsverbund Ostregion – VOR 

Als größter Verkehrsverbund Österreichs vereint VOR alle öffentlichen Verkehrsmittel in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. VOR ist in diesen drei Bundesländern mit der Planung, Koordination und Optimierung des öffentlichen Verkehrs für jährlich rund 1 Mrd. Fahrgäste betraut. Zu den Kernaufgaben gehören die Tarif- und Fahrplangestaltung ebenso wie Kundenservice und die Vergabe von Verkehrsdienstleistungen. Sämtliche Regional- und Stadtbusleistungen sowie ein Teil der Schienenverkehrsleistungen werden in der Ostregion durch VOR beauftragt. Die Experten des Verkehrsverbundes sind auch über die Ostregion hinaus als Impulsgeber und Ansprechpartner für intelligente und intermodale Mobilität tätig.

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