Van Hool stellt A-Baureihe vor

Sie besteht aus vier Fahrzeugtypen mit 12 bis 24 m Länge und den Antriebslösungen Batterie, Brennstoffzelle und Oberleitung. Den Anfang macht der vollelektrische A12 Battery Electric.

In Paris vorgestellt: der Van Hool A12 Battery Electric. (Foto: Van Hool)
In Paris vorgestellt: der Van Hool A12 Battery Electric. (Foto: Van Hool)
Claus Bünnagel

Van Hool hat gestern zum Auftakt der Euro Mobility Expo 2022 in Paris den A12 Battery Electric vorgestellt. Das vollelektrische Bus ist das erste Fahrzeug aus einer neuen Modellreihe in vier verschiedenen Längen (12, 13, 18 und 24 m), die ausschließlich lokal emissionsfreie Antriebssysteme besitzt: Batterie, Brennstoffzelle und Oberleitung. Noch vor der offiziellen Ankündigung der A-Reihe konnte Van Hool bereits 13 Bestellungen über insgesamt 162 Busse verbuchen.

Das neue Innen- und Außendesign und die Entscheidung für drei unterschiedliche Antriebslösungen ergaben sich zum einen aus den internationalen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte und andererseits aus den Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf die öffentlichen Verkehrsbetriebe zukommen werden. (Filip Van Hool, CEO)

Gewichtseinsparungen

Bei der Konzeption und Entwicklung der neuen A-Reihe wurde vor allem auf das Gewicht, die Langlebigkeit und die Modularität der Busse geachtet. Gewichtseinsparungen in der Struktur wurden durch die Verwendung von hochfesten, korrosionsbeständigen (Duplex-)Edelstahlsorten, leichten Verbundwerkstoffen und langlebigen Verbundtechniken erreicht. So kommt der A12 Battery Electric auf ein relativ geringes Leergewicht von rund 13 t. Bei einer Nutzlast von 6,5 t könnten somit also bis zu 94 Personen befördert werden.

Auf dem selbsttragenden Sandwichdach des Busses wurde ein modulares Montagesystem für die Installation von Komponenten wie Batterien, Klimaanlagen und Steuerungssystemen angebracht. Die Nachrüstung, ein eventueller späterer Umbau und der Austausch gegen andere Komponenten wird dadurch erleichtert.

Aerodynamisch und hell

Kennzeichen der neuen A-Reihe sind die aerodynamische Bugform, die große Windschutzscheibe und LED-Scheinwerfer der neusten Generation mit Tagfahrlicht. Die große Scheibe im unverbauten Heck und die ebenfalls großen Seitenfenster sorgen für Helligkeit im Bus. Die große Heckklappe bietet einen benutzerfreundlichen Zugang zur Bustechnik. Für den Fahrer ist standardmäßig eine geschlossene Kabine nach VDV-Normen mit viel Stauraum vorgesehen.

Die Antriebstechnik

Angetrieben wird der vollelektrische, 12,23 m lange A12 von der Elektroportalachse ZF AxTrax AVE mit integriertem Radnabenantrieb in Form von zwei 140 kW starken Asynchronmotoren. Rekuperiert werden kann mit bis zu 240 kW Leistung. Der A12 Battery Electric besitzt bereits Batterien aus der neuen, dritten Generation von Akasol mit Rundzellen. Jedes Batteriepaket vom Typ 9 AKM 150 CYC besitzt eine Kapazität von 98 kWh. Bis zu fünf, davon vier auf dem Dach und eines im Heck, kann der A12 schultern. Somit stehen maximal 490 kWh bei einem Akkugewicht von ca. 2,8 t zur Verfügung. Nutzbar davon sollten ca. 392 kWh sein. Geht man von einem Maximalverbrauch von ca. 1,5 bis 1,7 kWh/km im Winter aus, dürfte somit eine Minimalreichweite von 230 bis 260 km möglich sein – und somit eine Abdeckung von mehr als 50 % der Linien in Deutschland. Geladen wird über den CCS2-Combostecker.

Das Thermomanagement

Für eine erhöhte Reichweite sorgt die Wärmepumpe an Bord vom Typ Aurora Borealis 2.0. Sie wird mit rund 3 kg des Kältemittels R407C betrieben, einer Mischung aus R134a (52 %), R125 (25 %) und R32 (23 %). Es besitzt allerdings einen hohen GWP-Wert von 1.774. Als Alternative könnte mittelfristig Propan (R290) in einer Menge von ca. 1,5 kg und einem GWP von 3 zum Einsatz kommen. Die Heizleistung der Borealis 2.0 im Innenraum beträgt 20 kW bei –7°C, die Kühlleistung 23 kW. Integriert im Gerät ist eine HV-Zusatzheizung mit 15 kW, die als Stromfresser mehr noch als die Wärmepumpe selber Reichweite kostet. Für den Fahrer steht eine Kühlleistung von 6 kW zur Verfügung; mit dem optionalen zusätzlichen Klimagerät Aurora Bora DC kann diese um weitere 6 kW gesteigert werden. Die Heizleistung der Wärmepumpe für den Fahrerplatzbereich beträgt 5 kW – plus 5 kW elektrischer Heizleistung. Verbaut im Fahrzeug sind die Fußbodenheizungen Aurora Puma 2.0 und Bonito MC. Zur Reichweitensteigerung kann auch Zusatzheizgerät Valeo Thermo 300 plus zum Einsatz kommen, z.B. betrieben mit umweltfreundlichem HVO.

Die Ausstattung

Konfiguriert werden kann das Fahrzeug als Zwei- oder Dreitürer, jeweils mit elektrischen Ventura-Türen. Eine Knorr ELC sorgt für die elektronische Niveauregulierung. Als Fahrgastsitze sind z.B. Kiel Ideo 30 bei maximal 41 Plätzen möglich. Der Fahrersitz vom Typ 6860/885 NTS 2 stammt von Isri. Die Seitenscheiben sind doppelverglast. Eine manuelle Rollstuhlrampe an Tür 2 ist ebenso verbaut wie eine Brandmeldeanlage von Kidde. Zur Sicherheits- und Assistenzausstattung an Bord zählen ESP, Bremsasistent, AVAS und elektronische Feststellbremse.

Bestellungen über 162 Busse

Noch vor der offiziellen Präsentation der A-Reihe gingen bei dem Unternehmen in Koningshooikt bereits 13 Bestellungen über insgesamt 162 Busse ein:

  • 67 batterieelektrische A13 für Tide, Aalborg (DK)
  • 36 batterieelektrische A12 für De Lijn, Flandern (B)
  • 19 batterieelektrische A12 für Subunternehmer von De Lijn, Groep Waaslandia (B), De De Decker, Van Riet (B), Parmentier (B)
  • 2 A12-Brennstoffzellenbusse für die Fahma GmbH, Hofheim am Taunus (D)
  • 4 A12-Brennstoffzellenbusse für Pau (F)
  • 14 A12-Brennstoffzellenbusse für Réseau Astuce, Rouen (F)
  • 7 A12-Brennstoffzellenbusse für SMTC90, Belfort (F)
  • 7 A12-Brennstoffzellenbusse für Lorient (F)
  • 6 A12-Brennstoffzellenbusse für Eberswalde (D)

Über Van Hool

Van Hool feiert in diesem Jahr sein 75. Unternehmensjubiläum (1947-2022). Die Belgier haben bereits über 1.400 elektrisch angetriebene Linien- und Reisebusse in verschiedenen Ausführungen mit Batterie-, Hybrid-, Wasserstoff- und Oberleitungsantrieb abgesetzt. Ende 2020 lieferte Van Hool den ersten von zehn vollelektrischen Reisebussen vom Typ CX45E mit Ladeinfrastruktur in die USA aus. Inzwischen wurden von diesem Bustyp 22 Exemplare verkauft. Jüngst wurde der TDX25E lanciert: der weltweit erste vollelektrische Doppeldeckerreisebus. Van Hool beschäftigt weltweit mehr als 3.500 Mitarbeiter, die meisten davon an den Produktionsstandorten in Koningshooikt (Belgien) und Skopje (Nordmazedonien).

Printer Friendly, PDF & Email