Ungarn: Credobus wird elektrisch

Electronell heißt die neue Elektrobusmodellreihe, die der ungarische Credobus-Muttergesellschaft Kravtex-Kühne-Group im kommenden Jahr auf den Markt bringen will –  die Stromer made in Ungarn sollen 1,5 bis 3 t leichter sein als ihre europäischen Konkurrenten und mit im Vergleich 25 % weniger Batterievolumen die gleiche Reichweite erzielen können.

Der ungarische Bushersteller Credobus steigt mit seinem ersten Stromermodell Electronell im kommenden Jahr in den hart umkämpften europäischen Elektrobusmarkt ein. (Foto: Credobus/ Kravtex-Kühne-Group)
Der ungarische Bushersteller Credobus steigt mit seinem ersten Stromermodell Electronell im kommenden Jahr in den hart umkämpften europäischen Elektrobusmarkt ein. (Foto: Credobus/ Kravtex-Kühne-Group)
Martina Weyh

Der ungarische Bushersteller Credobus bereitet sich auf die Einführung seines ersten batterieelektrischen Busmodells mit Namen Electronell im kommenden Jahr vor. Die Electronell-Baureihe wurde auf dem 53. Bus-Expertentreffen in Zsámbék von Imre Szombath, Generaldirektor der Kühne Zrt. und Chefdesigner der Busfamilie vorgestellt und soll die Mobilitätswende im ungarischen ÖPNV entscheidend nach vorne bringen. 

Nach Angaben der Muttergesellschaft von Credobus, der Kravtex-Kühne-Group, wird die Electronell-Modellfamilie eine elektrifizierte Version der Econell Next-Serie sein, die für ihr leichtes Design bekannt ist.

Details

Der Electronell wird in zwei Varianten angeboten: als 12-Meter-Solobus und als 18-Meter-Gelenkbus, beide mit fortschrittlichen Akasol- (jetzt BorgWarner-) Batterien (NMC3) und dem Voith VEDS-HD-Antriebssystem, das 310 kW Dauerleistung, 410 kW Spitzenleistung und 3.100 Nm Drehmoment liefert.

Die ungarischen Stromer, sollen 1,5 bis 3 t leichter sein als ihre europäischen Konkurrenten und mit im Vergleich 25 % weniger Batterievolumen die gleiche Reichweite erzielen können. Die ungarischen E-Busse verfügen über einen niedrigen Einstieg, der den Fahrgästen einen bequemen und barrierefreien Zugang ermöglicht.

In Ungarn entwickelt und gefertigt

Die Rahmenkonstruktionen und Metallteile der Busse werden nach Angaben des Unternehmens in Mosonmagyaróvár hergestellt, die Montage erfolgt in der Busfabrik der Unternehmensgruppe in Győr. Zum ungarischen Portfolio gehören neben der selbsttragenden Rahmenkonstruktion auch Fahrgestelle, Windschutzscheiben und Seitenscheiben, Kunststoffverkleidungselemente, Kunstböden und „Hunderte anderer Teile“.

Batteriepacks

Der Electronell verfügt über ein 294-kWh-Batteriepaket für das Solomodell und eine 392-kWh-Batterie für die Gelenkbusversion. Zwei Module sind unter dem Boden im hinteren Fahrgastbereich angebracht, ein weiteres Modul ist auf dem Dach über der Vorderachse montiert. Die Stromer sollen innerhalb von zwei Stunden vollständig aufgeladen werden können, die Reichweite für den E-Solo schätzt Credobus nach eigenen Angaben auf 300 km.

Markteinführung in der ersten und zweiten Jahreshälfte 2024

Credobus plant die Electronell-Markteinführung kommendes Jahr – für die Solo-Version in der ersten Jahreshälfte, für die Gelenkvariante in der zweiten Jahreshälfte.  Die ungarischen Stromer werden die Anforderungen der UNECE-Vorschrift 66.02 zum Überrollschutz erfüllen.

Modernste Assistenzsysteme an Bord

Gemeinsam mit ZF-Wabco arbeitet das Unternehmen an der Entwicklung von Cyberschutz- und fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen (ADAS) im Einklang mit den GSR-Vorschriften (General Vehicle Safety Regulation) der Europäischen Union über die allgemeine Fahrzeugsicherheit, wobei ein umfassender Ansatz für Sicherheit und Technologieintegration im Vordergrund steht – mit an Bord u.a. ein Radar- und Kamerasystem, das aktiv eingreift, um das Fahrpersonal bei drohenden Unfällen zu unterstützen, Notbremsassistent (mit Fußgänger- und Radfahrerschutz, Notbremssignal), intelligenter Tempomat (mit Verkehrszeichenerkennung, Fahrzeugverfolgung), Toter-Winkel-Überwachung, Rückfahrsensor, Reifendrucküberwachung, Alkoholsperre und vollständiger Cyberschutz.

Die Gesamtkosten für die mit 400.000.000 HUF (rund 1.057.000 Euro) aus dem NRDI-Fonds geförderte Elektrobusentwicklung gibt das Unternehmen mit 1.094.656.891 HUF (rund 2,9 Mio. Euro) an.

Weitere Infos zum ungarischen E-Busmodell Electronell gibt es unter: https://credobus.hu/modellvalasztek/electronell/#bemutatkozas