2. HUK-Coburg-Mobilitätsstudie: Individuelle Fortbewegung hat die Nase vorn

Zum zweiten Mal in Folge hat der Versicherer mehr als 4.000 Personen ab 16 Jahren repräsentativ und zeitgleich in allen 16 Bundesländern zu Mobilitätskonzepten der Zukunft befragt.

Ideal für die Umwelt wäre eigentlich der Verzicht aufs Auto – doch laut HUK-Studie will die Mehrheit der Deutschen genau das nicht – liebäugelt jedoch für die Zukunft immer mehr mit dem Kauf eines Elektroautos. (Grafik: HUK-Coburg)
Ideal für die Umwelt wäre eigentlich der Verzicht aufs Auto – doch laut HUK-Studie will die Mehrheit der Deutschen genau das nicht – liebäugelt jedoch für die Zukunft immer mehr mit dem Kauf eines Elektroautos. (Grafik: HUK-Coburg)
Martina Weyh

Die HUK-Coburg-Mobilitätsstudie 2022 bringt es an den Tag: Die Deutschen sind erklärte Autofans und wollen auch zukünftig vor allem individuell unterwegs sein – Konzepte, die einseitig auf Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn setzen, werden mit großer Skepsis betrachtet.

Zum zweiten Mal in Folge hat der Versicherer HUK-Coburg online mehr als 4.000 Personen ab 16 Jahren repräsentativ und zeitgleich in allen 16 Bundesländern zu Mobilitätskonzepten der Zukunft befragt. 

Zwei Drittel der Befragten waren nach Angaben des Versicherers der Ansicht, dass das Auto sowohl heute wie in Zukunft mit Abstand am besten ihre Anforderungen erfüllt – gerade auch nach den Corona-Erfahrungen. Selbst in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg ist die Mehrheit der Bevölkerung dieser Meinung, vermeldet der Versicherer und gibt als Grund dafür vor allem die rasant steigende Beliebtheit von Elektroautos an.

„Für die Mehrzahl der Deutschen ist das alleinige Zurückdrängen des Autos keine zielführende Zukunftsstrategie – auch nicht in den Städten. Favorisiert wird der Umstieg auf Elektro- oder andere CO2-freie Antriebe verbunden mit der Forderung nach einer deutlichen Kostensenkung für erneuerbare Energien“, resümiert Jörg Rheinländer, Vorstand bei der HUK-Coburg.

Sorge vor steigenden Mobilitätskosten

Ihren zentralen Wunsch nach individuell und flexibel nutzbaren Verkehrsmitteln sehen die Deutschen laut Studie durch steigende Kosten stark gefährdet. Jeder zweite Befragte sieht die größte Gefahr bei zukünftigen Mobilitätskonzepten darin, dass sie die Kosten der Mobilität weiter verteuern (48 %). Jeder dritte Befragte glaubt, dass beim Umstieg auf Elektromobilität steigende Strompreise und ein verknapptes Strom-Angebot nicht genügend Beachtung finden (34 %). Nur halb so vielen (18 %) macht ein zu geringer Umweltschutz Sorgen – ein Drittel weniger als im Vorjahr (27 %). Deutlich davor liegen jetzt Ängste vor einer „zu starken öffentlichen Bevormundung“ (23 %), „zu einseitigem Forschen nur in vorgegebene Richtungen“ und dem „Verlust an Individualität und Selbstbestimmung bei der Wahl von Fortbewegungsmitteln“ (je 22 %). 

Elektroautos werden immer beliebter

Grundsätzlich sind die Deutschen nicht gegen eine ökologische Verkehrswende. So folgt ihrem Hauptwunsch nach bezahlbaren bzw. sinkenden Mobilitätskosten (49 % bzw. 37 %) auf Platz 3 der Wunsch nach CO2-Freiheit im Verkehr (26 %). Das Elektroauto wird dabei mit Abstand am positivsten beurteilt. Jeder fünfte Befragte sieht es bereits als das ideale Fortbewegungsmittel der Zukunft. Das sind rund doppelt so viele wie die, die Bus oder S-Bahn für ideal halten. Hier stagnieren die Zustimmungswerte im Vergleich zu heute.

Auch der Zug wird im Voting vom E-Auto zukünftig klar überholt. Für jeden fünften Befragten kommt nur noch ein reines E-Auto in Frage, bei den unter 40-Jährigen für jeden Vierten. In Berlin sind es sogar 28 % (Vorjahr 19 %), die sich bei einem zukünftigen Kauf für ein Elektroauto entscheiden wollen.

Allerdings: In mehr als jedem dritten Fall, wo Befragte in den vergangenen zwölf Monaten einen Autokauf wegen zu langer Lieferzeiten verschoben haben, handelte es sich um ein Elektroauto. 

Mobilitätsentwicklung der letzten Jahre wird kritisch gesehen

Laut Studie stellen die Deutschen der Mobilitätsentwicklung in den letzten fünf Jahren ein schlechtes Zeugnis aus. Ob bei Kosten, Schnelligkeit, Flexibilität, Hygiene, Organisierbarkeit und auch CO2-Freiheit: In keinem der zehn von der HUK-Studie abgefragten Bereiche wird mehrheitlich eine Entwicklung zum Besseren festgestellt.

„Bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte wünschen sich die Bürgerinnen und Bürger von den Verantwortlichen einen ergebnisoffenen Umgang mit neuen Lösungen und vor allem auch die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse. Das gilt besonders für die Älteren. Die Jüngeren zeigen sich offener“, so der HUK-Coburg-Vorstand.

Am stärksten negativ wird die Entwicklung bei Kosten und Bezahlbarkeit für alle Bevölkerungsgruppen gesehen. Dabei falle das Fazit der über 40-Jährigen besonders hart aus.

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