TMH/Renault/Fenecon: Stationärer 40-Fuß-Speicher aus EV-Akkus

Mit der industrialisierbaren Lösung eines 2,88 Megawatt-Containers will ein Konsortium das Thema Stromspeicher und "second life"-Nutzung von Fahrbatterien vorantreiben. Hohe Flexibilität und niedrige Kosten.

Neue Speicher braucht das Land - und die Energiewende: In Kooperation entstand das Projekt eine 2,88 MW-Speichers auf Basis eines 40-Fuß-Containers. | Foto: Screenshot
Neue Speicher braucht das Land - und die Energiewende: In Kooperation entstand das Projekt eine 2,88 MW-Speichers auf Basis eines 40-Fuß-Containers. | Foto: Screenshot
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Unter Federführung des Münchener E-Mobilitätssystemspezialisten The Mobility House (TMH) haben der Autohersteller Renault und der Stromspeicherspezialist Fenecon eine industrialisierbare Lösung für mobile Energiespeicher auf Basis augedienter Fahrbatterien vorgestellt. Diese soll hohe Flexibilität mit niedrigen Kosten kombinieren. Der "Fenecon Industrial 40-Fuß-Container" nutzt gebrauchte Batterien von Elektroautos und bündelt diese zu einem flexiblen Zwischen- und Pufferspeicher. Durch den modularen Aufbau aus 72 geclusterten Einzeleinheiten ließen sich defekte Batterieelemente leicht austauschen, wie Franz-Josef Fellmeier von Fenecon skizziert. Auch der standardisierte Aufbau mit immer gleichen Kabellängen und Serienkomponenten wie dem Wechselrichter aus dem PV-Bereich soll sich das System rentabel und skalierbar industrialisieren lassen. Zudem hat man für die flexible und ortsunabhängige Aufstellung der Container einen Diebstahlschutz integriert und diese robust und vandalismussicher ausgelegt. Eine ausgeklügelte Software im Master-Slave-Verfahren steuert das System und schafft eine Anbindung an das Stromnetz.

Grundsätzlich forderten die beteiligten Experten wie etwa Dirk Uwe Sauer von der RWTH Aachen bei einem digitalen Roundtable einen Paradigmenwechsel von der Erzeugungs- auf die Speicher- und Verbraucherseite. Der Professor sieht ein riesiges Potenzial in Autos als Speicherelement, das zudem für das Energiesystem kostengünstig und leicht zugänglich seien. Er sieht zudem eine gewaltige Entwicklung in Sachen Haltbarkeit und Ladezyklen bei den Akkus, die mittlerweile in Garantien von mehreren 100.000 bis zu einer Million Kilometer reicht.

Generell seien Speicher im regulatorischen Rahmen jedoch noch überhaupt nicht definiert und vorgesehen, aber dringend notwendig, für die Energie- und Verkehrswende, wie Urban Windelen vom Bundesverband Energiespeicher ausführte. Er sieht die Speicher als vierte Säule im Energiesystem und als flexibles "Schweizer Taschenmesser". Man müsse dringend den regulatorischen Rahmen anpassen, um diese zur Geltung zu bringen. Speicher seien für die drei wesentlichen Ziele Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung unabdingbar, sei es als Containerspeicher oder sogar im Fahrzeug selbst. Als gigantischen Speicher sieht Robert Hienz von The Mobility House die Flotte an stehenden und parkenden Elektroautos. Zudem könne man auch Speicher wie die Containerlösung zur Abfederung lokaler Stromüberschüsse verwenden, ohne aufwändige Leitungsinfrastruktur schaffen zu müssen.

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