Projekt TEMPUS: Stadtbus-Platoon für München

Für die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit rund 12 Mio. Euro geförderte Studie (Laufzeit zweieinhalb Jahre) soll ein urbanes Testfeld für automatisierte und vernetzte Fahrzeuge im Norden von München errichtet und betrieben werden.

Beim Platooning sind die Fahrzeuge über eine „elektronische Deichsel“ miteinander verbunden und können so leicht geteilt und wieder verbunden werden. (Grafik erstellt mit CarMaker von IPG)
Beim Platooning sind die Fahrzeuge über eine „elektronische Deichsel“ miteinander verbunden und können so leicht geteilt und wieder verbunden werden. (Grafik erstellt mit CarMaker von IPG)
Martina Weyh

Anfang dieses Jahres ist der Startschuss für das Projekt TEMPUS „Testfeld München – Pilotversuch Urbaner automatisierter Straßenverkehr“ gefallen. Projektpartner sind u.a. das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Stadtwerke München (SWM) und der niederländische Elektrobusbauer EBUSCO. Gefördert wird TEMPUS vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren mit rund 12 Mio. Euro. Die Federführung liegt im Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München.

Für die realitätsnahe Erprobung von automatisierten und vernetzten Fahrzeugen im realen Verkehrsgeschehen errichten und betreiben die Landeshauptstadt München und der Freistaat Bayern ein urbanes Testfeld für automatisierte und vernetzte Fahrzeuge im Norden der bayerischen Landeshauptstadt.

Darum geht es

Elektrisch und automatisiert fahrende Busse könnten den Personennahverkehr sicherer und effizienter machen.

Das Problem: Gelenkbusse oder solche mit Personenanhänger brauchen zu viel Energie und sind nicht flexibel genug einsetzbar, um auf stark schwankende Fahrgastzahlen reagieren zu können.

Die Lösung: Platooning. Dabei fahren mehrere Fahrzeuge mittels elektronischer Steuerung in engem Abstand hintereinander. Diese Kolonnen können beliebig an den jeweiligen Bedarf angepasst werden.

„Beim Platooning muss nur das vorderste Fahrzeug durch einen Fahrer gesteuert werden, alle nachfolgenden können diesem automatisiert folgen“, erläutert Prof. Eric Sax, Leiter des Instituts für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) am KIT.

Verbunden sind die Einheiten der Formation dabei nicht physisch, sondern nur informationstechnisch. Die „elektronische Deichsel“ könne leicht entkoppelt und Platoons somit unkompliziert geteilt und wieder verbunden werden.

„Durch Platooning können wir den Busbetrieb optimal an den Bedarf je nach Tageszeit oder Linie anpassen – besonders im städtischen Umland“, sagt Dr. Svenja Reiß von den Stadtwerken München (SWM). „Da sich die Platoons teilen und verbinden, wie es die Nachfragesituation erfordert, können wir unseren Fahrgästen ein passgenaues Angebot bieten.“

Münchens elektromobile Zukunft

In München sollen alle Busse langfristig durch elektrisch angetriebene Fahrzeuge ersetzt werden. Um auf Nachfrageschwankungen im ÖPNV an verschiedenen Tagen oder zu unterschiedlichen Tageszeiten zu reagieren, werden hier bislang Personenanhänger eingesetzt.

„Bei Elektrifizierung der Zugfahrzeuge müsste enorme elektrische Energie eingesetzt werden, um die Anhänger mitzubewegen“, konstatiert Sax.

Zusätzlich den Anhänger zu motorisieren, sei weder kosten- noch energieeffizient. Eine rein elektronische und informationstechnische Kopplung wie beim Platooning erlaube hingegen, vollständige Fahrzeuge zu koppeln.

Da dabei gängige Fahrzeugtypen eingesetzt würden, sei die Elektrifizierung einfacher und preiswerter, meint der Leiter des ITIV am KIT.

„Wir entwickeln jetzt die Konzepte für das Platooning von Stadtbussen und anschließend die entsprechenden Algorithmen für die Automatisierung“, sagt Nicole Rossel vom Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV).

Diese würden dann in einem Bus-Prototypen verwendet, den die Forschenden des KIT gemeinsam mit den SWM und dem niederländischen Elektrobushersteller EBUSCO bis Mitte 2022 verwirklichen wollen. Dieser wird dann auf dem neuen Testfeld für elektrifizierte und automatisierte Fahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr im Norden von München getestet.

„Unser Ziel ist es, die neuen Fahrzeuge ab Mitte des Jahrzehnts auf die Straße zu bringen“, so Sax.

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