Indien will 800.000 E-Busse bis 2030 beschaffen

Die Kosten dafür werden mehr als 100 Mrd. Euro betragen.

Indien steht eine Mammutaufgabe bevor, seinen öffentlichen Verkehr zu elektrifizieren. (Foto: Pixabay)
Indien steht eine Mammutaufgabe bevor, seinen öffentlichen Verkehr zu elektrifizieren. (Foto: Pixabay)
Claus Bünnagel

Die Regierung arbeitet nach Angaben der indischen Tageszeitung „The Egonomic Times“ (ET) an dem Plan, in den nächsten sieben Jahren 800.000 Dieselbusse – mehr als ein Drittel aller Busse auf den Straßen des Subkontinents – durch Elektrobusse zu ersetzen. Konkret sieht er vor, dass bis 2030 200.000 Elektrobusse für staatliche Verkehrsbetriebe, 550.000 für private Betreiber und 50.000 für Schulen und den Personentransport eingesetzt werden, wie hochrangige Regierungsquellen gegenüber ET erklärten. Das Vorhaben soll voraussichtlich die dritte Etappe des FAME-Programms (Faster Adoption and Manufacturing Electric Vehicles) ersetzen und Indien als globales Produktionszentrum für Elektrofahrzeuge positionieren. Dabei geht es der indischen Regierung nicht nur um Umweltbelange berücksichtigen, sondern auch die Etablierung eines ganzen Elektro-Ökosystems im öffentlichen Verkehr. Das soll den Aufbau einer weit verbreiteten Ladeinfrastruktur beschleunigen, Investitionen generieren, eine Skalierung herbeiführen, die die Kosten pro Einheit senkt, und gleichzeitig Arbeitsplätze in der Fertigung schaffen.

Höhere Ambitionen als Europa

Zum Vergleich: Im Jahr 2022 wurden in China rund 138.000 und in Europa lediglich 4.150 Elektrobusse zugelassen – 2023 dürfte der Absatz der Stromer in Europa die 5000er-Marke nur knapp überschritten haben. Auf den indischen Straßen fahren heute etwa 4.000 Elektrobusse, verglichen mit 2,3 Mio. Diesel- und CNG-Bussen, die im Lande unterwegs sind.

Hohe Kosten

Nach Schätzungen der indischen Industrie werden umgerechnet rund 13,2 bis 16,5 Mrd. Euro benötigt, um 100.000 Elektrobusse im Land zu den derzeitigen Kosten zu beschaffen. Die Regierung konsultiert derzeit die Beteiligten, um die Konturen des Programms zu entwerfen, das im nächsten Haushaltsjahr vorgestellt werden könnte. Der inhaltliche Schwerpunkt der Gespräche lag auf der Vergabe großer Beschaffungsaufträge, um die Kosten pro Einheit zu senken und die Fahrzeuge anschließend an die Verkehrsbetreiber zu verteilen. Nur 140.000 der derzeit 2,3 Mio. Busse in Indien werden von kommunalen Unternehmen betrieben, der Rest befindet sich in der Hand privater Firmen.

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Gemeinsamer Zahlungssicherheitsmechanismus mit den USA

Die Strategie der indischen Regierung sieht vor, dass es mehr Sinn mache und größere Wirkung entfalte, finanzielle Ressourcen in die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs als in Anreize für private Käufer zur Anschaffung von Elektroautos und -zweirädern zu stecken – sowohl in sozialer als auch in ökologischer Hinsicht. Zusammen mit den USA hatte sie auf dem COP28-Gipfel in Dubai Pläne zur Einrichtung eines gemeinsamen Zahlungssicherheitsmechanismus (PSM) für den Einsatz von 38.000 Elektrobussen im Land bekanntgegeben. Das gibt gerade den privaten Verkehrsunternehmen in Indien die Möglichkeit, die Mehrkosten für die Elektrifizierung ihrer Fuhrparks langfristig zu finanzieren.