KVB nimmt E-Bus-Betriebshof Porz in Betrieb

Damit ist der nächste Meilenstein im Projekt „Smart City KVB“ des Kölner Verkehrsunternehmens erreicht.

Die KVB hat Mitte März ihren neuen E-Bus-Betriebshof Porz nach Abschluss der ersten von zwei Baustufen in Betrieb genommen. (Foto: KVB)
Die KVB hat Mitte März ihren neuen E-Bus-Betriebshof Porz nach Abschluss der ersten von zwei Baustufen in Betrieb genommen. (Foto: KVB)
Claus Bünnagel

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) haben Mitte März ihren neuen E-Bus-Betriebshof Porz nach Abschluss der ersten von zwei Baustufen in Betrieb genommen. Er wird nach Fertigstellung mehr als 100 Stromer beherbergen. Zugleich werden die Buslinien 160, 161, 162, 165 und 166 vom Dieselbusbetrieb auf E-Busse umgestellt. Damit kommt das Unternehmen nach eigenen Angaben in seinem Programm „Smart City KVB“ einen bedeutenden Schritt voran. Bis 2030 will die KVB ihren gesamten Busbetrieb auf alternative Antriebe umstellen.

12,2 Mio. Euro Landesmittel

Eröffnet wurde der E-Bus-Betriebshof in Porz von Landesverkehrsminister Oliver Krischer zusammen mit KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks, Ascan Egerer (Beigeordneter für Mobilität der Stadt Köln) und Bezirksbürgermeisterin Sabine Stiller.

Haaks dankte dabei dem Land Nordrhein-Westfalen für dessen Engagement in der Antriebswende: „Die KVB investiert in den neuen Elektrobusbetriebshof rund 35 Mio. Euro. Etwa 12,2 Mio. Euro hiervon steuert das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) bei. Ohne diese Unterstützung könnten wir den Wandel hin zu alternativen Antrieben nicht bewältigen.“

Im neuen Betriebshof werden nach dessen Vollausbau rund 350 Arbeitsplätze angesiedelt sein – im Fahrdienst, in der Werkstatt und im Fahrdienstmanagement.

KVB appelliert an Bund zur Fortsetzung seines finanziellen Engagements

Die Inbetriebnahme des Elektrobusbetriebshofs Porz fällt in eine Zeit, in der sich der Bund aus der finanziellen Förderung der Antriebswende im ÖPNV verabschieden möchte. Aufgrund der durch das Bundesverfassungsgericht festgestellten Verfassungswidrigkeit des Sondervermögens „Klimafond“ entstand ein Fehlbedarf im Bundeshaushalt in Höhe von 60 Mrd. Euro. In der Folge hat der Bund angekündigt, die Hochlaufförderung zur Beschaffung von Bussen mit alternativen Antrieben auslaufen zu lassen.

Die KVB konnte ihr Programm Smart City KVB bisher jedoch nur durch die nennenswerte Unterstützung von Bund und Land gestalten. Bisher hat das Land rund 18,5 Mio. Euro zum Erwerb von E-Bussen beigetragen, weitere rund 26 Mio. Euro stehen aus. Der Bund beteiligte sich mit etwa 26,3 Mio. Euro. Zudem ist das Land bei der Umstellung der Busbetriebshöfe und der Ladeinfrastruktur im Stadtgebiet aktiv.

Mehrkosten für Tickets

Der Branchenverband VDV hat dem Bund laut KVB Gesprächsbedarf signalisiert. Ohne die gemeinsame Gestaltung der Antriebswende drohe diese zu scheitern. Dabei wirke die Europäische Union auf den grundlegenden Wandel im öffentlichen Verkehr durch die aktive finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hände hin. In ihrer Clean Vehicles Directive“ (EU-Richtlinie 2009/33/EG) beharre sie in ihrer Erwägung Nr. 22 darauf, dass die Mehrkosten der Umstellung auf alternative Antriebe nicht zu höheren Ticketpreisen führen sollen. Aber genau das werde die Folge sein, wenn die Verkehrsunternehmen und Bundesländer die finanziellen Herausforderungen allein tragen müssten.

Stefanie Haaks dazu: „Ich erwarte, dass der Bund einen konstruktiven Ausweg findet und auch, dass die nächste Verkehrsministerkonferenz auf eine baldige Lösung drängt. Die Verkehrsunternehmen benötigen diese Fördermittel zur Erreichung der Klimaschutzziele. Klimaschutz ist eine volkswirtschaftliche Aufgabe und kann daher nicht ausschließlich auf die Unternehmen abgewälzt werden.“

Neuer E-Bus-Betriebshof auf 63.000 m2

Der neue Elektrobusbetriebshof der KVB befindet sich an der Kaiserstraße im Stadtteil Porz unweit des DB-Haltepunkts „Porz Rheinland“ und der KVB-Haltestelle „Porz Markt“. Das 63.000 m2 große Areal – entsprechend etwa neun Fußballfeldern – ist das Herzstück des bisherigen Dielektra-Geländes und lag rund 20 Jahre brach. Während die Dielektra (ursprünglich Meirowsky AG, später Siemens) hier Trafos und Isolatoren für die Elektroindustrie herstellte, bringt die KVB nun eine neue Innovation nach Porz. Der Betriebshof ist allein auf die „Beherbergung“ von E-Bussen ausgerichtet.

Neben den klassischen Abstellflächen umfasst der Busbetriebshof vor allem die Ladeinfrastruktur für E-Busse, eine Werkstatt und eine Waschanlage sowie ein Fahrdienstgebäude. Zudem baut die Rheinische Netzgesellschaft (RNG) hier ein Umspannwerk.

Unter freiem Himmel

Die E-Busse stehen unter freiem Himmel und werden dort auch geladen. In der Werkstatt für Inspektion, Wartung und Reparaturen befinden sich auch die Sozialräume für die Mitarbeiter. Im Fahrdienstgebäude finden die Disposition von Fahrern und Fahrzeugen sowie die Steuerung des Betriebs statt. Für den individuellen Mobilitätsmix der Mitarbeitenden stehen Pkw-Parkplätze und Zweiradstellplätze zur Verfügung. Hinzu kommt eine Energiezentrale, in der u.a. die Heizung der Gebäude und die Bereitstellung von Warmwasser sowie die Löschwasserpumpen gesteuert werden.

Ladeinfrastruktur als Herzstück

Die Ladeinfrastruktur ist das Herzstück eines E-Bus-Betriebshofes. Aktuell liefert die Konzernschwester RheinEnergie über zwei 10-kV-Leitungen den benötigten Wechselstrom. Dieser wird in der Übergabestation registriert und auf den „Eigenbedarf“ des Betriebshofs (Werkstatt, Fahrdienstgebäude etc.) sowie die Ladeinfrastruktur des Busbetriebs aufgeteilt. In zwei Travogebäuden wird der 10-kV-Wechselstrom auf 750 V transformiert, auf Ladegeräte aufgeteilt und durch diese in Gleichstrom umgewandelt. Die Stromflüsse werden dann über Leitungen entlang der Traversen auf die Ladehauben verteilt, wobei jedes Ladegerät je zwei Ladehauben ansteuern kann.

Weitestgehend automatisierte Ladevorgänge

Fährt ein E-Bus auf einen der Stellplätze, bewegt der Fahrer über einen Knopfdruck den Stromabnehmer des E-Busses in Richtung der darüber liegenden Ladehaube. Pantograf und Ladehaube geraten in Kontakt, und die Technik tauscht die relevanten Daten aus. Der E-Bus fordert in Abhängigkeit des bestehenden Ladevolumens seiner Batterie, der für die Ladung zur Verfügung stehenden Zeit und des im Betriebssystem vorgesehenen nächsten Linieneinsatzes die notwendige Strommenge an. Die Ladeinfrastruktur folgt in ihrer Leistung hierauf. Der nächste Fahrer des E-Busses löste per einfachem Knopfdruck lediglich den Stromabnehmer von der Ladehaube und kann die Fahrt sofort starten.

Bedeutender Schritt

Die Anlage in Porz ist der erste reine E-Bus-Betriebshof in NRW. Das Land fördert die Planung und den Bau der Anlage auf Basis von § 13 ÖPNV-Gesetz NRW. Dabei stellt der neue Betriebshof Porz nur ein Einzelprojekt im Gesamtprogramm Smart City KVB dar. Parallel erhält der bestehende Betriebshof Nord in Köln-Riehl mit der zweiten Ausbaustufe die Komplettierung der dortigen Ladeinfrastruktur. Zuvor wurde bereits die dortige Werkstatt für die Erledigung elektrotechnischer Aufgaben erweitert und die erste Ausbaustufe der Ladeinfrastruktur in mehreren Abschnitten realisiert. Zukünftig steht auch der Umbau des Betriebshofs der Schilling-Gruppe (SOV), Tochterunternehmen der KVB, in Hürth an.

Parallel wird weiterhin Ladeinfrastruktur an Endhaltestellen im Stadtgebiet aufgebaut, so z.B.aktuell an der Haltestelle „Porz Markt“. Zukünftig wird die Nachladung von E-Bussen auf der Strecke jedoch im Regelfall nicht mehr notwendig sein, da die Leistungsfähigkeit der Batterien inzwischen ausreichend groß ist. Die Ladeinfrastruktur im Stadtgebiet behält dennoch ihre Bedeutung im Fall von Störungen auf Betriebshöfen oder des Fahrbetriebs.

Bisher sind 81 E-Busse im Einsatz, weitere zwölf befinden sich im Zulassungsprozess und 24 in der Herstellung bzw. kurz vor der Auslieferung. Aktuell findet das Vergabeverfahren für weitere 46 Stromer statt. Die gesamte Busflotte der KVB (einschließlich SOV) umfasst derzeit 407 Fahrzeuge.

Der Einsatz von E-Bussen wird mehr und mehr zum gewohnten Bild im Kölner Stadtgebiet. Mit der Umstellung der Linie 133 im Dezember 2016 hat die KVB europaweit Neuland betreten. Erstmals wurde eine bestehende Innenstadtlinie auf den Betrieb mit Batteriegelenkbussen umgestellt. Nach der Linie 133 folgten die Linien 126 („MuLI-Linie“), 141, 145 und 149 (im linksrheinischen Stadtgebiet) sowie die Linien 150, 153, 159 und 196 (im rechtsrheinischen Stadtgebiet).

Standort der KVB in Porz bringt wirtschaftliche Vorteile

Das neue Areal in Porz bedeutet wirtschaftliche Vorteile für den KVB-Busbetrieb. Rund 40 % des KVB-Busverkehrs findet im rechtsrheinischen Stadtgebiet statt. Die hierfür benötigten Busse kommen bisher meist aus dem Betriebshof Nord in Riehl. Der Ausrückweg von dort zur Haltestelle „Porz Markt“ (als Beispiel) ist 25 km lang und dauert etwa 35 Minuten. Diese langen Leerfahrten werden nun vermieden. Zudem können im Fall von kurzfristig notwendigen Ersatzbusverkehren die rechtsrheinischen Stadtteile nun in vielen Fällen schneller erreicht werden.

Auch für die Beschäftigten besitzt der neue Betriebshof alltägliche Vorteile. Einige in Porz eingesetzte Beschäftigte werden aus nahegelegenen Stadtgebieten kommen und haben damit wesentlich kürzere Wege zur und von der Arbeit.

Klima- und Umweltschutz auf dem E-Bus-Betriebshof

Die Ladung der E-Busse erfolgt mit Ökostrom. Auch der Betriebshof selbst ist – trotz der großflächigen Versiegelung – als „grüner Betriebshof“ angelegt und somit ein aktives Element des Klima- und Umweltschutzes. So entstehen begrünte Dächer und Fassaden, wird über Fotovoltaik Strom gewonnen und der Energieverbrauch z.B. im Wärmebereich niedrig gehalten. Insgesamt neun Fassaden von vier Gebäuden werden begrünt, was 540 m2 ausmacht. Die begrünten Fassaden – genauso wie begrünte Dächer – sollen sich positiv auf das Mikroklima auswirken. Auf allen sieben Dächern der insgesamt sieben Gebäude wird eine Dachbegrünung mit einer Gesamtfläche von 3.735 m2realisiert. Auf den ersten Dächern der ersten Baustufe sprießt inzwischen die Vegetation.

In den Randbereichen des Betriebshofes werden zudem Bäume gepflanzt. Dies dient genauso der optischen Auflockerung wie der Biodiversität. Auch ist ein Biotop für Mauereidechsen auf einer Fläche von 900 m2 angelegt worden.

Das Regenwasser wird über eine Neigung in der versiegelten Fläche in Rigolen gelenkt. Es kann dann versickern und wird nicht über eine Kanalisation abgeführt. Die Kanalisation nimmt nur Schmutzwasser z.B. aus den Sanitäranlagen auf.

Über insgesamt neun Fotovoltaikanlagen werden bis zu 440 kWh Strom in der Spitze (kWp) erzeugt, wenn die Einstrahlung des Sonnenlichts optimal ist. Auch auf den Oberseiten der Traversen der Ladeinfrastruktur sind – bzw. werden in der zweiten Baustufe – Fotovoltaikplatten platziert.