Elektromobilität: Forschungsprojekt MENDEL erfolgreich geendet

Die Ergebnisse des jüngst abgeschlossenen Projekts zur Senkung der Investitions- und Betriebskosten der Elektromobilität sind jetzt vorgestellt worden.

Einen Überblick über die Herausforderungen der Elektromobilität gab INITs Head of Research, Dirk Weißer den Teilnehmern der MENDEL-Abschlussveranstaltung. (Foto: DLR)/Vera Koopmann)
Einen Überblick über die Herausforderungen der Elektromobilität gab INITs Head of Research, Dirk Weißer den Teilnehmern der MENDEL-Abschlussveranstaltung. (Foto: DLR)/Vera Koopmann)
Martina Weyh

Dreieinhalb Jahre lief das Projekt MENDEL (Minimale Belastung elektrischer Netze durch Ladevorgänge von Elektrobussen) unter der Konsortialführung des Anbieters von integrierten Planungs-, Dispositions-, Telematik- und Ticketinglösungen für Busse und Bahnen, INIT in Kooperation mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft, wie AVT-Stoye, Fraunhofer IML, GEVAS software, ifak e.V. und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Das in mehrere Einzelbereiche unterteilte MENDEL-Projekt förderte erstaunliche Ansätze und Erkenntnisse zutage, die jetzt in der Abschlussveranstaltung vorgestellt wurden.

„MENDEL hat gezeigt, wie mithilfe von Informations-, Kommunikations- und Vernetzungstechnik die großen Elektrobusflotten von morgen zuverlässig und wirtschaftlich betrieben werden können”, so INITs R&D-Manager Manuel Quinting.

Teilprojekt Smart Grid

Im Teilprojekt Smart Grid etwa erarbeiteten die Projektpartner Softwarelösungen zur intelligenten Planung und Steuerung der Stromversorgung von Bussen. Dazu wurde ein Programm entwickelt, das auf der Basis von Infrastrukturdaten des Stromnetzbetreibers sowie Fahrplandaten die optimale Ladeinfrastruktur für Opportunity Charging (Laden auf der Strecke) in einem Busliniennetz ermittelt. Eine weitere Software optimiert davon ausgehend wiederum die Fahrzeugumläufe und die zeitliche Verteilung der Ladevorgänge. Dabei kann situativ die Ladedauer angepasst werden: Wird im Intermodal Transport Control System (ITCS) ein kritischer Ladezustand registriert, so wird der Ladevorgang an der Haltestelle verlängert, bei hohem Ladezustand kann der Aufenthalt zugunsten einer geringeren Netzbelastung verkürzt werden.

Teilprojekt IST – Vorrang für E-Busse

Das Teilprojekt ITS fokussierte sich auf eine Senkung der variablen Betriebskosten. Ein wesentliches Einsparpotential ergibt sich laut den Forschungsstudien durch die Reduktion energieintensiver Anfahrvorgänge. Dazu wurde eine zentrale ÖV-Priorisierung entwickelt, die in der Lage ist, Ladezustände und geplante Ladezeiten zu berücksichtigen. Möglich wird das durch die Backend-to-Backend-Verbindung des ITCS mit der neuen Komponente CCALL im Verkehrsmanagementsystem der Kommunen, die die zentrale Anmeldung und Priorisierung durchführt. Dadurch lassen sich bei der Lichtsignalanlagen-Beeinflussung in Echtzeit ÖPNV- und insbesondere Elektrobus-Kennwerte eines konkreten Fahrzeugs berücksichtigen, z. B. State of Charge, Verspätungen und Belegungsgrad. Konkret erhält beispielsweise die Grünanforderung eines E-Busses mit kritischem Ladezustand besonders hohe Priorität. Darüber hinaus erhält der Fahrer über den Bordrechner präzise Echtzeitinformationen über die Distanz zur nächsten Ampel und eine Prognose zur Erreichbarkeit der nächsten Grünphase.

Parallel erlaubt eine Smartphone-App auch denjenigen Verkehrsunternehmen, die aus der Region in eine Stadt mit Vorrangschaltungen einfahren, die ÖV-Priorisierung zu nutzen.

Teilprojekt AIM – Demonstration der Software-Prototypen

Im Testfeld AIM des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) konnte die Software dieses Teilprojekts im Stadtgebiet Braunschweig erfolgreich getestet werden. Bei der Live-Vorführung im Rahmen der Abschlussveranstaltung wurde im Zusammenspiel mit den ausgestellten Software-Prototypen die gelungene Vernetzung von Smart-Grid- und ITS-Komponenten in einem Gesamtsystem anschaulich demonstriert.

Besonderes Augenmerk lag bei der Entwicklung aller Software-Prototypen auf den Schnittstellen: Wo möglich, griffen die Projektpartner auf Standardschnittstellen zurück oder erweiterten diese hinsichtlich E-Mobilitätsrelevanter Informationen.

Printer Friendly, PDF & Email